Race



Schwere Zeiten für Rad-Talente

23.03.2017

Quo vadis deutscher Radsport?

Aus für die letzte deutsche Rundfahrt

 

Die Tour de Berlin ist abgesagt. Was für eine Nachricht – sie bedeutet: kein Raum mehr für den Radsport-Nachwuchs, keine einzige Rundfahrt mehr auf deutschem Boden. Als Berliner Vier-Etappenfahrt vor über 60 Jahren ins Leben gerufen  und in den letzten Jahren mit viel Mühe als U23-Tour weiter am Leben erhalten, findet die Tour de Berlin 2017 nicht mehr statt. Mit ihr verschwindet eine lange Tradition – und die letzte Möglichkeit für U23-Talente, sich in Deutschland zu zeigen. Die Berliner Etappenfahrt war die im deutschen  Männer-Renn-Kalender. Eine Neuauflage 2018 ist unwahrscheinlich. Keine Tour, die einmal ausgesetzt hat, kam je wieder. Man denke nur an die Bayernrundfahrt.

Elf Rundfahrten hatte Deutschland noch vor 20 Jahren. In fast allen Bundesländern gab es Landesrundfahrten, die international einen großen Stellenwert genossen, weil die Infrastruktur beispielhaft war: Hotels, Streckenführung, Organisation. Das stimmte in Deutschland. 2017 ist kein einziges Etappenrennen mehr übrig. Weder die einst große Bayernrundfahrt noch die Thüringenrundfahrt, eines der wichtigsten Rennen für U23-Nachwuchsfahrer der Welt, werden noch ausgetragen.

Allerdings gab es auch früher schon Probleme mit den Behörden, weil die Sperrung öffentlicher Straßen schwierig ist. Daran ist jetzt auch Berlin gescheitert, auch wenn der Senat die Etappenfahrt stets unterstützte. Viele Städte wollen das Sicherheitsrisiko nicht mehr tragen. Die hohen Kosten für die Absperrung der Rennstrecke bereiteten auch Chemnitz Probleme, die im Juni  Ausrichter der Elite-Straßen-DM ist.

Heutzutage ist es ohnehin schwer, engagierte Leute zu finden, die noch Radrennen veranstalten. Wenn dann die Behörden nicht mitspielen, wird es noch problematischer. Das sind keine guten Perspektiven für den deutschen Straßenradsport.

Zudem wurde in dieser Woche bekannt: Die Rennen der Bundesliga, der bedeutendsten Rennserie, für Junioren werden mit Seniorenrennen zusammengelegt. Was für ein Signal. Die Fahrerfelder der Junioren seien zu klein geworden, heißt es. Nun müssen die 17- und 18-jährigen Nachwuchstalente gegen Seniorenlizenzfahrer antreten. Für Junioren gilt eine Übersetzungsbeschränkung: das größte Ritzel der Kassette darf nur 14 Zähne haben – während die Senioren mit 53/11 attackieren und „drücken“. Ist dies logisch? Ist dies eine gute Entwicklung? Quo vadis deutscher Radsport.

 

Einen ausführlichen Leitartikel zum Thema finden Sie in der Ausgabe RennRad 5/2017.

 

Quelle: 

Text: Christina Kapp, David Binnig Fotos: Cor Vos

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