Test & Technik

RennRad Test: Pasculli Bagnolo

25.07.2017
Das Pasculli Bagnolo im RennRad Test.

Pasculli Bagnolo 

Das Pasculli Bagnolo im RennRad Test.

 

Das Pasculli glänzt. Sobald es von der Sonne oder einer Lampe angestrahlt wird. Doch was kann das Bagnolo auf der Straße? Viel, lautet die Kurzantwort. Die Sitzposition ist noch ausgewogen, aber mit klarer Tendenz in Richtung sportlich und leicht gestreckt. Entsprechend ist auch das Fahrverhalten: agil und direkt, das Handling ist einfach und leichtgängig. Das Pasculli macht auch auf sehr verwinkelten Kursen Spaß. Dennoch überzeugt es bergab durch eine gute Laufruhe. Wobei man auf rauen Untergründen schnell spürt, dass der Komfort beziehungsweise die Vibrationsdämpfung nicht zu den großen Stärken des Bagnolo gehört. Dazu trägt etwa auch die 31,6 Millimeter weite Sattelstütze bei. Die Art, wie sie im Rahmen gehalten wird, gehört zu dessen Highlights: Statt einer Schelle oder normalen Klemmung verbindet deutlich weiter unten eine Schraube die beiden Sattelstreben miteinander und hält so die Stütze an ihrem Platz. Schön und außergewöhnlich. Wobei der Rahmen noch mehr Highlights bietet, vom ovalisierten Oberrohr und den runden Hinterbaustreben bis zu Schweißnähten, die fast unsichtbar sind, klein, fein, verschliffen. Der Zug für die hintere Bremse verläuft im Oberrohr, alle anderen außen. Die Rahmensteifigkeit liegt, vor allem im Tretlagerbereich, auf einem sehr guten Niveau. Verbaut ist ein BB 386 EVO Tretlager, eine Übersetzungsbandbreite von 50/34 und 11-27 sowie ein Power2max-Powermeter. Die Ausstattung ist natürlich frei wählbar. Generell ist das Bagnolo extrem vielfältig. Pasculli bietet auch zwei Scheibenbremsen- sowie Cyclocrossversionen an. Beim Rahmen kann der Kunde aus zwei Varianten wählen: Columbus Spirit oder Edelstahl, Columbus XCr. Wobei letztere 950 Euro teurer ist als erstere. Sein Wunschrad kann man sich einfach in wenigen Schritten in dem Online-Konfigurator auf der Pasculli-Website zusammenstellen. 

Feine Kompententen

An unserem Testrad ist so ziemlich das Feinste des Feinen verbaut: Chris King Steuersatz, Enve Vorbau und Stütze, Campagnolo Record Gruppe. Die Fulcrum Racing Quattro Laufräder passen optisch gut zum Rahmen, sind schnell und zuverlässig. Ihre Verwindungssteifigkeit ist aber nicht die allerhöchste. Sie stehen für einen guten Kompromiss aus Aerodynamik und Alltagstauglichkeit. Zu Letzterem tragen die 25 Millimeter breiten Continental Grand-Prix-Reifen bei. Die Campagnolo-Record-Gruppe passt aus unserer Sicht perfekt zu dem in Italien handgefertigten Rahmen – optisch wie funktionell. Die Ergonomie der Griffe ist gewohnt angenehm und gut, genauso wie der gewohnt knackige Schaltvorgang. Ebenfalls in Bestform präsentieren sich die Campagnolo-Bremsen, unter allen Bedingungen. Das niedrige Gesamtgewicht und die Rahmen-Geometrie machen das Pasculli extrem agil und sportlich. //

 
 

Der Hersteller

Pasculli ist das Ergebnis eines weinreichen Abends in Italien. Die Beteiligten: ein Radladenbesitzer und ein Oboist der Berliner Philharmoniker. Maik Kresse und Christoph Hartmann kamen im Italien-Urlaub auf die Idee, die italienische Tradition aufrechtzuhalten: in Handarbeit Fahrradrahmen auf Maß zu bauen. Das war im Jahr 2005. Seitdem existiert die Marke. Die Rahmen werden im „tube-to-tube“-Verfahren gebaut: 

Nach dem Entwurf werden die einzelnen Rohre zugeschnitten und dann in einer Rahmenlehre zum Rahmen zusammengesetzt. Nach dem Versand aus Italien werden die Räder im Hauptsitz in Berlin Friedenau aufgebaut. Das Örtchen Bettola, wo die Idee zu Pasculli geboren wurde, und das Val Nure (Nure Tal) sind tief in der Marke Pasculli verankert. So tragen die Rahmenmodelle fast ausschließlich die Namen von Pässen und Orten, die im Nure Tal zu finden sind.

 

Teile

  • Rahmen: Stahl
  • Größe: auf Maß
  • Gabel: Vollcarbon
  • Bremsen: Campagnolo Record
  • Schaltgruppe: Campagnolo Recor
  • Laufräder: Fulcrum Racing Quattro
  • Reifen: Continental Grand Prix 4000 TT, 25 mm
  • Lenker / Vorbau: Enve
  • Sattel: Fizik Antares 

 

Preis: 8990 Euro

Gewicht: 7,68 Kilogramm 

Fazit: Ein eigenständiger und hervorragend verarbeiteter Rahmen, eine Top-Ausstattung, eine Geometrie, die das Bagnolo extrem agil macht, ein niedriges Gewicht. Gelungen.

 

Quelle: 

Text: David Binnig, Daniel Götz; Bilder: Amann, Kölln, Ax Lightness, Norwid, Drews

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