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Die hessische Radsportschmiede Storck ist seit Jahren bekannt für innovative Entwicklungen bei anspruchsvollem Design. Die funktionsorientierten IF-, Red Dot-, und Eurobike-Design-Awards geben sich in den Bad Camberger Hallen die Klinke in die Hand und die Power Arms-Kurbel wurde bereits im National Design Museum in New York ausgestellt. So wundert es nur wenig, dass sich die konsequente Weiterentwicklung des Scenario CD 1.1 und des 1.0, das Scenario CD 0.9, kurz nach seinem ersten öffentlichen Auftritt preisgekrönt wiederfindet.
In Zusammenarbeit mit dem Marktführer in Sachen Carbonfertigung, dem Taiwanesen Martec, hat Storck den Rahmen Scenario 0.9 gebaut. Neben dem Scenario hat Martec bereits den Talon von Kestrel gefertigt, aber auch der französische Carbonexperte Look greift auf die Erfahrung des Taiwanesen zurück. Kein Wunder, schließlich ist Martec seit fast einem Vierteljahrhundert im Carbongeschäft unterwegs. Als Tochter von Marshal Industrial, dem nach eigenen Angaben größten Hersteller von Tennisschlägern aus Carbon, baut Martec seit Anfang der 1980er-Jahre Gabeln und später auch Rahmen aus Carbon. Die Fasern bezieht Martec von Mitsubishi, Rayon und Torayca aus Japan und Graffil aus den USA.
Die Mischung machts
Der Monocoque von Storck ist eine Mischung aus multidirektional gewebten UM- (Ultra Modulus) und UHM- (Ultra High Modulus)-Fasern und wird im so genannten „bladder moulding“-Verfahren hergestellt: Die beidseitig in Harz getränkten Carbonmatten werden über einen Schlauch gelegt, und das Duo wird anschließend in die Form gepasst. Mit enorm hohem Druck wird der Schlauch aufgeblasen und gegen die Innenwand der Form gedrückt. Das unnötige Harz wird ausgeschieden und Hohlräume werden vermieden. Beim Scenario liegt der Harzanteil nach dem Ausbacken bei rund 35 Prozent.
Als Ergebnis wirken der extrem voluminöse Tretlagerbereich und der hintere Knotenpunkt bereits optisch enorm stabil. Beim Steuerrohr hat sich Storck für eine ähnlich bauchige Form wie die Kollegen aus Italien entschieden. Allerdings will hier die schlanke Stiletto Light UMS-Vollcarbongabel nicht ganz zum kräftigen Auftritt des Rahmens passen. Dennoch, die 260 Gramm der Gabel bei einem STW-Wert von 50Nm/Grad – das kann sich sehen lassen.
Der Rohrdurchmesser passt zur Fahrergröße
Neugierige Blicke dürften die nach hinten offenen Ausfallenden auf sich ziehen. Bei Storck verspricht man sich davon einen besseren Kraftfluss, da die Seiten der Ausfallenden in der Verlängerung der Streben liegen. Apropos Kraftfluss: Damit der Rahmen bei zunehmender Körpergröße besser mit den auf ihn einwirkenden Kräften zurechtkommt, hat man mit steigender Rahmenhöhe die Rohrdurchmesser vergrößert. Bei Storck macht man sich eben Gedanken.
Insgesamt besticht der Monocoque durch einen ungemein homogenen Auftritt. Das Zusammenspiel zwischen volumenstarken Rohren und flächigen Knotenpunkten funktioniert perfekt und lässt das CD 0.9 sehr, sehr kraftvoll wirken. Allein der Gabelschaft wirkt mit der unteren Öffnung des Steuerrohrs ein wenig überfordert.
Im Fahrbetrieb stört dies allerdings nicht. Ganz im Gegenteil, das Scenario CD 0.9 glänzt geradezu durch perfektes Handling. Das Steuer ist durch äußere Einwirkungen nicht aus der Ruhe zu bringen, es sei denn Sie selbst bringen Bewegung ins Spiel, dann reagiert es flink und direkt. Ebenfalls äußerst stabil geht es im Tretlagerbereich zu. Das viele Material rund um die Achse sorgt beim Storck für enormes Antriebspotenzial.
Sehr gut gefallen hat uns die Ausrüstung mit Sram. Die Griffe fassen sich als eine Mischung aus Shimano und Campagnolo exzellent an, die Bremsen arbeiten tadellos, und der Schaltkomfort ist gelungen.
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