Anton „Toni" Palzer im Interview
Anton Palzer: World-Tour, Rückschläge und sein Zugspitze-Projekt
in Allgemein
Vom Weltklasse-Skibergsteiger zum World-Tour-Profi und zurück zum extremen Vielseitigkeitsathleten: Anton „Toni“ Palzer gehört zu den schillerndsten Figuren des deutschen Ausdauersports. Im Frühjahr 2021 wechselte der Berchtesgadener ohne klassische Radsport-Vergangenheit direkt ins World-Tour-Team Bora-hansgrohe. Nach fünf Jahren im Straßenpeloton und spektakulären Solo-Projekten – wie der Fabelzeit von München auf die Zugspitze – haben wir mit Toni über Höhen und Tiefen, Profi-Ernährung, sein Material und seine Zukunftspläne gesprochen.
RennRad: Toni, wie geht es Dir aktuell und wo erreichen wir Dich gerade?
Anton Palzer: „Mir geht’s gut! Wie mein Papa immer sagt: Schlechten Leuten geht’s immer gut, von dem her geht’s mir sehr gut. Ich bin momentan seit acht Tagen im Höhentraining am Kühtai und der Hitze aus dem Tal entflohen. Heute hatte ich Ruhetag, war nur eine Stunde locker laufen und den restlichen Tag mache ich nicht mehr viel.“
RennRad: In den vergangenen eineinhalb Jahren hattest Du immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Was war da genau los?
Anton Palzer: „Die letzten eineinhalb Jahre meiner WorldTour-Zeit waren gesundheitlich extrem schwierig. Es fing an mit einem ziemlich harmlos aussehenden Mountainbike-Sturz zu Hause. Ich habe mich am Finger verletzt, was zu einer langwierigen Wundheilungsstörung führte – der Finger ist fünf Wochen lang nicht zugewachsen. Im August 2024 folgte dann eine Herzbeutelentzündung, der schwerste Rückschlag in meinen 13 Jahren Profisport. Ich durfte drei Monate lang keine Treppen steigen. Die Ärzte konnten mir nicht sagen, ob es ein halbes Jahr, ein Jahr dauert oder das Karriereende bedeutet.
Zum Glück ging es nach drei Monaten wieder bergauf, aber mein Immunsystem war im Keller. Nach weiteren Infekten, einem Sturz bei der Tour de Suisse mit Gehirnerschütterung und Sehstörungen sowie einem Magen-Darm-Virus im Höhentraining war das eine echte Achterbahnfahrt. Aber Profisport ist eben keine Einbahnstraße nach oben. Seit über einem Jahr bin ich glücklicherweise wieder vollkommen gesund.“
„Leistungssport ist kein Ponyhof. Wir werden dafür bezahlt, zu performen. Wenn die Ergebnisse durch Verletzungen ausbleiben, ist es völlig verständlich, wenn Verträge nicht verlängert werden.“
RennRad: Hat diese gesundheitliche Pechsträhne letztlich dazu geführt, dass Dein Vertrag bei Red Bull-BORA-hansgrohe Ende 2025 nicht verlängert wurde?
Anton Palzer: „Es war ein ganz normales, ehrliches Gespräch. Ralph Denk hat mich angerufen und gesagt, dass er für das nächste Jahr keinen Platz mehr im Kader hat. Ich konnte das zu 100 Prozent nachvollziehen. Der Radsport wird immer jünger, von unten rücken extrem viele 19- bis 23-Jährige nach. Ich hätte noch bei anderen Teams unterkommen können, habe aber für mich beschlossen: Ich hatte fünf fantastische, lehrreiche Jahre in der WorldTour und gehe jetzt mit einem blauen Auge raus, solange es am schönsten ist. Ich wollte wieder zurück zu meinen Wurzeln, zum Skibergsteigen und zu meinen eigenen Projekten.“

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Fünf Jahre WorldTour: „Eiskalt ins kalte Wasser geworfen“
RennRad: Wenn Du auf deinen Quereinstieg 2021 zurückblickst: Du wurdest ohne jede Rennpraxis mitten in der Saison ins WorldTour-Peloton geworfen. Wie wild war diese Zeit?
