Fitness

Neues aus der Forschung: Radsport = Denksport?

05.05.2017

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Ist Radsport gleich Denksport?

Radfahren macht schlau. Was viele Rennradfahrer schon immer vermutet haben, hat ein Team von Wissenschaftlern des King’s College in London nun nachgewiesen: Wer starke Beine hat, der ist im Alter auch geistig fitter. Der Grund: Beim Treten wird die Aktivität der Nervenzellen und die Impuls-Übertragung gesteigert – das fanden Forscher der University of Illinois heraus. 

 

 

Starke Beine – geistige Gesundheit 

Die Londoner Wissenschaftler haben vor zehn Jahren begonnen, 324 Zwillinge zwischen 43 und 73 Jahren regelmäßig auf ihre Bein-Kraft und ihre geistigen Fähigkeiten zu testen. Die im vergangenen November veröffentlichte Studie zeigt einen eindeutigen Zusammenhang: Die Teilnehmer mit den stärkeren Beinen waren durchschnittlich auch geistig deutlich leistungsstärker. Sie waren schneller im Denken und besser im Erinnern und Lernen. Die „Beinstärke“ wurde in der Studie durch Kraft- und Ausdauertests gemessen und definiert – beides wird beim Radfahren ideal gefördert. 

Konzentrationsvermögen

Wie der Zusammenhang zwischen Radfahren und geistiger Fitness funktioniert, haben Neuro-Wissenschaftler an der University of Illinois an 59 Männern zwischen 60 und 79 Jahren untersucht: Die Hälfte der Probanden begann ein tägliches Programm von rund 60 Minuten Radfahren, bei 75 Prozent der maximalen Herz-Frequenz, die andere Hälfte blieb inaktiv. Das Ergebnis, bereits nach drei Monaten, und voll ausgeprägt nach sechs Monaten: Die Radfahrer zeigten eine bessere Konzen-
tration, schnelleres Denken, eine höhere Merkfähigkeit und eine bessere Problemlösung als die Nichtsportler. Die Verbesserungen lagen durchschnittlich im hochsignifikanten Bereich von 15 bis 20 Prozent.

 

Auf die Nerven

Der zugrundeliegende Mechanismus: Beim Pedalieren wird sowohl die Produktion von Nervenzellen als auch die Ausschüttung von Neurotransmittern, zuständig für die Übertragung der Nerven-Impulse, angeregt. Zudem bleibt das Gehirn-Volumen konstant und nimmt nicht ab, wie es in der Altersgruppe ab 60 sonst üblich ist. „Ein größeres, besser vernetztes Gehirn funktioniert natürlich besser“, sagt Neuro-Wissenschaftler Arthur Kramer, Studienleiter an der University of Illinois, „im Durchschnitt unserer Studie sahen die Gehirne der sportreibenden Probanden aus wie die von drei Jahre jüngeren Probanden.“ Sport kann somit nicht nur den körperlichen Alterungsprozess verlangsamen. 

Schutz vor Demenz

„In unserer alternden Gesellschaft nehmen sogenannte neurodegenerative Erkrankungen wie die Demenz zu“, sagt Professor Wilhelm Bloch, Leiter des Instituts für Kreislauf-Forschung an der Deutschen Sporthochschule Köln: „Mangelnde körperliche Aktivität ist einer der Risiko-Faktoren für die Entstehung von Demenz.“ Regelmäßiges Ausdauer-Training hat verschiedene Auswirkungen auf das Gehirn, hat Bloch erforscht: „Es fördert die Freisetzung von Zytokinen (Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren), führt zur Aktivierung von antioxidativen Mechanismen, zur Ausschüttung von Nervenwachstums-fördernden Faktoren und steigert die Nervengewebs-Bildung.“ 

Stoffwechsel

Neue Erkenntnisse zeigen zudem, dass Ausdauer-Training die metabolische Versorgung, also den Stoffwechsel im Gehirn verbessert, und dies zu einer Steigerung der Hirn-Leistungsfähigkeit führen kann. „Es werden Stammzellen aktiviert, die Nervengewebe ersetzen können, und die energetische Versorgung des Gehirns wird verbessert“, sagt Sportwissenschaftler Bloch: „Vor allem die verstärkte Nervengewebs-Regeneration ist einer der wesentlichen Mechanismen, die Effekte von körperlicher Aktivität auf das Gehirn erklären.“ 

Gute Laune

In einer in diesem Jahr im Journal of Diabetes Complications veröffentlichten Studie wurden die Effekte eines zwölfwöchigen Rad-Trainingsprogramms untersucht. In Gehirnen der Probanden stellten die Forscher deutlich höhere Level des Wachstumsfaktors BDNF fest. Dieser ist unter anderem dafür zuständig, Stress, Stimmung und Erinnerungsprozesse zu regulieren.

 

Quelle: 

Text: Wolfgang Press Bilder: Cor Vos

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