Test & Technik

RennRad-Test - Acht 1500 Euro Räder im Test

Die105er Klasse.

Vergleicht man Fahrradkategorien mit Autoklassen, kann man die Räder aus unserem Test wohl in der „Polo-Klasse“ ansiedeln. Wie bei Autos auch ist der Zweck aller Rennräder derselbe: Sie bringen den Fahrer, der dafür natürlich treten muss, von Punkt A zu Punkt B. Die Größe des Rennrades ist im Gegensatz zum Auto allerdings nicht für den Preis entscheidend. Der Preis bestimmt sich durch Material, Qualität und Gewicht des Rahmens sowie die Ausstattung. Um dabei auf einen Preis von 1500 Euro zu kommen, gehen die Hersteller verschiedene Wege, bei einem Punkt sind sich aber fast alle einig. Die Shimano 105er-Gruppe ist verbaut, zumindest die Schalthebel. Um den Preis niedrig halten zu können, sind oft die Kurbeln oder die Bremskörper gruppenlos oder von der eigenen Hausmarke - wie zum Beispiel am Focus. Nur KTM setzt nicht auf die 105. Sie statten ihr Revelator 3500 mit der preisgünstigeren Tiagra-Schaltgruppe von Shimano aus. Kein einziger Hersteller schickte uns für unseren Test ein Rad mit einer Campagnolo-Gruppe. Zwar gibt es mit der Veloce auch eine bezahlbare Gruppe von Campa, der Preis von 1500 Euro ist aber mit den Rahmen im Test dann kaum zu erreichen. Sram sucht man ebenfalls vergeblich. Die Gruppen der Amerikaner könnten preislich mithalten, die Hersteller setzen in der 1500-Euro-Klasse trotzdem auf Shimano.


Alu vs. Carbon
Bis auf die Räder von Cannondale und Corratec sind alle Rahmen im Test aus Carbon. Carbon, das schwarze Gold, zieht. Es verkörpert Hightech, High End, Speed. Es ist das Material, aus dem Formel 1-Boliden hergestellt sind. Es ist bei Rennrädern aber nicht so, dass alles, was aus schwarzen Fasern besteht, auch besser ist. Beide Alu-Renner überzeugen im Test. Sie waren nicht schwerer als ihre Konkurrenten aus Carbon, zum Teil steifer, es hat Spaß gemacht sie zu fahren. Bei der Gabel setzen auch Cannondale und Corratec auf Carbon. Mit dieser Kombination sind die beiden Räder besser als viele ihrer Konkurrenten. In diesem Fall gilt: lieber einen guten Alu-Rahmen als einen günstigen Carbon-Rahmen. Insgesamt fällt kein Rahmen wirklich negativ auf - im Gegenteil: Viele der Räder in der 1500-Euro-Klasse haben mit ihren Fahreigenschaften überrascht.


Unterschiede im Detail
Die Sitze aus Leder, ein Fellüberzug überm Lenkrad, das Armaturenbrett im Plastik-Chic, Chromfelgen. Es gibt viele Details, die ein Auto schön und teuer oder aber einfach nur hässlich machen. Bei Rennrädern ist der Spielraum nicht ganz so groß, es kommt auf die Details an. Diese Details können darüber entscheiden, ob einem ein Rad taugt oder nicht. Wie ist die Form des Lenkers, wie komfortabel ist das Lenkerband, wie weich ist der Sattel? Natürlich hat bei diesen Fragen jeder Fahrer seine eigenen Vorstellungen von gut und schlecht, dass diese Fragen aber wichtig sind, wissen auch die Hersteller. So findet man auf fast allen Rädern wirklich gute Sättel und komfortable Lenkerbänder – das schafft eine Wohlfühlatmosphäre auf dem Rad. Etwas verwunderlich ist, dass ausgerechnet der Aero-Renner von Giant mit einem Sattel versehen ist, der sehr weich ist und so nicht richtig mit dem sportlich ausgerichteten Rad harmoniert.


Laufräder
Bei Rädern um 1500 Euro ist klar, dass keine Laufräder aus der teuren Kategorie im Rad stecken. Die müssen es aber auch nicht sein. Günstige Systemlaufräder sind mittlerweile so solide, dass man sie, was die Laufeigenschaften angeht, oft kaum von hochwertigen Modellen unterscheiden kann. Nur das Gewicht und die Steifigkeitswerte kennzeichnen die deutlichen Unterschiede zu den teureren Varianten. Alle Laufräder im Test, die auch alle mit qualitativ hochwertigen Reifen ausgestattet waren, sind jedenfalls mehr als alltagstauglich. Positiv hervorstechen konnten im Test die Fulcrum CEX-7.0 Laufräder, die am Focus Cayo verbaut sind.
 

Polo schlägt Ferrari
Was das Design der Räder angeht, muss sich keines verstecken. Die Hersteller wissen, dass sich Räder auch über die Optik verkaufen. Knallige Farben gibt es genauso wie schlichte edle Dekors. Dazu kommen ansprechende Rahmenformen. Auf den ersten Blick ist deshalb kaum zu sehen, dass die Räder aus einer günstigeren Preisklasse sind. Die Shimano 105-Ausstattung hat sich als voll alltagstauglich bewährt. Wenn man die nötige Kraft und Ausdauer hat, ist es also kein Problem, mit einem Polo einen Ferrari abzuhängen. Denn: Auf den Motor kommt es an.|||||
 

Quelle: 

Foto: Jürgen Amann

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