Anton Palzer: „2021 war absolut verrückt. Ich bin bis Mitte März noch die Weltcup-Saison im Skibergsteigen gelaufen, hatte zwei Wochen Pause auf Gran Canaria und bin dann direkt bei der Tour of the Alps mein allererstes echtes Radrennen gefahren. Ich bin davor nur Bergrennen wie den Glocknerkönig gefahren, wo es einfach nur bergauf geht. Im Peloton war es reines ‚Learning by Doing‘.
Wenn ich im Nachhinein etwas ändern könnte, würde ich den Wechsel vielleicht mit 20 statt mit 28 Jahren machen – obwohl ich damals mit 20 gar nicht bereit dafür gewesen wäre, meinen Sport aufzugeben. Ich habe mir leistungstechnisch ehrlich gesagt sogar noch etwas mehr von mir auf dem Rad erhofft. Ich hatte eine gemessene VO2max von 92, bin 1000 Höhenmeter auf Ski in 32 Minuten gelaufen. Aber Zahlen sind wie ein Bikini: Sie zeigen viel, aber nicht alles. Auf dem Rad fehlte mir schlichtweg die jahrelang angelernte Ökonomie.“
„Bei meiner ersten Vuelta bin ich am neunten Tag bei der 5000-Höhenmeter-Etappe auf drei Minuten an die Karenzzeit herangefahren. Wir waren ein Grupetto aus Invaliden, das sich gegenseitig durchgekämpft hat.“
RennRad: Kurz nach Deinem Einstand bist Du direkt die Vuelta a España gefahren. War das pure Härte?
Anton Palzer: „Das war vom ersten Tag an der reine Kampf ums Überleben! Als mir das Team sagte, dass ich die Vuelta fahren soll, habe ich den für die Rundfahrt vorgesehenen Kapitän Felix Großschartner angerufen und gesagt: ‚Felix, du brauchst einen anderen Helfer, ich kann dir da nicht helfen!‘ Aber Felix und die Sportlichen Leiter waren überzeugt, dass mich diese drei Wochen als Rennfahrer extrem weiterbringen würden.
Es war eine Hölle aus Stürzen, Hitze und Karenzzeit-Gefahr. Nach der Vuelta war ich so platt, dass ich erst einmal sechs Wochen komplett die Beine hochlegen musste. Aber sie hatten recht: Wer 21 Tage und 3500 Kilometer im Feld durchsteht, fährt danach im Peloton völlig anders. Beim Giro d’Italia zwei Jahre später konnte ich das Rennen dann schon mit echten Glücksgefühlen genießen.“

Anton Palzer in seiner ersten WorldTour-Saison.
Die Ernährungsevolution im Peloton
RennRad: Der Profi-Radsport entwickelt sich mit astronomischem Tempo weiter. Welche Veränderungen hast Du in Deinen fünf Jahren bei den Profis am stärksten gespürt?
Anton Palzer: „Ganz klar die Ernährungs-Revolution! Als ich 2021 zum Team kam, steckten wir noch am Ende der Sagan-Ära. Es gab noch keine Apps zum Tracken der Ernährung, man hat einfach gegessen, was ging. Frische Bananen am Berg waren der Standard. Früher im Ausdauersport galt oft fälschlicherweise: ‚Essen ist ein Zeichen von Schwäche‘.
Heute ist es völlig normal, an intensiven Trainingstagen bis zu 6000 Kalorien zu verbrennen. Wenn man den Magen darauf trainiert hat, kann man im Rennen problemlos 120 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde aufnehmen. Der Stoffwechsel verbrennt das komplett, die Regeneration ist am nächsten Tag deutlich besser und der Trainingsreiz wird viel schneller verarbeitet. Das ist der Hauptgrund, warum heute im Peloton teilweise so unvorstellbar schnell gefahren wird.“

Anton Palzer beim Giro d’Italia.
