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Doping-Studie: Kleine Dosis mit großer Wirkung

05.05.2015

Fahnder können weiter leicht ausgetrickst werden

Eine neue Doping-Studie im Auftrag des französischen Fernsehens sorgt für Aufsehen. Sie zeigt, wie man mit bekannten Doping-Mitteln betrügen und dabei unentdeckt bleiben kann. Die Probanden erzielten mit Epo, Steroiden und Blutdoping in Mikro-Dosen teilweise enorme Leistungssprünge, ohne dass im biologischen Blutpass große Auffälligkeiten festzustellen waren. Anti-Doping-Kämpfer zeigen sich besorgt.

„Wie von einem anderen Planeten“

Französische Sportärzte haben mit Genehmigung der Welt-Anti-Doping-Agentur 29 Tage lang acht Probanden zu Studienzwecken und unter ständiger medizinischer Aufsicht mit bekannten Dopingmitteln versorgt. Ihre Forschungsfrage: Haben Mikro-Dosierungen eine Wirkung? Die jetzt vorgestellten Ergebnisse können als durchaus heikel für die Sportwelt bezeichnet werden. Im Radfahren verbesserten sich die Gedopten um 2,3 Prozent, der Beste von Ihnen sogar um fünf Prozent. Alle Probanden berichteten zudem von positiven Auswirkungen auf den Alltag. „Bereits um fünf Uhr morgens spüre ich eine enorme Energie in mir“, schwärmte ein Proband. Eine andere Testperson berichtete, er fühle sich „wie auf einen anderen Planeten versetzt“. Laut France 2 wurden die Athleten während der Studie „zu keiner Zeit positiv getestet“.

Doping mit den „Klassikern“

Die Probanden wurden jeweils mit einem Viertelliter Eigenblut, Erythropoetin (Epo), Wachstumshormonen sowie Kortikosteroide gedopt. Gespritzt beziehungsweise reinfundiert in Mikrodosierungen waren die Mittel bereits nach wenigen Stunden nicht mehr nachweisbar. Der Körper baute sie rasch ab. Schon seit längerem hegen Doping-Kontrolleure den Verdacht, dass im Elitesport Doping mit Mikro-Dosen vorzugsweise, am Abend, betrieben wird. Zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr früh ist es derzeit nicht erlaubt, Athleten für einen Dopingtest aus dem Bett zu klingeln. Die Ergebnisse der französischen Studie könnten jetzt dazu führen, dass diese Praxis geändert wird.

„Weckt die Leute nachts auf!“

Einer der führenden deutschen Doping-Forscher, der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel, zeigt sich in einer ersten Reaktion auf die Forschungsergebnisse besorgt. Mit den Worten: „Verdammt noch mal, weckt die Leute nachts auf“, wird er bei Eurosport zitiert. Auch die Aussagen des leidenschaftlichen Anti-Doping-Kämpfers Werner Franke (Heidelberg) zielen in dieselbe Richtung. „Wer mit Mikrodosen dopt, ist nachts immer auf Stoff. Ein Test im Jahr mitten in der Nacht könnte da schon reichen“, sagte Franke gegenüber dem Sportinformationsdienst. „Aber solange die Nacht tabu ist, ist alles für die Katz.“

NADA kündigt genaue Untersuchung an

Die deutsche Anti-Doping-Agentur (NADA) hat bereits eine genaue Untersuchung der französischen Studienergebnisse angekündigt. Für das Doping mit Mikrodosierungen brauche es "kriminelle Energie, entsprechendes Knowhow und professionelle Anleitung", ließ sie gegenüber Eurosport ausrichten. Die Schlussfolgerung der NADA wirkt da freilich etwas unbeholfen: "Diese Art von Doping in Mikro-Dosierungen zeigt, dass das Kontrollsystem immer engmaschiger wird - bei höheren Dosierungen ist das Risiko für die Doper, erwischt zu werden, hoch."

Seit Jahren geht der NADA nur ein verschwindend geringer Anteil von gedopten Sportlern ins Netz. Im Jahr 2013 fielen von 8106 Trainingskontrollen lediglich drei positiv aus.

Quelle: 

Redaktion RennRad mit Informationen von SID, Eurosport und Süddeutscher Zeitung; Foto: Cor Vos

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