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Hintergründe: Motordoping bei Cross-WM

01.02.2016
Motordoping: Van den Driessche mit Hilfsmotor

Manipuliertes Rad bei Cross-WM

Der Radsport hat seinen ersten Fall von Motor-Doping. Bei der Cross-WM in Belgien entdecken die Fahnder ein manipuliertes Rad. Der Weltverbandschef kündigt weitere Kontrollen an.

Erstmals bei großen Radsport-Titelkämpfen haben Kontrolleure einen Starter der verbotenen Nutzung eines Hilfsmotors überführt. Im U23-Rennen der Frauen bei der Cross-Weltmeisterschaft in Zolder ist ein Verstoß gegen die Richtlinien zum «technologischen Betrug» festgestellt worden, bestätigte der Weltverband UCI. Das Rad habe aber keiner der Fahrerinnen auf dem Siegerpodium gehört, hieß es weiter. Der Motor ist stattdessen im Rahmen des Rads der belgischen Mitfavoritin Femke van den Driessche entdeckt worden. Van den Driessche hatte das Rennen am Samstag vorzeitig aufgegeben.

Van den Driessche: "Es war nicht mein Rad"

«Es ist kein Geheimnis, dass ein Motor gefunden worden ist. Wir glauben, dass es tatsächlich technologisches Doping war», sagte UCI-Präsident Brian Cookson am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Van der Driessche bestritt im Interview mit einem belgischen TV-Sender, dass das beschlagnahmte Rad ihr gehörte. „Das Rad gehört einem Freund. Er hat es mir am Ende der vergangenen Saison abgekauft, es ist das gleiche wie das, welches ich benutze“, behauptete die 19-jährige Belgierin im Interview mit dem Fernsehsender Sporza. Der Freund habe gemeinsam mit ihrem Bruder den Parcours besichtigt und danach das Rad in einem Lkw abgestellt. Einer der Mechaniker habe das Rad für ihres gehalten, so Van den Driessche, und mitgenommen.

Sie habe nicht gewusst, dass sich in dem Rahmen ein Motor befinde, erklärte die Europameisterin unter Tränen. „Es geht mir schlecht. Es ist nicht schön, wenn man so beschuldigt wird. Ich würde nie betrügen.“ Ihr Bruder allerdings, ein ehemaliger Cross-Fahrer ist bereits schon einmal als Betrüger aufgefallen. Derzeit ist er als EPO-Doper gesperrt.

Neuer Strafenkatalog der UCI

Die UCI hatte erst Anfang des Vorjahres ihren Strafenkatalog um den Punkt «technologischer Betrug» erweitert. Fahrer werden mit sofortiger Disqualifikation, einer anschließenden Sperre von mindestens sechs Monaten und Strafzahlungen belegt. Auch deren Teams würden sofort disqualifiziert und dürften mindestens sechs Monate nicht an Rennen teilnehmen. Die Geldstrafen bewegen sich zwischen 100 000 und einer Million Franken. Den Verdacht, dass im Radsport auch Hilfsmotoren zum Einsatz kommen, gibt es schon seit längerem. Bereits 2010 war dem mehrfachen Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara vorgeworfen worden, elektrische Antriebe zu benutzen. Dies konnte aber nicht belegt werden. Zur Entdeckung des Hilfsmotors bei der Cross-WM soll nun ein neues Testverfahren geführt haben.

"Wir werden euch kriegen und bestrafen"

«Technologischer Betrug ist inakzeptabel. Wir wollen, dass die Minderheit, die vielleicht Betrug in Betracht zieht, das weiß», twitterte UCI-Chef Cookson. Mit dem Fund des Hilfsmotors bei der WM habe der Verband ein klares Zeichen gesetzt. «Wir werden euch kriegen und wir werden euch bestrafen, weil unsere Technologie zur Entdeckung dieses Betrugs zu funktionieren scheint», erklärte der Brite.

Schon in der vergangenen Saison hatte der Weltverband unangekündigte Tests bei den großen Straßenrennen vollzogen. Solche Kontrollen sind Cookson zufolge auch für dieses Jahr geplant. «Es kann sich niemand mehr verstecken. Früher oder später werden sie für den Schaden bezahlen, den sie dem Sport zufügen», betonte Cookson.

Quelle: 

dpa, Redaktion RennRad; Foto: Cor Vos

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