Reise

Mallorca - Zwei Seiten einer Insel

06.05.2017

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Mallorca - Zwei Seiten einer Insel

Radfahren auf Mallorca – was soll man dazu noch schreiben? Dies ist die Insel der Rennradfahrer. Zumindest im Frühjahr. Im Sommer dagegen fühlt sie sich ganz anders an. Eine neue Perspektive.

 

Mallorca im Frühjahr

Heute ist alles möglich. Außer alleine auf der Straße zu sein. Ich bin mit einer Gruppe vom Hotel aus gestartet, nach 40 Kilometern haben sich unsere Wege getrennt. Ich will Richtung Berge, Richtung Küstenstraße - und ich habe keine Lust auf ruhiges Grundlagentraining. Seitdem mache ich Gruppen-Hopping: Eine Rennradfahrergruppe, die irgendwo vorne in meinem Sichtfeld dahinrollt, anvisieren, treten, sich in den Windschatten saugen, kurz ausruhen, dann dasselbe nochmal mit der nächsten Gruppe, und der nächsten. Mallorca ist voll. Mit Rennradfahrern aus dem kalten Rest Europas. Deutsche, Schweden, Dänen, Engländer. Die Cafés in den Dorfzentren sind voll, alle Stühle sind besetzt mit, wie es in England heißt, Mamils. Middle aged men in lycra. Mittelalte Männer in Rennradklamotten. Und Frauen. Und Nachwuchsfahrer. Sie alle kommen her, um Grundlagenkilometer zu sammeln. Um der Kälte und Nässe zu entfliehen. Um das erste Mal seit Monaten in kurzer Radhose fahren zu können. Um die Kehren von Sa Calobra zu bezwingen.

Der Treffpunkt

Die Straße zu dem kleinen Dorf ist eine der schönsten Europas. Und eine Sackgasse. Das sind zwei Fakten, die auch ihren Nachteil erklären: viel Verkehr, Reisebusse vor allem – zumindest wenn man zur falschen Zeit hier unterwegs ist. Frühmorgens kann man auch bergab noch Gas geben. Anbremsen, Kurven schneiden, Geschwindigkeitsräusche und Achterbahngefühle genießen. Der Weg runter nach Sa Calobra ist eine Glückshormonproduktionsmaschine. Falls man einigermaßen freie Bahn hat. In anderen Fällen drohen Handkrämpfe und extrem heiße Felgen, da man im stockenden Verkehr festhängen kann. Dennoch kann man in beiden Fällen den Anblick der wunderschönen Bucht genießen. Die Auffahrt dauert dann dennoch eine Weile. Rund acht Kilometer sind es bis oben. Eine Serpentine folgt der nächsten. Auch hier: Radfahrer aller Alters- und Leistungsklassen. Manche fahren am Anschlag, um ihre Bestzeit zu verbessern. Manche sitzen auf der Mauer am Straßenrand im Schatten. Manche stehen und machen Fotos. Oben ist kein Raum, um sich zu erholen. Leicht ansteigend zieht sich die schmale Straße weiter über die Hochebene.

Die berühmte Tankstelle, an der sich zwei Auffahrten gen Puig Major treffen, ist einer der Radfahrertreffpunkte der Insel. Wie an so vielen Cafés sind auch hier vor dem Eingang zwei Halter platziert, zwischen denen eine Stange steckt. Auf ihr aufgereiht: dutzende Rennräder. Ihre Besitzer stehen und sitzen dahinter und trinken Cappuccino, Cola oder essen Eis. Man kommt ins Gespräch. Überall auf der Insel. Mit Radfahrern aus aller Welt. Mallorca im Frühjahr eben.

Mallorca im Sommer

Wer die Insel der Radfahrer im Frühjahr kennt, der wird sie, sollte er auf die unwahrscheinliche Idee kommen, sie im Sommer zu besuchen, nicht wiedererkennen. Die Landschaft ist gleich, doch sie klingt anders, alles fühlt sich anders an, die Atmosphäre ist eine andere. Keine Radfahrerhorden, Mittagshitze, Grillenzirpen in LKW-Lautstärke. Das ist der Juli auf Mallorca.

Zeit: die letzte Juniwoche. Ort: Santa Maria. Auch der Standort auf der Insel ist für unseren Autoren nach etwa 20 Besuchen noch Neuland. Der kleine Ort ist im Inselinneren, weit weg von den Standardunterkünften in Can Picafort oder Alcudia, die im Nordosten liegen. Santa Maria ist nur etwa 30 Autominuten vom Flughafen Palma entfernt - und noch besser: nur etwa 20 bis 25 Radminuten von den Bergen der Tramuntana.

