Test & Technik

Neu: Campagnolo mit Scheibenbremsen

10.05.2017
Campagnolo Disc Brakes Test

Erster Test: Laufräder und Schaltgruppen mit Disc-Bremsen

Campagnolo-System und Scheibenbremsen – auf diese Kombination mussten Rennradfahrer bislang verzichten. Jetzt ziehen die Italiener nach und präsentieren ihre Klassiker auch als Disc-Versionen.

Lange hat es gedauert, bis auch Campagnolo Scheibenbremsen-Lösungen für Rennräder präsentieren konnte. Jetzt ist es so weit. Offiziell heißt es, dass die italienischen Ingenieure keine Kompromissversion aus Felgenbrems-Systemen und Scheibenbremsen-Elementen produzieren wollten. Die Entwicklungen anderer Hersteller seien laut Campagnolo zum Teil nicht mehr als Improvisation gewesen.

Disc-Bremsen für viele Modelle

Im „Campy Tech Lab“ wurde so lange mit Radprofis zusammengearbeitet, bis marktreife Produkte entwickelt waren. Auch von der Erfahrung der Hydraulik-Spezialisten von Magura profitierten die Italiener. Das Ergebnis: Die manuellen Gruppen Potenza, Chorus, Record und Super Record sowie die elektronischen Gruppen Record EPS und Super Record EPS gibt es nun als Disc-Versionen.

Die Bremse selbst wurde „H11“ getauft. Sie soll die gleiche Ergonomie und das gleiche Bremsgefühl vermitteln wie die Felgenbremse. Die Bremshebel sind dabei um acht Millimeter höher und ermöglichen Bremsen in flexibleren Positionen. Sie können zudem angepasst werden und erlauben mehr oder weniger aggressives Bremsen.

Den Bremssattel gibt es in einer 140-Millimeter Version sowie für vorne optional in einer 160-Millimeter-Version. Montiert werden können sie an allen Standard-Rahmen mit Schrauben von 19 bis 44 Millimetern Länge. Die Feder ist magnetisch, um die Bremse besonders schnell zu lösen. Der Bremsbelag besteht aus einem besonders geräusch- und vibrationsarmen Material, das zudem hitzebeständig und für alle Witterunge geeignet sein soll.  

Um für größtmögliche Sicherheit zu sorgen, sind die Kanten der Scheiben abgerundet. Die Scheiben sind stählern, das dient der Beständigkeit. Auch die Kurbel wurde speziell für die Geometrie von Rädern mit Scheibenbremsen neu gestaltet.

Bora-Laufräder für Scheibenbremsen

Neben den Gruppen stellte Campagnolo jüngst bei einer Präsentation auf Gran Canaria das neue Bora One DB Laufrad vor, das es nun auch in der Scheibenbremsen-Version gibt.

Die asymmetrischen Belastungen durch Scheibenbremsen wurden dabei besonders beachtet. Am Hinterrad wurde zudem die Belastung durch den Antrieb einbezogen. Diese soll durch zusätzliche Bremsleistung ausgeglichen werden. Am Hinterrad befinden sich auf der Antriebsseite 18 Speichen, acht Stück auf der Bremsseite. Vorne sind 16 Speichen an der Bremsseite, acht Stück auf der rechten Seite.

Das vollständig aus Carbon hergestellte Laufrad mit einer 24,2 Millimeter breiten Felge für Schlauchreifen ist sowohl mit einem 35-Millimeter-Profil (Setgewicht: 1297 Gramm) als auch mit einem 50-Millimeter-Profil (Setgewicht: 1297 Gramm) erhältlich. Die Drahtreifen-Version gibt es mit 35-Millimeter-Profil mit Klasse C17 und einer Außenbreite von 35,5 Millimetern (Setgewicht: 1509 Gramm).

Erster Test und Fahreindruck

Unser Tester hatte bereits die Möglichkeit, die neue Campagnolo Super Record Gruppe mit Disc-Schalthebeln zu testen. Hier sein Fahreindruck:

Die Schaltgriffe liegen wie von Campagnolog gewohnt sehr gut in der Hand. Die Erhöhung um acht Millimeter stört im Handling kaum, optisch ist sie aber durchaus sichtbar. Die Schaltvorgänge gehen sehr leicht, präzise und knackig von der Hand. Es ist kein Nachdrücken der Gänge notwendig. Die Bremsen benötigen kaum Kraft. Die Bremsvorgänge sind problemlos mit einem Finger durchführbar. Die Einstellungsunterschiede zwischen der Variante Short und Long bei den Bremshebeln sind deutlich zu spüren. Auf Short reagiert die Bremse deutlich direkter und aggressiver. Sowohl bei Dauerbelastung und abrupten Reduzieren der Geschwindigkeit war keine Geräuschentwicklung oder ein "Pfeifen" feststellbar. Ein Bremskraftverlust durch "Heißbremsen" konnte nicht beobachtet werden. Hier muss ein Dauertest mehr zeigen.

Fazit: Campagnolo hat bei seinem Disc Brake Projekt vieles richtig gemacht. Die Ergonomie und Bremskraft sind wie von Campagnolo gewohnt außerordentlich gut. Gerade die Top-Gruppen lassen keine Wünsche offen und agieren auf allerhöchstem Niveau.

Quelle: 

Redaktion RennRad (Johann Fährmann, DanielGötz); Tester: Markus Stöhr

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