München – Zugspitze: 115 Kilometer & 3036 Höhenmeter
RennRad: Am 23. Juni 2026 hast Du ein spektakuläres Projekt absolviert: In vier Stunden und 43 Minuten ging es vom Münchner Marienplatz auf den Gipfel der Zugspitze. Wie kam es zu dieser Idee?
Anton Palzer: „Die Idee schwirrte schon seit drei Jahren in meinem Kopf herum. Mein Pressebetreuer Anderl Hartmann fragte mich damals: ‚Toni, wie lange brauchen die Leute wohl im Berufsverkehr von München auf die Zugspitze – und wie schnell bist du mit dem Rad und zu Fuß?‘ Als WorldTour-Profi hatte ich dafür nie ein passendes Zeitfenster. Jetzt hat alles gepasst und ich wollte meine gute Radform aus nutzen.“
RennRad: Nimm uns mit auf die Strecke. Wie lief der Tag ab?
Anton Palzer: „Start war morgens um genau 3:00 Uhr auf dem Marienplatz in München. Der frühe Start war entscheidend, um ohne Berufsverkehr und rote Ampeln aus der Stadt herauszukommen. Ausgestattet mit meinen Garmin-Lichtern war die Straße hell erleuchtet.

Auf dem Weg von München nach Garmisch.
Ich bin auf meinem Specialized S-Works Tarmac SL9 mit Roval-Rapide-Laufrädern und Zeitfahranzug gefahren. Die ersten 100 Kilometer und 1086 Höhenmeter bis ins Reintal hinter Garmisch habe ich in zwei Stunden und 41 Minuten absolviert – mit einer durchschnittlichn Leistung von 305 Watt. Auf den letzten 30 Kilometern hatte ich brutalen Gegenwind und die steilen Rampen an der Partnachalm taten richtig weh.“
„In der Wechselzone im Reintal habe ich genau drei Minuten gebraucht, um vom Aero-Outfit auf Laufbekleidung zu wechseln. Danach lagen 15 Kilometer und 1950 Höhenmeter Berglauf vor mir.“
RennRad: Wie teilt man sich einen fast zweistündigen Berglauf über das Reintal und das Schneefernerhaus nach 100 intensiven Kilometern auf dem Rad ein?
Anton Palzer: „Beim Berglauf läuft man eigentlich fast alles durch. Die ersten flachen Kilometer an der Partnach entlang schlägt der Impact zwar voll auf den Magen-Darm-Trakt, aber ab der Knorrhütte geht es richtig steil bergauf, dann ist an deutlich langsamer. Wenn man seine Ernährung – bei mir waren es 120 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde in Form von Maurten-Trinkmixen und Gels – schon auf dem Rad perfekt durchgezogen hat, hat man auch die Energie für den Lauf.
Am Ende über das Zugspitzplatt und die Stahlseile zum Gipfelkreuz war ich aber komplett leer, die letzten Stufen am Münchner Haus musste ich auf allen vieren krabbeln. Um 7:43 Uhr stand ich am Gipfelkreuz. 1:59 Stunden für den Lauf. Pures Glück und extrem viel Schmerz!“

Anton Palzer, München, Zugspitze, WorldTour
Die Hardfacts des Zugspitz-Duathlons
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Gesamtzeit: vier Stunden, 43 Minuten, 46 Sekunden
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Gesamtdistanz: 115 Kilometer | 3036 Höhenmeter
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Teilstrecke Rad: 100 Kilometer | 1086 Höhenmeter | Zeit: 2:41 Stunden mit durchschnittlich 305 Watt
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Wechselzeit: 3:00 Minuten
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Teilstrecke Berglauf: 15 Kilometer | 1950 Höhenmeter | Zeit: 1:59 Stunden
- Streckenverlauf: Münchner Marienplatz – Wolfratshausen – Penzberg – Garmisch-Partenkirchen – Partnachalm – Reintal – Knorrhütte – Schneefernerhaus – Zugspitzgipfel
Ausblick: Ötztaler Radmarathon & Olympische Spiele 2030
RennRad: Was steht bei Dir in diesem Jahr noch auf dem Programm? Fährst Du dieses Jahr beim Ötztaler Radmarathon mit?
