Race



TV-Kritik: Jan Ullrich-Doku im ZDF

08.03.2016
Jan Ullrich: ZDF-Doku

„Ich bin ein extremer Mensch“

Sein Tour-de-France-Sieg versetzte Deutschland 1997 in einen kollektiven Fahrrad-Rausch. Jan Ullrich wurde geliebt und gefeiert. Er galt fortan als Volksheld. Umso tiefer war sein Sturz danach. RennRad beantwortet die wichtigsten Fragen zur ZDF-Doku.

Das ganze Leben auf Sieg gepolt. Immer daran arbeitend, besser zu sein als die anderen.  In Jan Ullrichs Karriere drehte sich alles um den Sieg.  „Schon als Kind habe ich oft gewonnen. Siegen war für mich was Normales“, sagt Ullrich in einer 30-minütigen ZDF-Doku vom 8. März 2016. Umso schlimmer traf den einstigen Strahlemann der Ausschluss von der Tour de France 2006. Ullrich und 57 andere Fahrer wurden im Zuge der Fuentes-Affäre des Blutdopings bezichtigt. Statt ein Geständnis abzulegen, schwieg der damalige T-Mobile-Profi eisern und beendete 2007 seine Radkarriere, die neben der Tour 1997 mit dem Olympiasieg 2000 und dem Gewinn der Vuelta 1999 seine Höhepunkte hatte.

Wie hat Ullrich sein Scheitern verarbeitet?

Im ZDF spricht Ullrich also erstmals öffentlich über sein abruptes Karriere-Aus. Wo sich der Zuschauer klare Worte und vielleicht sogar ein Teilgeständnis wünscht, redet Ullrich stattdessen über seine Gefühlslage. Das ist zwar verständlich, bringt auch kaum neue Erkenntnisse zu Tage, in einer Affäre, in der viele Fragen offen blieben: „Das Tour-Aus 2006 war ein großer Schock für mich. Ich hatte im Vorfeld alles getan um erfolgreich zu sein. Dass ich am Ende nicht starten durfte, hat mich viele Jahre belastet.“ Und weiter erzählt Ullrich: „„Das war eine sehr schwere Zeit. Ich wurde beschossen von allen möglichen Medien. Ich kam auch nicht mehr auf das Team ran. Ich wurde per Fax gekündigt. Es war einfach alles extrem. Und unmenschlich. Ich habe das viele Jahre durchgehalten bis der Knoten im Kopf zu groß wurde. Ich bin mit der Verarbeitung nicht alleine fertig geworden. Also musste ich mir Hilfe von außen holen.“

Die Familie hat Ullrich aufgefangen

Jan Ullrich: „Ich bin sehr gut im Verdrängen. Das war die schlechtmöglichste Zeit im Leben. Man hat die Fehler erst bei anderen gesucht. Ich musste mich erklären. Das einzige was mich aufgefangen hat, war die Hochzeit mit meiner Frau und die Geburt meiner Kinder. Ohne meine Familie hätte ich es schwerer gehabt.“

Warum schwieg er lange?

Jan Ullrich: „Ich hätte über mich reden können, aber da hätte ich mich komplett alleine an den Pranger gestellt. Reinziehen und andere belasten, das wollte ich nicht. Es geht um Millionenbeträge. Ich bin wirklich sehr sehr fair.“ Einerseits solche Grundsätze andererseits: „Man wird nervös gemacht. ‚Das machen doch alle‘ wird einen beigebracht. Wenn es alle gleich machen, dann ist es kein Betrug mehr. Man redet sich das selber fein. Man weiß das ist ein Fehler.“

Welche Fehler sieht er bei sich?

Jan Ullrich: „Den Fehler bei mir habe ich erst lange später gesucht. Im Nachhinein hätte ich lieber ein besseres Karriereende gehabt mit einem Tour-de-France-Sieg, statt mit einer Doping-Affäre aufhören zu müssen.“

„Aus Fehlern wird man zu einer Person. Man kann daran zerbrechen, man kann reifen. Man kann stärker rauskommen. Wenn ich einen Strich ziehen kann, bin ich gestärkt hervorgegangen. Ich bin ein extremer Mensch. Da macht man dann auch alles extrem. In jede Richtung. Man macht auch große Fehler.“

Unser Fazit

Die 30-minütige Dokumentation ist eher ein Film für Hobby-Psychologen. Wirklich neue Erkenntnisse in der Sache selbst, liefert er nicht. Eine vergebene Chance. Wieder einmal.

Link zur Sendung:

www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2685378/F%C3%BCr-mich-gab%27s-keine-Grenzen

Quelle: 

Text: RennRad-Magazin (Götz), Fotos: Screenshot ZDF

News: 

In News anzeigen

Themen, die Sie interessieren könnten