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29.04.2010 | 13:32 h

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Redaktion:

Tillman Lambert

 
 
 

Reise, Top News 1

 

Heldenzeit – die RennRad L'Eroica-Reportage

Es gab mal eine Zeit, da waren Rennräder bleischwer, die Rennstrecken voller Schlaglöcher, und zur Verpflegung gab es Rotwein. Dopingkontrollen, TV-Bilder und das 6,8-Kilo-Mindestgewicht der UCI schienen ferner als der Mars. Ingenieure, Ärzte und Ökonomen haben binnen Jahrzehnten alles optimiert. Die »L‘Eroica« ist wie damals – was für ein Abenteuer …

Staub und Schotterpisten in der Toskana

Stilecht: Oldtimer als Versorgungsfahrzeug

Traumhafter Sonnenaufgang: ein Erlebnis fürs Leben

Na dann.


Begeistert schwärmt er von den Nachteilen seines Oldtimers. Auch er einer der vielen hier, denen das verbissene Leistungssporttheater, das »Vorsicht rechts, aus dem Weg«-Geschrei, das Kreiseln und die bierernsten Möchtegern-Profis bei Hobbyrennen auf die Nerven gehen.


An nächsten Berg lässt er mich ziehen, weil er schalten will. Dafür muss er das Hinterrad ausbauen und umdrehen: Auf der linken Seite der Nabe sei »der andere Gang« triumphiert er. »Angeber«, denke ich neidisch, lasse frustriert die Kette über mein Komfortritzelpaket mit Steighilfen wandern. Eilig versichere ich mir, dass mein Rad aber auch wirklich sehr schwer ist.


Die Abfahrt reißt am Lenker und mich aus den Gedanken: Die dünnen Stahlrohre dämpfen zwar erstaunlich gut, aber Spurrillen, Schotter und Schlaglöcher dulden keine Fahrfehler. Ich komme mir vor wie 007’s Wodka Martini: geschüttelt, nicht gerührt.


Selbst schuld – die Homepage hatte gewarnt: »Staub, Schlamm, kein organisierter Rennservice, Strecke hervorragend zum Leiden geeignet.«
Hier versteht jeder, warum Coppi & Co. mit einem Rennen namens »Die Heldenhafte« geehrt werden, warum Strecken und Essen heute anders und die Bremsen sogar besser sind.

Rotwein statt Iso-Plörre


Die Verpflegung entschädigt für alles: Kein Spalier aus Plastikbecher schwenkenden Helfern, kein heiseres »Iso-Wasser-Cola«-Gebrüll in der Endlosschleife, kein Handgemenge um halbierte Bananen und klebrige Energieriegel.
Stattdessen Weißbrot mit goldgelbem Olivenöl, Parmesankäse und Schinken, süße Mandelkekse und blutroter Wein – alles aus der Region um Modena, Parma und Chianti. Italienerinnen in toskanischen Gewändern servieren dampfende Graupensuppe. Ein »Scusi« hier, ein »Prego« da – Erlebnis statt Massenfütterung.
Während die Sonne im Zenit steht, erreiche ich meinen Tiefpunkt: Das Rad ist bleischwer, der Schotter nervt, das Wolltrikot kratzt auf der Haut und die L‘Eroica an meinen Nerven. Das Nos­talgiegedöns lässt sich nicht mehr schönreden, es ist verdammt anstrengend. Von den wenig ergonomischen Griffen  an bis in den Nacken hinein krampft Muskelfaser für Muskelfaser immer stärker.

(Quelle: RennRad 1/2 2010)

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