Bis Bunyola sind es keine zehn Kilometer. Dies ist einer der Eingänge in die mallorquinische Bergwelt. Von dort beginnt die Steigung auf den Orient, rund 5,5 Kilometer lang, von der schwierigeren Seite. Etwa fünf Kilometer hinter Bunyola schlängelt sich eine nicht zu steile und doch wunderschöne Serpentinenstraße den Soller hinauf. Auch dieser Anstieg ist rund 5,5 Kilometer lang. Wir fahren ihn an einem Samstagmorgen. Start in Santa Maria ist um 8 Uhr.

Neue Freiheit

Als wir den Berg erreichen, liegt die Straße noch im Schatten. Hier ist alles anders als an den Tagen zuvor. Immer wieder kommen uns Gruppen von Radfahrern entgegen. Die Temperaturen sind angenehm, 23 Grad. Es sind alles Mallorquiner oder Festlandspanier.

 

An den Tagen zuvor sind wir später aufgebrochen. Und hatten die Straßen für uns. Am zweiten Tag ging es über den Soller und den Puig Major – wir sahen den ganzen Tag über keine zehn Radfahrer. Auch der Verkehr ist nicht mit dem zur Ferienzeit zu vergleichen: Ein Mietwagen mit hektischen Touristen darin ist ein seltener Anblick. Die Einheimischen fuhren während unseres gesamten Aufenthaltes sehr zurückhaltend und zuvorkommend. An der berühmten Tankstelle auf dem Puig aßen zwei Radler ihr Eis. Das bereitstehende Werkzeug blieb unbenutzt. Auch der Aufstieg zum Puig, vom Dorf Soller aus, war trotz Mittagshitze angenehm. Viel Schatten, ein bisschen Wind, kaum Autos, ein gutes Tempo. Selbst auf der Abfahrt wurden wir nicht ausgebremst. Noch eine Premiere.

 

Die Insel

Anreise: die Flüge aus Deutschland dauern in der Regel zwischen 1:40 und 2:40 Stunden. Selbst ab Provinzflughäfen gibt es etliche Direktflüge. Bei Airlines wie Air Berlin oder 
Easyjet kann man immer wieder Flugschnäppchen machen – zum Beispiel Hin- und Rückflüge für rund 100 Euro. Pauschalurlaube bieten etwa die Radreisespezialisten Max Hürzeler oder Fred Rompelberg an.

Hotel: Das Reads Hotel in Santa Maria ist noch ein Geheimtipp. Das Hotel ist abseits des kleine Ortes allein gelegen. Es ist ein uralter Gutshof, der innerhalb vieler Jahre zu einem kleinen exklusiven Hotel umgebaut wurde. Die Betreiber haben jahrelange Erfahrung als Radurlaubanbieter. In den Zentren s’Arenal, Can Picafort oder Alcudia gibt es unzählige Hoteloptionen. Inspiration finden Sie unter anderem auf unserer RennRad-Homepage unter www.radsport-rennrad.de

 

Touren-Vorschläge

 
1. VON PALMA / S’ARENAL AUS
  • Sa Calobra: 161 Kilometer, 2500 Höhenmeter

s’Arenal  Sant Jordi  Biniali  Binissalem  Lloseta  Caimari  Port de Sa Calobra  Selva  Inca  Sencelles  Sant Jordi  s’Arenal

 

  • Küstenstraße: 120 Kilometer, 2300 Höhenmeter

s’Arenal Palma sa Teulera Calvia Andratx Estellencs Banyalbufar Valldemossa Sa Coma Sa Cabaneta Sant Jordi s’Arenal

 
2. VON ALCUDIA / PORT D’ALCUDIA AUS
  • Puig & Sa Calobra: 112 Kilometer, 2100 Höhenmeter

Port de la Calobra  Sera d’Escorca  Pollença  Alcudia  Platja de Muro  Caimari  Port de la Calobra

 

  • Arta & der Osten: 112 Kilometer, 1300 Höhenmeter

Can Picafort  Arta  Sa Duaia  Arta  Son Servera  Sa Coma  Portocristo  Manacor  Can Picafort

Quelle: 

Text: David Binnig; Bilder: N. Grote, S. Lorence, D. Binnig

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