Anton Palzer: „Ja, definitiv! Ich fahre den Ötztaler das erste Mal. Ich bin viel zu sehr Sportler, um da nur eine Bummelfahrt zu machen. Ich bereite mich im Höhentraining gezielt darauf vor. Wie die Taktik ohne Teamgefüge wird, muss ich sehen. Das Kühtai, den Brenner und das Timmelsjoch kenne ich gut. Außerdem starte ich beim Red Bull Dolomitenmann auf dem Mountainbike.“
RennRad: Und langfristig? Skibergsteigen wird 2026 erstmals olympisch. Ist das ein Thema für Dich?
Anton Palzer: „2026 gab es nur die Disziplinen Sprint und Mixed Relay – das ist nichts für mich. Aber für die Olympischen Spiele 2030 in den französischen Alpen steht das Thema riesengroß in meinem Kalender! Dort wird die lange, individuelle Disziplin im echten alpinen Gelände ausgetragen. Ich bin 2026 wieder Deutscher Meister geworden und habe die Tour du Rutor gewonnen. Wenn mein Körper mitmacht, will ich 2030 voll konkurrenzfähig am Start stehen!“
RennRad: Toni, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Deine nächsten Projekte!
Equipment-Check: Mit diesen Garmin-Produkten bezwang Anton Palzer die Zugspitze
Für die Orientierung im Dunkeln, die korrekte Pacing-Strategie und das minutiöse Tracking setzte Anton Palzer bei seinem Projekt von München auf die Zugspitze auf verschiedene Produkte von Garmin:
1. Garmin Edge 1050 – GPS-Radcomputer
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Highlights: Das brillante 3,5-Zoll-LCD-Touchdisplay ermöglichte während der nächtlichen Abfahrt ab 3:00 Uhr morgens eine klare Kartendarstellung der GPX-Route.
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Funktionen: Bietet präzise Re-Routing-Optionen, einen integrierten Lautsprecher für Abbiegehinweise und bis zu 20 Stunden Akkulaufzeit im vollen GPS-Modus.
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UVP: ab 749,99 Euro
© GarminGarmin Edge 1050
2. Garmin fēnix 8 Pro – Multisport-GPS-Smartwatch
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Highlights: Robuste Multisportuhr mit kratzfestem Sapphire-Glas und Titan-Lünette. Sie zeichnete Tonis Gesamtzeit von 4:43:46 Stunden lückenlos auf.
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Funktionen: Integrierte inReach-Technologie für Satelliten- und LTE-Verbindungen ermöglicht Notrufe und Positions-Check-Ins selbst in tiefen Alpentälern ohne Mobilfunknetz. Inklusive AMOLED-Display und automatischer Multisport-Wechsel-Erkennung.
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UVP: ab 1199,99 Euro
© Anderl HartmannGarmin fēnix 8 Pro
3. Garmin HRM 600 – Herzfrequenz-Brustgurt
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Highlights: Präzise Erfassung der Herzfrequenz- und HFV-Daten selbst bei extrem hoher Schweißentwicklung und hoher Belastung.
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Funktionen: Liefert erweiterte Laufmetriken – Running Dynamics & Running Economy – zur Optimierung des Laufstils im steilen Gelände. Dank integriertem Akku bietet der Brustgurt eine Laufzeit von bis zu zwei Monaten.
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UVP: 169,99 Euro
© GarminGarmin HRM 600
Das vollständige Interview kann direkt auf unserem YouTube-Kanal angeschaut werden.
Den offiziellen Film zum Projekt München – Zugspitze gibt es direkt auf Anton Palzers YouTube-Kanal zu sehen.
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YouTube-Kanal: @antonpalzer auf YouTube
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Instagram: @antonpalzer auf Instagram
