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MyWhoosh im Interview: Matt Smithson über E-Sports, Indoor-Cycling, Fairness & die Zukunft des virtuellen Radsports

MyWhoosh: Interview mit Matt Smithson – Director of E-Sports und Game Operations

MyWhoosh im Interview: Matt Smithson über E-Sports, Indoor-Cycling, Fairness & die Zukunft des virtuellen Radsports

MyWhoosh setzt im Indoor-Cycling auf Realismus, Community und innovativen E-Sports-Formaten. Matt Smithson erklärt im Interview, wie Gamification Training spannender macht, warum Fairness durch komplexe Systeme abgesichert wird und wie sich der virtuelle Radsport mit Events wie dem Sunday Race Club und den Championships rasant weiterentwickelt.
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Indoor-Cycling ist längst mehr als nur ein Trainings-Ersatz während der kalten Jahrszeit. Wir haben mit Matt Smithson, Director of E-Sports and Game Operations bei MyWhoosh, über Realismus, Fairness und die Ambitionen der Plattform gesprochen.


RennRad: Angenommen, ich fange gerade erst mit Indoor-Cycling an – warum sollte ich mich für MyWhoosh entscheiden?

Matt Smithson: „Zunächst einmal kommt es darauf an, was Menschen mit ihrem Radfahren eigentlich machen wollen. Wir bieten mit MyWhoosh eine Ergänzung zum Outdoor-Cycling und viele verschiedene Möglichkeiten. Ich finde, die Plattform ist grafisch sehr gut umgesetzt. Das Erlebnis immersiv und realistisch gestaltet. Es bildet das, was man draußen fährt, auch drinnen ziemlich genau ab. Unsere Fahrphysik und -dynamik entsprechen der echten Welt. Das heißt, sie sind nicht künstlich verstärkt – man bekommt also kein übertriebenes Erfolgserlebnis für etwas, das man eigentlich nicht wirklich geleistet hat.

Das Spiel ist kostenlos, aber das ist inzwischen nicht mehr unser Haupt-Argument. Wir haben über tausend Workouts von World-Tour-Trainern implementiert. Wir haben etwa 15 verschiedene virtuelle Welten mit Strecken aus aller Welt – von Bhutan über Australien und die Schweiz bis in die USA. Der wichtigste Punkt ist für mich, dass wir eine Community-orientierte Plattform sind. Wenn die Community etwas möchte, sind wir bereit, es umzusetzen. Ich möchte nur Dinge ins Spiel bringen, die die Leute auch wirklich sehen wollen. Und wenn wir etwas Neues entwickeln, gehen wir direkt zu neuen Fahrerinnen und Fahrern und fragen: ‚Ihr seid neu im Sport – was würdet ihr euch wünschen?‘ Am Ende glaube ich, dass man bei MyWhoosh besser unterhalten wird, dass es kostenlos und gleichzeitig sehr genau ist – und dass wir uns ständig weiterentwickeln und verbessern, damit die Leute ihre Fahrten wirklich genießen.“

Matt Smithson

Matt Smithson. Director of E-Sports and Game Operations MyWhoosh

Gamification vs. Performance: Die richtige Balance

Wie hält man die Balance, zwischen der „Gamification“ und Funktionen für ambitioniertere Athleten, also etwa strukturiertem Training und Leistungsplanung?

Matt Smithson: „Ich komme da immer auf den Kern zurück: Es geht um Unterhaltung. Wir sind eher in der Unterhaltungsbranche als in der reinen Sportbranche, wenn ich das so sagen darf. Wichtig ist, dass man vom Newbie bis hin zu Elite-Athleten alle abholen muss – und genau das machen wir. Also alles von Sonntags-Rennradgruppen, über UCI-Weltmeisterschaften bis hin zu Leuten, die gerade ihre allererste Fahrt bei uns machen. Es geht darum, Erlebnisse zu schaffen, die den Nutzer abholen – egal ob jemand einfach nur eine flache Strecke fahren will, lieber Hügel fährt oder ganz andere Dinge sucht.

