Reise

Eine Kurzreise in die Toskana

10.01.2016

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Rennradfahren in der Toskana. Tipps und Touren

 

Alleen mit Dutzenden Zypressen, Dörfer, die aus rustikalen Steinhäusern bestehen, blauer Himmel, strahlende Sonne, Wein, Oliven, Dolce Vita. Diese Dinge kommen einem schlagartig in den Sinn, wenn man an die Toskana denkt. Mein erster Eindruck bei unserer Ankunft: kalt und ungemütlich. Für das erste Trainingslager der Saison habe ich mir gemeinsam mit ein paar Vereinskollegen die Region rund um Livorno ausgesucht. Unsere Unterkunft: kein Hotel, sondern eine alte Villa mit Swimming Pool, Kamin und eigenem Waldstück. Eigenverpflegung inklusive. Genau so, wie wir es uns vorgestellt haben: Romantik pur. Wir sind die ersten in diesem Jahr, die das Haus beziehen. Deshalb auch die wenig einladende Stimmung: Alle Möbel sind noch mit weißen Laken verhüllt, der Boiler für das Warmwasser muss erst noch angeschmissen werden. Die ersten Stunden laufen wir dick eingepackt mit Jacken, Mützen und Schals durch die Gänge. Frühsport mal anders. Dass es kein gewöhnliches Trainingslager werden sollte, steht schnell fest.

Der Ausgangsort

Es ist noch früh in der Saison, erst wenige Bäume tragen Blätter, Blüten sprießen nur vereinzelt. Trotzdem ist das Wetter besser, als in Deutschland. Und auch besser als gedacht. In diesem Jahr hat es meistens 15 Grad, mit etwas Glück sind sogar 20 drin. Die Trainingsbedingungen sind also ideal für die Zeit nach dem Jahreswechsel. In der Toskana ist die Regenwahrscheinlichkeit zudem gering. Im Schnitt wird man im Februar oder März neun Tage pro Monat nass. Vergleichbare Werte findet man auch im wesentlich südlicheren Rom. 

Unser Ausgangspunkt ist das kleine Hinterland-Dörfchen San Miniato. Es liegt gut erreichbar relativ nahe an der Schnellstraße zwischen Empoli und Livorno. Zwar sollte man für eine Anreise aus dem Süden Deutschlands mit dem Auto einen kompletten Tag einplanen, trotzdem ist die Fahrt relativ stressfrei. Und die Stunden im Auto lohnen sich. Vor Ort findet man ein abwechslungsreiches Streckennetz vor: Touren an die rund 70 Kilometer entfernte Küste sind genauso möglich wie Radausflüge zu den sehenswerten Städten Florenz oder Pisa. Zudem hat man die toskanische Hügellandschaft direkt vor der Haustüre: Ein Trainingslager in der Toskana verbindet italienisches Flair mit Urlaubsfeeling, Kultur und umfangreichen Routenoptionen. Vorteilhaft ist auch das Profil, gerade für das erste Trainingslager der Saison. Die Steigungen in der Toskana sind nicht anspruchsvoll. Das sieht man schon von weitem. Hier kommt man auch mit weniger Form  zurecht.

Die Landschaft ist geprägt von den sanften, grasbewachsenen Hügeln. Wie ein unendlicher Wellenteppich auf hoher See erstrecken sie sich bis zum Horizont. Der Blick in die Weite macht nicht satt. Auf unseren Touren fallen die Pausen auf den höchsten Punkten der Anstiege deshalb oft ein bisschen länger aus. Die meisten Trainingseinheiten führen uns in die Gegend rund um Poggibonsi, nach Castel San Gimignano, Castagneto Carducci oder Cecina. Dort ist man abgeschieden von den größeren Ortschaften, fährt durch karge Natur, kann sich auf sich konzentrieren. Erholung auf dem Rad.

Trainingshaushalt

Die Entscheidung, eine toskanische Villa als Basislager für das Trainingslager zu wählen, ist bei der Planung im Vorfeld relativ schnell gefallen. Zwar ist der organisatorische Aufwand höher als im Hotel, die Kosten sind auf der anderen Seite deutlich geringer – vorausgesetzt, man reist mit einer größeren Gruppe an. Noch entscheidender als der finanzielle Aspekt war aber der soziale. Gerade für Vereine kann die Selbstverpflegung und das Zusammenleben auf engem Raum einen positiven Effekt auf den Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern haben. Jeder muss mit anpacken, egal, ob beim Kochen, Aufräumen, Spülen. Das schweißt zusammen. Das verbessert die Stimmung in der Gruppe. Natürlich muss man auf der anderen Seite auch Abstriche bei der Erholung hinnehmen – schließlich schließt sich an das Training der Haushalt an. Das Minus an Regeneration gleicht sich aber durch das Plus an Spaß wieder aus. Der Mut zu etwas Neuem hat sich gelohnt.

