Fabian Cancellara gewann dreimal die Flandern-Rundfahrt
Interview: Cancellara über Paris-Roubaix, Gravel und Coronavirus

"Ich wollte jedes Rennen gewinnen"

Interview: Cancellara über Paris-Roubaix, Gravel und Coronavirus

Paris-Roubaix, die Flandern-Rundfahrt: Jetzt wäre die Zeit der Frühjahrsklassiker. Ex-Top-Klassikerspezialist Fabian Cancellara im Interview: Klassiker-Taktik, Gravel und Siegeswille.
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Fabian Cancellara sollte jetzt eigentlich Rennen fahren. Nicht als Profi, keine WorldTour-Rennen. Sondern bei einem Rennen seiner eigenen Rennserie „Chasing Cancellara“, wo er auch seine neue Bekleidungslinie mit Gore Wear präsentieren wollte. Bei einem Rennen der Serie können sich Hobbyradfahrer an den Orten seiner größten Erfolge – die Hellinge der Flandern-Rundfahrt – messen. Doch das Coronavirus verschiebt diesen Plan in den Oktober. Wir interviewten Cancellara deshalb per Video-Telefonkonferenz.

RennRad: Dieses Interview findet unter besonderen Umständen statt. Wie nehmen Sie das wahr?
Fabian Cancellara: „Es ist schade, dass wir uns nicht persönlich beim Radfahren sehen können, sondern uns nur über Video unterhalten. Sport verbindet Menschen. Jetzt müssen wir aber zusammenhalten. Denn nur wenn sich jeder an die Vorgaben hält, wird es auch schnell wieder vorbei sein. Ich bin froh, dass wir in der Schweiz noch raus dürfen, ich darf noch Fahrrad fahren. Man muss das akzeptieren, Solidarität zeigen, es geht ja allen gleich. Am fairsten wäre es aus jetziger Sicht, bis Ende April keine Rennen zu fahren. Es können ja viele nicht ordentlich trainieren, vor allem in Italien und Spanien nicht. Indoor-Training ist für Profis ist ja auch nicht das Gleiche wie draußen Rennen zu fahren. Daher sollte man auch Änderungen im Rennkalender für die nächste Zeit in Kauf nehmen.

Digitale Vorbereitung: Klassiker und Taktik

Vor wenigen Wochen begann die Klassiker-Saison. Spannende Rennen wurden für diese Saison erwartet: mit einem extrem starken Team Deceuninck-Quick-Step und herausragenden Fahrern wie Mathieu van der Poel. Wie hat sich die Taktik in den vergangenen Jahren entwickelt?

„Die Rennstrategien von heute gab es im Grunde schon immer. Der Hauptunterschied ist sicher, dass die Vorbereitung und das Rennen immer weiter digitalisiert wird. Heute bekommt man ein Video vom letzten Kilometer gezeigt oder von verschiedenen Passagen – früher beschrieb man einen Berg als 12 Kilometer lang und acht Prozent steil. Heute wird er in kleine Segmente unterteilt. Jeder hat seine Aufgaben im Team, wie früher, aber es gibt heute einfach mehr Details und Informationen.“

Welche Besonderheiten weisen die Klassiker aus taktischer Sicht auf?

„Das kommt darauf an, wie das Team aufgestellt ist und wie die Form der gesamten Mannschaft im Moment ist, ob sie sich in einem Höhenflug befindet, oder in einer Krise steckt. Das sind wichtige Elemente. Am Ende braucht es vor allem gute Beine und mentale Stärke, um das Rennen durchzuziehen. Top-Material haben inzwischen alle, das ist wichtig, aber am Ende entscheiden der Kopf und die Beine. Auch wenn Teams wie Deceuninck-Quick-Step mehrere Fahrer im Finale dabeihaben. Klar gibt es dann taktische Geplänkel, trotzdem muss man schnell sein und mental bereit. Und am schönsten ist es, wenn man allein ins Ziel fahren kann und gewinnt.“

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Rennentscheidend: Mentale Stärke

Wie kann man diese mentale Stärke trainieren?

„Ich wollte schon immer jedes Rennen gewinnen, das war immer das wichtigste für mich. Mit diesem Gedanken habe ich mich auch intensiv vorbereitet. Natürlich ist das Selbstvertrauen sehr wichtig, dabei helfen natürlich auch gute Resultate. Auch im Team kann man sich mentale Stärke abholen, da ist der Zusammenhalt entscheidend. Ich habe mir allerdings den Druck schon immer selbst gemacht, weil ich unbedingt selbst Rennen gewinnen wollte und nicht, weil es eine Vorgabe vom Team war.

Fabian Cancellara beendete seine Karriere 2016

Fabian Cancellara beendete seine Karriere 2016

Sie haben Ihre größten Erfolge bei den Frühjahrsklassikern erzielt. Wie kann man sich auf diese Rennen gezielt vorbereiten?