Wir glauben, dass alles, was Leistung beeinflusst, entweder fair erarbeitet sein muss oder für alle gleich gelten sollte. Gamification bedeutet für uns deshalb verschiedene Welten und unterschiedliche Arten, das Erlebnis zu gestalten. Ein Beispiel: Wir haben die „Zombie-Challenge“. Dabei verfolgen dich Zombies während des Trainings. Du kannst nicht einfach den Widerstand reduzieren oder leichter fahren, um ihnen zu entkommen – solche Dinge machen wir nicht. Wir setzen da wieder stark auf den Entertainment-Aspekt. Die Zombies werden Teil deines Workouts. Wenn du zum Beispiel 300 Watt für 10 Minuten fahren sollst, dann verfolgen dich die Zombies dabei.

Am Ende steigst du ab und hast das Gefühl: Ich war voll drin, ich war engagiert und habe gleichzeitig mein Training gemacht. Gamification ist also ein sehr spannendes Thema. Das geht sogar bis zur Frage: Wie realistisch sind deine Geschwindigkeiten? Wie realistisch ist der Windschatten? Wie realistisch ist der Übergang von flachem Terrain zum Anstieg? Wir wollen also realistisch sein – und gleichzeitig kreative, unterhaltsame Wege finden, dich zu motivieren und zu beschäftigen.“

„Wir sind eher in der Unterhaltungsbranche als in der reinen Sportbranche. Wichtig ist, dass man vom Newbie bis hin zu Elite-Athleten alle abholen muss.“

Updates und neue Features: Strava-Integration und Streaks

Was beinhaltet zum Beispiel das letzte Update, dass Anfang April veröffentlicht wurde?

Matt Smithson: „Eine der Sachen, nach denen oft gefragt wurde, war zum Beispiel ein Streak-System, als eine Art Belohungs-Funktion für regelmäßige Fahrten, Workouts etc. Die Leute wollten dafür belohnt werden, regelmäßig ins Spiel zu kommen, und motiviert werden, immer wieder zurückzukehren. Jetzt bekommt man also Updates darüber, wie aktiv man ist und was gerade passiert. Gleichzeitig haben wir in diesem Zeitraum unsere Spielwelten weiterentwickelt. Außerdem haben wir ein paar weitere Features integriert – vieles davon ist aber vor allem eine Grundlage für das, was wir künftig noch machen wollen.

Wir haben zum Beispiel auch eingeführt, dass man seine Outdoor-Fahrten quasi nach drinnen holen kann. So hat man innerhalb des Programms einen einzigen Kalender für alles. Wenn du also deine Strava-Fahrten importierst, kannst du sie auch in MyWhoosh sehen. Das bereitet den Weg für zukünftige Funktionen – egal ob es KI-Coaching oder einfach ein zentraler Ort ist, an dem du all deine Fahrten und Trainingsdaten im Blick hast. Denn, mal ehrlich, die meisten unserer Nutzer sind keine Profi-Athleten. Das sind normale Leute, die vielleicht ein- bis zweimal pro Woche fahren und am Wochenende einfach mit ihren Freunden Spaß auf dem Rad haben wollen. Wenn sie dann ihre Trainingsfortschritte verfolgen und solche Dinge sehen können, motiviert das natürlich zusätzlich – und stärkt auch die Community.“

Streak

Die „Streaks“-Funktion belohnt regelmäßige Aktivität in allen Bereichen mit exklusiven Abzeichen und Meilensteinen.

Expansion: Rudern als neue Disziplin

MyWhoosh unterstützt inzwischen auch Ruderergometer. Welche Pläne gibt es, sich über virtuelles Radfahren und Laufen hinaus in diese Richtung weiterzuentwickeln?

