Test & Technik

RennRad Test: Maferro Pure Stainless

25.07.2017
Das Maferro Pure Stainless im RennRad Test.

Maferro Pure Stainless

Das Maferro Pure Stainless im RennRad Test.

 

Maferro ist der mit Abstand kleinste Hersteller, der in diesem Test vertreten ist. Es ist ein Ein-Mann-Betrieb aus München. Aber in einen Test handgebauter Rennräder darf – aus unserer Sicht – das Werk eines solchen Enthusiasten und Autodidakten nicht fehlen. Nur eine äußerst limitierte Anzahl an Rahmen verlässt die Münchner Werkstatt von Martin Feist pro Jahr. Das Modell in unserem Test ist dementsprechend ein gebrauchtes Rad eines Kunden. Die Ausstattung ist nicht mehr ganz modern. Deshalb beschränken wir uns in dieser Bewertung vorrangig auf den Rahmen. Dieser besteht aus einem P&P-Noblex-Edelstahlrohrsatz, der mit Microfusions-Muffen und unter Verwendung von Silberlot hartgelötet wurde. Er sieht sehr klassisch aus, ist jedoch auch recht leicht und extrem langlebig. Feist bietet seine Rahmen normalerweise ohne Gabeln an. Auf Wunsch fertigt er diese jedoch auch extra an. So wie die unseres Testmodells. Sie überzeugte bei unseren Testfahrten vor allem durch ihre Dämpfungseigenschaften: kleinere Bodenunebenheiten hat sie gut „geschluckt“ und somit Erschütterungen vom Fahrer beziehungsweise dessen Händen und Armen ferngehalten. Generell war es der deutlich zu spürende Flex des Materials Stahl, der die Fahreigenschaften des Maferro dominierte. Auch auf sehr schlechten Straßen bot das Rad einen noch recht hohen Fahrkomfort. Die Rahmensteifigkeit in Sprintsituationen war nicht überragend, aber auf einem ordentlichen Niveau. Zudem halten sich das Rahmen- sowie das Gesamtgewicht in angenehmen und vergleichsweise guten Grenzen. Der Maferro-Rahmen wird mit innen verlegtem Bremszug sowie geätzten Schriftzügen auf dem Sattel- und dem Unterrohr geliefert. Als weitere Besonderheiten sind am Testrahmen, nach den Wünschen des Käufers, optional Schriftzüge am Unterrohr aufgelötet, sowie der hintere Schaltzug in der Kettenstrebe verlegt. Als Oberflächenfinish ist der Rahmen komplett gebürstet. Die Gestaltung ist – insofern man die „klassische Stahl-Rennrad-Optik“ mag – sehr gelungen. 

Fahrverhalten

Die Geometrie ist an den Kunden angepasst und in diesem Fall recht ausgewogen und durchaus sportlich, mit einer an sich recht hohen Sattel-Lenker-Überhöhung, wobei diese in dem Fall durch einen unorthodox nach oben ragenden Vorbau deutlich entschärft wird. Damit sitzt man eher entspannt und nicht gestreckt auf dem Maferro. Das Fahrverhalten ist ausgewogen, es ist kein extremer Kurvenräuber, lässt sich aber dennoch schnell um enge Kurven lenken. Seine großen Stärken hat das Maferro aber sicher auf der Langstrecke. Der Grundpreis des Rahmens beträgt 1499 Euro. Das Bürsten schlägt noch einmal mit 220 Euro zu Buche. Kurzentschlossenen sei aber an dieser Stelle schon einmal der Wind aus den Segeln genommen: Die Lieferzeit liegt in der Regel bei rund drei Monaten, mal ein, zwei Wochen mehr, mal weniger. //

 
 

 

Der Hersteller

Martin Feist fertigt seit 2011 im Münchner Westen Stahlrahmen nach Maß. Inspiriert vom Rahmenbau wurde er bereits in seiner Jugend durch Hugo Rickert aus Dortmund, einen Großen der Rahmenbau-Zunft. „Bei einem Aufenthalt bei Herrn Rickert 2001 in Dortmund überließ er mir einen Rohrsatz, den ich nach der Verarbeitung natürlich von ihm begutachten lassen wollte. Leider war Rickert zum damaligen Zeitpunkt schon von schwerer Krankheit gezeichnet. Ich durfte ihn allerdings noch eine kurze Zeit unterstützen“, fasst Martin Feist seine Anfänge zusammen. Seitdem fertigt er Stahlrahmen auf Kundenwunsch. Traditionell, filigran, ästhetisch, mit hervorragenden technischen Eigenschaften und vor allem auf eines ausgerichtet: (fast) ewige Haltbarkeit. Außer der Lackierung macht er alles selbst: vom Entwurf über den Rohrzuschnitt bis zum Drehen, Fräsen und dem thermischen Fügen der Rohre.

 

Teile

  • Rahmen: Stahl
  • Größe: auf Maß
  • Bremsen: Sram Red
  • Kurbel: Sram Red
  • Schaltgruppe: Sram Red
  • Laufräder: Mavic Ksyrium S2
  • Reifen: Continental Grand Prix, 25 mm
  • Lenker / Vorbau: FSA AL 7050
  • Stütze: FSA AL 7050
  • Sattel: Selle Italia Gel Flow 

 

 

Rahmenpreis: 1499 Euro

Gewicht: 8,25 Kilogramm 

Fazit: Ein klassisches Stahl-Rennrad, ein Rahmen, der sehr stark flext, sehr viel Fahrkomfort bietet. Kein Supersportler, aber ein individuelles Rad für die Ewigkeit. In Relation zum Fertigungsaufwand und der Exklusivität ist der Preis sehr attraktiv.

Quelle: 

Text: David Binnig, Daniel Götz; Bilder: Amann, Kölln, Ax Lightness, Norwid, Drews

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