„Erfahrung spielt eine ganz entscheidende Rolle. Die Frühjahrsklassiker sind immer besonders, jeder hat seine Tücken. Mit einiger Erfahrung geht man anders an die Sache heran, das hilft. Die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix sind wohl die zwei größten Eintagesrennen der Welt, da lastet natürlich ein anderer Druck, eine andere Erwartungshaltung, auf den Fahrern. Wenn man da als Person nicht gereift ist, dann kann man an dem Druck auch kaputt gehen. Darum muss man sich physisch und psychisch intensiv auf diese Rennen vorbereiten. Was mir zugutekam: Ich bin sehr detailorientiert, das war zu meiner aktiven Zeit in der Vorbereitung, bei den Trainingsplänen, der Planung der Rennen und der gezielten Vorbereitung auf die einzelnen Höhepunkte so. Aber auch heute noch, wenn ich mich mit Fahrrädern und Bekleidung auseinandersetze.“

Kopfsteinpflaster und Schotter: Gravel in der WorldTour?

Paris-Roubaix und die Flandern-Rundfahrt leben von ihren besonderen Straßenverhältnissen, von den Hellingen in Flandern und dem Kopfsteinpflaster in Nordfrankreich. Rennen, bei denen Sie immer sehr gut waren, genau wie die Strade Bianche mit einigen Schotterpassagen. Was halten Sie von der Entwicklung, mehr Gravel-Sektoren in die Rennen einzubauen?

„Das ist jetzt modern, das kommt immer mehr. Ich finde das gut. Gerade von Strade Bianche bin ich ein großer Fan. Durch die Erschließung dieser Straßen entsteht eine neue Community, es stellt den Radsport breiter auf. Ich denke, es wird nicht dazu kommen, dass die Profis irgendwann auf Single Trails unterwegs sind, aber Gravel-Passagen passen meiner Meinung nach hin und wieder super ins Rennprogramm.“

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Wie sehen Sie heute Ihre Rolle im Radsport?

„Ich versuche, die Leute zum Radfahren zu motivieren. Das ist mir sehr wichtig. Mit Gore habe ich eine über Jahre gewachsene Zusammenarbeit, die sich auf Radsportbekleidung spezialisiert. Mir ist es wichtig, dass ich nicht nur ein Markenbotschafter bin, der herumreist und über die Marke spricht, sondern wirklich an der Gestaltung und der Technologie der Produkte beteiligt bin. Ich freue mich, meine Erfahrungen und Erlebnisse aus meiner aktiven Zeit dort einfließen zu lassen und an die Radsportler weiterzugeben. Das sind Produkte, für die man kein Cancellara-Fan sein muss, um sie zu tragen. Es geht nicht um mich, sondern darum, zu motivieren. Was sie dabei anziehen und was sie für ein Rad kaufen ist nicht in erster Linie entscheidend. Wenn sie erst einmal auf dem Rad sitzen, werden sie sich dann vielleicht auch an mich erinnern, und sich sagen, ‚der hat mich damals motiviert, seine Klamotten will ich haben.‘ “

Cancellara gewann dreimal Paris-Roubaix und dreimal die Flandern-Rundfahrt

Cancellara gewann dreimal Paris-Roubaix und dreimal die Flandern-Rundfahrt

Neu: Gore-Linie von Fabian Cancellara

Gemeinsam mit dem Hersteller Gore präsentiert Fabian Cancellara eine neue Bekleidungslinie für Radsportler. Die Kollektion umfasst acht Produkte: Bibshorts, Trikots und Socken sowie eine Jacke und Handschuhe; aufgeteilt in eine sehr spezifische und rennorientierte „C7“-Kollektion, sowie eine im Design adaptierte „C5“-Variante, basierend auf den Bestseller-Rennrad-Produkten von Gore Wear.

Gore Tex Shakedry: Top-Technologie

Speziell die C7-Kollektion baut auf den Top-Technologien des Herstellers auf – wie etwa die „Central Torso Architecture“ für umfassenden Sitzkomfort oder die Gore-Tex-Shakedry-Technologie der leichten und wasserfesten Jacke. Cancellara war in die Entwicklung und das Design eingebunden und konnte dabei seine langjährige Erfahrung einbringen.

Sieben „Epic Moments“

Sieben Mal siegte Cancellara bei Rennen, die zu den Monumenten des Radsports zählen: Je dreimal gewann er Paris-Roubaix und die Flandern-Rundfahrt, einmal siegte er bei Mailand-Sanremo. Die Zahl sieben ist auch entscheidend für das Design der Linie, jedoch steht sie hier für Cancellaras „Epic Moments“, die größten Momente seiner Karriere, zu denen auch etwa das Rennen Strade Bianche und das Olympische Zeitfahrrennen von Rio zählen. Die Designer setzten dies als Heptagon, als Siebeneck um in der Form eines Kopfsteinpflaster-Steines.

Fabian Cancellara präsentiert eine Bekleidungslinie mit Gore Wear

Die C7-Kollektion basiert auf den High-End-Produkten von Gore

Das Heptagon steht für einen Pflasterstein und Cancellaras sieben "epische Momente"

Der Preis des C7-Trikots: 199,95 €

Die Top-Technologie von Gore Tex: Shakedry

Alles zu den Produkten sowie die Preise: www.gorewear.de

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