Reise

Trainieren am Gardasee

22.03.2016

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Und worauf habe ich morgen Lust? Diese Frage stellt man sich am Lago di Garda regelmäßig. Denn hier gibt es nichts aus dem Radfahrer-Wunschtraum-Repertoire, das es nicht gibt. Egal, was einem in den Kopf kommt, man findet es. Wie und wo will ich wohl heute fahren? Flach entlang des Sees in Nord-Süd-Richtung, zu einer Seite traumhafte Seeblicke, zur anderen schroffe, steile Felswände? Südlich des Sees in der Po-Ebene die kleinen Sträßchen durch die Plantagen erkunden? Etwas hügeliger die Weinberge und Obstfelder des Valpolicella durchkämmen? Mit oder ohne Cappuccino-Pause in Verona? Eine Königsetappe über den Monte Baldo? Hinauf auf die Lessinia-Hochebene mit Anstiegen von bis zu 1.000 Höhenmetern am Stück? Was das Radfahren hier schwierig macht, ist sich zu entscheiden wohin.

Der Gardasee, der Lago di Garda, ist der größte See Italiens. Er erstreckt sich von den Alpen auf 50 Kilometern Länge bis hin in die Po-Ebene. Allein durch seine Größe und seine Lage ergeben sich rund um den Lago für Radfahrer unendliche Möglichkeiten. Im Norden stehen bis zu 2000 Meter hohe Berge, zu deren Füßen der Fluss Sarca bei Torbole in den See mündet. Im Süden weichen die alpinen Gipfel den kleineren grüneren Weinbergen. Unterhalb von Garda erstreckt sich das Südufer des Gardasees schließlich bis in die Po-Ebene. 

Rad-Kultur

Von dort, von Peschiera del Garda aus, starte ich meine Runden. Kaum habe ich mein Rad aus dem Hotel geholt, sehe ich an der Uferpromenade schon eine Gruppe alteingesessener italienischer Radfahrer. Sie laden gerade wunderschöne, klassische italienische Stahlrenner aus den Kofferräumen ihrer Autos. Wir kommen ins Gespräch. 

Sie treffen sich zweimal die Woche hier, stets an der Promenade und drehen ihre gemeinsame Runde - und das schon seit ewigen Zeiten. Italienische Radsport-Kultur eben. Nur zu gerne lasse ich mich von ihnen einladen und gemeinsam fahren wir in südlicher Richtung entlang des Mincio in die Po-Ebene. Auf kleinen Straßen entfliehen wir Peschiera del Garda und fahren abseits des Verkehrs durch die Plantagen und Felder. Bald biege ich jedoch bei Valeggio Sul Mincio nach links ab und überquere den Fluss, um mein geplantes Ziel, die Ausläufer des Valpollicellas, noch zu erreichen. Auf dem Weg dorthin lasse ich mich treiben und fahre auf kleinen Straßen, orientiere mich einzig an der Himmelsrichtung gen Nord-Ost. 

Auf den Sträßchen ohne Mittelstreifen, abseits des großen Verkehrs, passiere ich Plantagen und kleine Gehöfte, und trotz des typisch raueren italienischen Asphalts: es rollt! Ganz untypisch für mich als Daten-Hörnchen verliere ich den Tacho mit seinen den Zahlen von Watt, Trittfrequenz und Puls aus den Augen und schlängele mich vorbei an Sommacampagna in Richtung Verona. Nach einem kurzen Zwei-Cappuccini-Stopp auf der „Piazza Brà“ in Verona geht es entlang der Adige zurück nach Peschiera. Einmal dem Stadtverkehr Veronas entkommen, fahre ich wieder auf kleinen Straßen von Plantage zu Plantage. Rund um Colombarola steigt das erste Mal die Straße nennenswert an. Bereits nach wenigen Kilometern eröffnet sich ein Panoramablick auf den Lago. 

Berge und mehr

Wieder in Peschiera del Garda angekommen, geht es ans Ufer des Lagos und zur Belohnung des Tages darf ein Aperol-Spritz nicht fehlen. Das Frühstück am nächsten Morgen dauert dann länger als geplant. Und die ersten Kilometer auf dem Rad fallen schwerer als gehofft. Was auch an dem starken Gegenwind liegen könnte. 

