|
«Alles unwahr», sagte der schwer kranke 57- Jährige, der vor drei Wochen seinen dritten Herinfarkt erlitt, der Deutschen Presse-Agentur dpa und kündigte Schritte gegen den ehemaligen T-Mobile-Profi an. «Das lasse ich mir nicht gefallen. Ich werde mit meinem Anwalt entscheiden, wie ich dagegen vorgehe», sagte der sich in Reha befindliche Weibel, der von Sinkewitz beschuldigt wurde, EPO-Doping bereits im Jahr 2000 zumindest toleriert zu haben.
Weibel ist seit Mai vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) freigestellt, nachdem ehemalige Athleten ihn und den inzwischen geständigen Verbandsarzt Georg Huber aus Freiburg des Dopings in den 80er und 90er Jahren beschuldigt hatten. Weibel erhält allerdings weiter Bezüge. Als Schwerbehinderter genießt er arbeitsrechtlich besondere Privilegien. Neben dem Ex-Bundestrainer griff Sinkewitz, der in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» zudem für eine Amnestie für Doping-Geständige plädierte, auch Holczer an. Dem Manager des Gerolsteiner Teams nehme er nicht ab, von angeblicher Doping-Praxis in dessen Mannschaft «nichts gewusst» zu haben. Holczer kündigte in einem Gespräch mit dem Internetanbieter «Sport.1.de» Reaktionen an: «Das wird geklärt werden.»
«Ich habe mich 2000 erstmals mit Doping befasst», hatte Sinkewitz in dem Zeitungs-Interview erklärt. Vor der WM in Plouay/Frankreich habe er sich bei Weibel über das als Blut-Doping-Mittel verwendete Hormon EPO erkundigt. Der altgediente Bundestrainer, seit 1984 im Amt und auch für Jan Ullrichs WM-Triumph 1993 mitverantwortlich, habe ihm das Dopingmittel zwar nicht direkt empfohlen. «Aber er hat auch nicht abgeraten», sagte der 27-jährige Hesse. Auch der BDR habe davon gewusst, erklärte Sinkewitz, der sich vom Verband durch die verhängte 40 000 Euro-Strafe ungerecht behandelt fühlt und eine Amnestie forderte: «Dann würden auch viele andere reden».
Sinkewitz war vor sieben Jahren kurz vor der WM aus Frankreich - damalige BDR-Begründung: Erkältung - abgereist. Ausschlaggebend dafür waren nach Sinkewitz-Angaben jedoch zu hohe Blutwerte: «Weibel hat mir immer wieder in seinem Hotelzimmer den Hämatokritwert gemessen». Da die Werte im Grenzbereich gelegen hätten, habe der Bundestrainer auf Abreise plädiert. Dazu sagte Weibel: «Die Messungen waren obligatorisch, weil der Wert durch das vorangegangene Höhentraining anstieg.» Sinkewitz hätte sich nach eigenen Aussagen EPO in der Apotheke besorgt und selbst gespritzt. Weibel habe ihm lediglich geraten, «vorsichtig zu sein», ihn aber nicht davon abgehalten, unerlaubte Mittel zu nehmen.
Der des Testosteron-Dopings überführte Sinkewitz, der am 16. November vom BDR-Sportgericht im Zuge der Kronzeugenregelung bis zum 17. Juli 2008 gesperrt wurde und 40 000 Euro zahlen muss, fühlt sich ungerecht behandelt: «Man kann nicht den einen so behandeln und den nächsten ganz anders». Das BDR-Präsidium will das Sportgerichts- Urteil «trotz erheblicher Bedenken» nur akzeptieren, wenn der Profi zahlt und den dem Radsport zugefügten wirtschaftlichen Schaden zumindest symbolisch ausgleiche. Der Sache nach deckten sich die neuesten Äußerungen von Sinkewitz mit der Aussage vor dem Sportgericht, teilte der BDR mit.
Andere Radsportler seien in der Vergangenheit besser weggekommen als er, meinte Sinkewitz: «Die Strafe schreckt ab und torpediert die Kronzeugenregelung.» Als Kronzeuge würde er sich nicht noch einmal zur Verfügung stellen. Es gehe an seine finanzielle Substanz. Zuletzt soll der Deutschland-Tour-Gewinner von 2004 bei T-Mobile 700 000 Euro verdient haben.
Positive Worte fand Sinkewitz für den Manager des T-Mobile-Rennstalls, Bob Stapleton.
|