Entdeckungstouren

Eine Woche sollte man für das Trainingslager mindestens einplanen. Nicht nur aus Trainingssicht macht ein siebentägiger Aufenthalt mit zwei Dreierblöcken und einem Ruhetag zur Hälfte der Woche am meisten Sinn. Auch um die Region ausgiebig entdecken zu können, sollte man genügend Zeit einplanen. In jede Himmelsrichtung gibt es Gebiete, in die es sich lohnt, zu fahren. Im Westen ist es die Region rund um die Hafenstadt Livorno. Hier findet man flache Strecken direkt am Meer - ideal für längere Grundlagen-Einheiten. Besonders reizvoll ist der Weg in Richtung Norden nach Pisa. Er führt an Sandstränden entlang, durch Pinienwälder, vorbei an schroffen Felswänden.

Im Süden ist es der Ort Volterra, den man unbedingt in seine Touren einbauen sollte. Die Stadt aus dem vierten Jahrhundert vor Christus liegt abgeschieden im toskanischen Hinterland auf einem erhabenen Hügel. Schon von weitem ist der Kirchturm zu sehen. Im Stadtkern gibt es den besten
Cappuccino. Durch Volterrea kann man problemlos mit dem Rad rollen und so die kleinen Gassen sowie die mittelaterlichen Stadtmauern und Häuser entdecken. Heute ist Volterra vor allem durch den Abbau von Alabaster berühmt, der hier auch zu Kunstfiguren verarbeitet wird. Kunst und Kultur findet man auch im Osten der Toskana. Am meisten in Florenz, die Heimat vieler bekannter Künstler und Geistlicher. Hier kann man auf die Spuren von Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Galileo Galilei gehen. Die Stadt ist zudem Startort des
Granfondo Florenz, der 2016 zum dritten Mal stattfindet. In der Toskana kann man fast das ganze Jahr über Radmarathons fahren. Italien ist ein Radsportland.

Auf den zweiten Blick

Kalt und ungemütlich waren die ersten Stunden in der Toskana. Das lag aber vor allem an den alten ausgekühlten Steinmauern unserer toskanischen Villa. Während unseres siebentägigen Aufenthalts hat sich meine Meinung über die Region mit ihren historischen Städten, der einzigartigen Natur, Kultur und Kulinarik geändert. Drastisch. Gemeinsam mit meinen Vereinskollegen habe ich die Toskana von ihrer richtigen Seite kennengelernt, von ihrer schönen. Manchmal ist eben doch der zweite Blick der entscheidende.   //

 

 

Infos kompakt

Die Toskana liegt relativ zentral in der Mitte Italiens und eignet sich ab Februar als Rennrad-Reiseziel. Die Temperaturen sind auch schon früh im Jahr auf einem angenehmen Niveau. Ab Mai erreichen sie Werte bis zu 30 Grad, im Sommer auch darüber.
Neben dem milden Klima kann die Toskana auch mit ihrer malerischen Landschaft, den mittelalterlichen Dörfern und den angenehmen Steigungen punkten. Daneben ist die Toskana für ihre herausragende Kulinarik bekannt.

Mit Rennrad

Rennradfahrer finden in der Toskana über 1.000 Kilometer beschilderte Radrouten. Zusätzlich sind viele der Strecken auch als GPS-Dateien erhältlich. Beliebt ist die Region vor allem wegen der abwechslungsreichen Landschaften und Strecken.

Ohne Rennrad

Nicht nur mit, sondern auch ohne dem Rennrad ist die Toskana ein Erlebnis. Ausflüge in die zahlreichen Großstädte wie Pisa, Florenz oder Livorno lohnen. Hier gibt es historische Bauwerke und die italienische Kultur zu entdecken. In den wärmeren Monaten laden zudem die Versilia-Küste im Nordwesten und die Etruskische Riviera zu Badeausflügen ein.

Anreise

Viele Wege führen in die Toskana. Vom Süden Deutschlands macht die Anreise mit dem Auto am meisten Sinn. Daneben kann man aber auch mit dem Flugzeug reisen, zum Beispiel nach Florenz.

Unterkunft

Die Toskana ist touristisch gut erschlossen. Man findet viele Hotels und Ferienappartments. Wer auf der Suche nach einer neuen Erfahrung ist, sucht sich eine Villa im toskanischen Hinterland. Hier ist man fernab vom Schuss. Ist man mit einer größeren Gruppe unterwegs, sinken auch die Kosten.

Weitere Informationen: www.italien.de

 

Quelle: 

Foto: Gideon Heede

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