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29.04.2010 | 13:32 h

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Redaktion:

Tillman Lambert

 
 
 

Reise, Top News 1

 

Heldenzeit – die RennRad L'Eroica-Reportage

Es gab mal eine Zeit, da waren Rennräder bleischwer, die Rennstrecken voller Schlaglöcher, und zur Verpflegung gab es Rotwein. Dopingkontrollen, TV-Bilder und das 6,8-Kilo-Mindestgewicht der UCI schienen ferner als der Mars. Ingenieure, Ärzte und Ökonomen haben binnen Jahrzehnten alles optimiert. Die »L‘Eroica« ist wie damals – was für ein Abenteuer …

Staub und Schotterpisten in der Toskana

Stilecht: Oldtimer als Versorgungsfahrzeug

Traumhafter Sonnenaufgang: ein Erlebnis fürs Leben

Fast unmerklich rotieren die Naben langsamer, die Gespräche reduzieren sich auf »Ui« und »Toll«. Als ob so der Moment anhalten würde. Selbst die coolsten Leistungssportler können sich wenigstens einen Funken Begeisterung nicht mehr verkneifen.


Die Räder sind oft älter als die Teilnehmer, viele tragen Wolltrikots und Sturzring, manche fahren die Originalrennräder aus ihrer Jugend. Fast ist mir mein 80er-Jahre-Rad etwas peinlich – damit ist es schon einfacher als mit dem Vorkriegsmaterial einiger Fahrer.


Cool sind hier nicht die Rahmen aus raumfahrterprobten Carbonfasern, sondern schwere Kisten, teils vom Schrottplatz gerettet, liebevoll restauriert. Mit Sitzposition und einer Ergonomie, die jedem Orthopäden Albträume bereiten. Wenn Neuteile verbaut sind, so sind diese oft mit Feile und Staub verschämt auf alt getrimmt. Dazu Wolltrikot, Sturzring und um die Schultern der Ersatzreifen – ein wunderschönes Rennradmärchen.


Jedes Rad ein Statement: Seht her, mir ist es egal, dass ich langsamer bin als ihr Wadenrasierer auf euren modernen Maschinen. Ihr könnt ins Ziel hetzen – aber ich sehe mehr von der Toskana!


Martialisches Scheppern kündigt eine besondere Erscheinung an: Ein etwa 70 Jahre altes Rennrad zieht gleichauf, vielleicht ein Postrad, vielleicht ein Armeerad. Der Brite obendrauf weiß es selber nicht genau. Jedenfalls hat es in einer alten Scheune traurig vor sich hin oxidiert, bis er es aus dem Dornröschenschlaf weckte. Kein einziges Teil ist neu, alles authentisch, vom Flugrost bis zur Spinnwebe zwischen den Bremsgriffen.


Der Mann strahlt: Sein Rahmen ist so massiv, dass ihm ein halbes Jahrhundert Korrosion nichts anhaben konnte, die Reifen so spröde, dass er heute schon vier Plattfüße gehabt habe, die Felgen so schwer, dass sich auch bei Durchschlägen nichts verbiegt. Und die Bremsen? Er grinst: So schwach, dass er bei Abfahrten dauerbremsen muss – ist aber ungefährlich, weil bei dem Scheppern eh alle freiwillig aus dem Weg fahren.

(Quelle: RennRad 1/2 2010)

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