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Jeder möchte weit vorne fahren, sei es aus Ehrgeiz oder aus Sicherheitsgründen. Ständig schieben sich Fahrer links und rechts am Feld vorbei, um sich an der Spitze einzureihen, nur um dann selbst wieder zurück ins Glied zu rutschen. Ein Perpetuum Mobile der allerfeinsten Sorte.
Ich sitze relativ weit vorne im Peloton und versuche, die Position zu halten. Angesichts der Schwemme an neuen Fahrern keine leichte Aufgabe: Die Finger ständig an der Bremse, gibt es immer wieder Körperkontakt mit der Konkurrenz. Lücken im Feld werden genutzt, um sich „weiter nach vorne“ zu schieben. In Wahrheit verharrt man angesichts der seitlich beständig aufrückenden Fahrer auf gleicher Höhe.
Millimeterarbeit
Nach rund einer halben Stunde haben wir die ersten 20 Kilometer hinter uns gebracht und befinden uns inzwischen auf sehr kupiertem Terrain. Das Feld bügelt mit vollem Tempo über die Wellen, als wären sie gar nicht vorhanden, und spannt sich als Folge des hohen Tempos, wie ich später in den Gazetten lesen sollte, auf eine Länge von 15 Kilometern! Und dann kracht es! Auf einmal liegen sie vor mir, einer stürzt über den anderen – 5, 10, 20 Fahrer auf dem Boden. Eine Massenkarambolage. Die Stürzenden schlittern auf nassem Asphalt über die Straße und knallen in die Rennmaschinen ihrer Mitstreiter, reißen diese mit ins eigene Unglück.
Panik hilft kaum, ich versuche dosiert zu bremsen und es gelingt mir: Ganz weit außen, über die Grasnarbe der Straße, schiebe ich mich vorbei. Millimeter trennen mich von einem heranrutschenden Rennboliden, der den Fahrer, immer noch in den Pedalen hängend, hinter sich herzieht. Dann bin ich durch. Das Peloton ist gesprengt, und ich finde in einem Kraftakt Anschluss an die erste große Gruppe. Über den Massensturz wird hier kein Wort verloren, keiner blickt zurück, das Tempo bleibt hoch.
Flache Anfahrt!?
Ein Wort verlieren sollte man aber einmal über die so genannten flachen Anfahrten, die die Profis zu den Füßen der Bergriesen der Tour de France führen.
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