Race



„Man kommt an seine Grenzen“

29.01.2016

Marcel Kalz im Interview

Pushbiker Marcel Kalz ist der Vorjahressieger des Berliner Sechstagerennens. Auch in dieser Saison zählt er mit seinem Partner Roger Kluge zu den Favoriten. Im Andels Hotel Berlin haben wir ihn zum Interview getroffen. Ein Gespräch über Sixdays-Routine, Schlafprobleme und Rühreier.

 

RennRad: Marcel, wir sitzen hier beim Frühstück nach der ersten Nacht der 105. Sixdays in Berlin. Vor Dir steht ein Teller mit Rührei – ist das Dein favorisiertes Frühstück während eines Sechstagerennens?

Marcel Kalz: Ja, das kann man so sagen. Rühreier schmecken mir einfach am besten und sie gehen am schnellsten rin (lacht). Außerdem füllen sie den Eiweißhaushalt nach einer harten Sixdays-Nacht schnell wieder auf.

Straßenfahrer bevorzugen dagegen eher eine Portion Nudeln, um die Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Warum ist Dein Ernährungsplan anders?

Bei Straßenrennen oder Rundfahrten ist die Belastungsdauer viel länger. Im Gegensatz dazu sind die Rennen auf der Bahn viel kürzer, man greift also auch seine Kohlenhydratreserven nicht so stark an. Außerdem haben wir Fahrer bei den Sixdays immer die Möglichkeit, uns in den Pausen zwischen den Entscheidungen ausreichend zu verpflegen, mit Milchreis zum Beispiel.                                                                                                                            

Die Pausen unterbrechen andererseits den Rhythmus einer Wettkampfnacht. Fällt es Dir schwer, die Wettkampfspannung zwischen den Entscheidungen aufrecht zu halten?

Die Gefahr ist schon da, dass die Muskulatur komplett herunterfährt. Ich versuche  mich deshalb ständig auf der Rolle warm zu halten. Das Programm bei den Sixdays hat sich aber in den letzten Jahren verändert. Das erschwert die Sache.

Inwiefern?

Die einzelnen Rennen an einem Abend werden immer kompakter durchgetaktet. Derny-Rennen, Scratch und dann gleich wieder Derny-Rennen. Danach ist ein riesen Zwischenraum, in dem die Sprinter, die Steher, die Frauen auf der Bahn sind. Man selbst muss trotzdem im Rennmodus bleiben. Das ist nicht immer leicht.

Die Renntage sind bei den Sixdays besonders lang. Gestern wurde die letzte Jagd erst weit nach Mitternacht beendet. Wie sieht Dein Programm nach dem Rennen aus?

Im Idealfall: duschen, essen, schlafen. Oft fällt einem aber letzteres nicht so leicht. Nachdem man kurz davor noch mit einem Puls über 180 Schlägen auf der Bahn war, bekommt man die Augen im Bett nicht so schnell zu. Man denkt über alles nach, bestimmte Rennsituationen schießen einem in den Kopf. Da dauert es eine gewisse Zeit, bis man einschlafen kann.

Hast Du ein bestimmtes Muster, nach dem Du Deinen Tagesablauf während der Sixdays gestaltest?

Ich versuche während der sechs Tage außerhalb des Velodroms so wenig wie möglich zu machen. Essen, schlafen, Massage und nochmal schlafen – darauf  fokussiere ich mich abseits der Bahn am meisten (lacht). Irgendwann kommt man in einen richtigen Trott, auch auf der Bahn. An den ersten Tagen spürt man noch die Veränderungen im Körper, dann nicht mehr. In den Beinen baut sich eine bestimmte Spannung auf, die weh tut und bis zum Schluss bleibt.

Reicht einem da die kurze Regenerationszeit zwischen den einzelnen Sechstagerennen überhaupt, um sich zu erholen?

Man kommt an seine Grenzen. Das sieht man hier in Berlin auch an den Fahrern, die davor schon Bremen und Rotterdam gefahren sind. Fast alle davon sind jetzt krank, wegen der hohen Belastung, der schlechten Luft in den Hallen und ein Stück weit auch wegen der mentalen Belastung.

Auch Dich hat es gesundheitlich etwas erwischt. Trotz Schnupfen stehst Du nach der ersten Nacht mit Deinem Partner Roger Kluge auf Rang vier in der Gesamtwertung, hast gestern sogar die große Jagd gewonnen. Es scheint, als liefe alles nach Plan.

Roger und ich sind in der Nullrunde, fast gleichauf mit dem führenden Team Havik/Stöpler (beide Niederlande). Ehrlich gesagt, ist das mehr, als wir uns erwartet haben.

Unser Ziel ist es, bei den Jagden Rundengewinne herauszufahren. Das ist auf der relativ langen Bahn in Berlin nicht so leicht. Während man in Bremen mit schnellen Beinen innerhalb einer Minute eine Runde gutmachen kann, muss man in Berlin fünf Minuten oder noch länger mit großem Einsatz um den Rundengewinn kämpfen.   Daran gehen viele Teams kaputt. Roger und ich wollen uns so den entscheidenden Vorteil erarbeiten. Am Schluss wollen wir um den Sieg fahren.

 

Quelle: 

Foto: Frontalvision

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