Der fast wolkenfreie Blick auf den See und die im Norden liegenden Berge liefern jedoch genügend Ablenkung. Einmal Bardolino erreicht, biege ich rechts ab Richtung Gazzoli. Ab hier steigt die Straße merklich an und führt in Serpentinen vorbei an kleinen Häuschen und Weinstöcken. Oben angekommen lasse ich den Lago fürs erste hinter mir. Es geht hinunter in das Adige-Tal und weiter Richtung Norden. Der Gegenwind hat mich wieder. Bis Rivalta spare ich mir aber ein paar Kräfte, denn dort biege ich rechts ab und bin direkt im Anstieg von Peri nach Fose. Die neun Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von neun Prozent sind härter als ich sie in Erinnerung hatte. Oben angekommen hat zum Glück der kleine Kiosk auf, bei dem ich schon vor zehn Jahren das erste Mal Rast machte. Ich gönne mir auch dieses Mal ein Panini und eine Cola. Von hier aus geht es gestärkt und mit dem Wind im Rücken über kleinere Hügel auf der Lessinia-Hochebene über Verago mit einer kleinen Abfahrt kurz vor Cavalo zurück ins Adige-Tal. Ab jetzt kann ich es auch dank des wenigen Verkehrs rollen lassen. 

Seeblick

Allerdings durchquere ich immer wieder kleine Höfe, deshalb sollte die Hand stets bremsbereit am Lenker sein. Der Wind trägt mich weiter über die kleinen Wellen von Pastrengo zurück nach Peschiera. Meine „Königsetappe“ führt mich am nächsten Tag von Peschiera entlang des östlichen Ufers an die nördliche Spitze des Lagos bis nach Torbole, zum Glück mit weniger Gegenwind als tags zuvor. Dabei geht es vorbei an Lazise, wo einer der „gefallenen Helden“ des Radsports, der Däne Michael Rasmussen seinen Radladen Los Locos betreibt. Nun führt mich die Strecke durch Garda, entlang der Hänge des Monte Baldos und vorbei an der Isola del Trimelone. In Torbole werden kurz die Flaschen aufgefüllt und weiter geht es rechts weg über den Lago di Loppio bis nach Mori. Ab hier steigt die Straße für die nächsten 22,8 Kilometer an. Schnell führt mich die breitausgebaute Straße aus dem Tal heraus, weg vom Verkehr. Immer wieder wechseln die Steigungsprozente, steil, flacher, durchschnittlich sind es sieben Prozent. Mein Blick fällt bei jeder Gelegenheit hinüber zur Bergkette der Lessinia-Hochebene auf der anderen Seite des Adige-Tals, bevor ich bei San Valentino nach rechts abbiege. Jetzt geht es auf einer kleinen verwunschenen Straße weiter bergan. Ich durchquere kleine einspurige Tunnel. Wald und freie Graslandschaft wechseln sich ab mit schroffen Felswänden. Dank des leichten Schiebewindes genieße ich den Blick auf die herbstlichen Hänge des Monte Baldo Massivs, so dass die knapp eineinhalb Stunden wie im Fluge vergehen. Oben angekommen belohnt mich die Aussicht über das Adige-Tal, bevor ich mich auf die enge Straße abwärts Richtung Ferrara di Monte Baldo begebe. Eine kleine Gegensteigung gemeistert, geht es weiter nach Caprino Veronesse und über Costermano nach Garda, dem heutigen Ziel. Etwas oberhalb von Garda lasse ich den perfekten Tag bei einem gutem Glas Bardolino ausklingen, während die Sonne am Westufer des Gardasees untergeht. Ich schwelge in Gedanken, die sich alle um eine Frage drehen: Wohin soll ich morgen nur fahren?   //

 

 

Das Hotel

Das Garda Bike Hotel bietet alles, was sich Rennradfahrer wünschen können. Täglich werden geführte Touren in drei Leistungsgruppen angeboten. Es gibt einen Pool, einen Fitnessraum mit Spinning-Bikes, einen Radraum und eine Werkstatt. Im Radverleih kann man Rennräder von Pinarello, De Rosa und Eddy Merckx mieten. Das Hotel bietet spezielle Pauschalen für Radfahrer sowie für deren „nicht-bikende“ Begleitung.

Adresse: Via Venezia 26, 37019 Peschiera del Garda / www.gardabikehotel.com / Tel: +39 045 6401050

Weitere Infos zum Hotel, zur Region und viele Tourenvorschläge finden Sie auf: www.roadbike-holidays.com

 

Quelle: 

Foto: Gideon Heede

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