Matt Smithson: „Ja, Laufen ist bereits im Spiel integriert – wobei Laufen ein schwieriges Thema ist. Die meisten Menschen können schließlich jederzeit laufen gehen, oder? Laufen ist deshalb eher eine unterstützende Funktion, aber kein zentraler Bestandteil. Laufbänder sind aktuell wahrscheinlich auch noch nicht präzise genug. Und außerdem: Wenn draußen nicht gerade starker Schneefall ist oder es stürmt, dann können die Leute einfach draußen laufen gehen. Das ist anders als beim Radfahren oder Rudern. Unser Ziel beim Rudern ist es deshalb, dieselbe Qualität an Funktionen und Features zu erreichen, die wir auch im Cycling-Bereich haben.

Wir arbeiten mit Verbänden und Organisationen zusammen, und dort sieht man, dass das Thema immer größer wird. Rudern draußen wird – ähnlich wie beim Outdoor-Cycling – zunehmend schwieriger. Und falls E-Sports irgendwann olympisch werden sollte, dann wäre Rudern definitiv ein Teil davon. Viele Verbände beschäftigen sich aktuell stark mit Talentförderungsprogrammen sowie virtuellen und hybriden Wettkampfformaten. Sie haben allerdings Schwierigkeiten, eine Plattform auf dem Niveau zu finden, das wir mit MyWhoosh im Cycling-Bereich bereits bieten. Deshalb sind wir dort eingestiegen und schauen jetzt, was wir in Zukunft gemeinsam entwickeln können.“

Rowing

Rudern ist nach Fahrradfahren und Laufen die dritte Sportart, die MyWhoosh implemnetiert.

Der Sunday Race Club: E-Sports für Jedermann

Der Sunday Race Club ist von Beginn an ein integraler Bestandteil bei MyWhoosh. Wöchentlich gibt es etliche Rennen, sogar mit Preisgeldern. Wie hat sich diese Rennserie über die Jahre entwickelt?

Matt Smithson: „Am Anfang waren das nur ein paar bestimmte Leute, die Rennen gefahren sind. Ursprünglich hieß das, glaube ich, der Friday Race Club, damals 2019 oder 2020, als das gestartet ist. Inzwischen hat sich das aber enorm ausgeweitet. Letztes Jahr hatten wir Teilnehmer aus, ich glaube, 54 Ländern – das war unser Rekord. Was ich wirklich großartig finde: Wir haben eine nahezu ausgeglichene Beteiligung zwischen Männern und Frauen. Die Zahl der Frauen liegt bei etwa 80 Prozent der Männerzahlen – und das kennt man aus dem Radsport normalerweise nicht, wie du weißt. Darauf sind wir wirklich stolz, und wir reden wahrscheinlich noch viel zu wenig darüber.

Mittlerweile haben wir jede Woche zwischen 600 und 800 Teilnehmer. Daraus sind unzählige Discord-Channel und Gruppenchats entstanden, und es hat sich eine richtige Community entwickelt. Wir haben außerdem sehr viel Arbeit in die Verifizierung gesteckt und auch in die Strecken und Rennformate. Die größte Herausforderung bei der Weiterentwicklung war aber wahrscheinlich die Kategorisierung. Denn heutzutage fahren viele Hobbyathleten teilweise schon 3,5 Watt pro Kilo – das Niveau ist also enorm gestiegen.“

Wurden deshalb auch die Race-Kategorien angepasst und breiter aufgestellt?

Matt Smithson: „Ja, wir haben zum Beispiel das Preisgeld bis auf die Top 10 erweitert. Außerdem haben wir die Preisgelder für die Frauen auf die Top 7 angepasst und zwei neue Kategorien eingeführt – ebenfalls mit Preisgeld. Dabei mussten wir vor allem viel an unserer Kategorisierung arbeiten, damit die Leute wissen, dass sie wirklich gegen Fahrerinnen und Fahrer auf ihrem eigenen Leistungsniveau antreten. Das ist wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben, und etwas, das meiner Meinung nach noch viel zu wenig Beachtung bekommt.

Wenn jemand seine Leistungswerte überschreitet oder absichtlich unter seiner eigentlichen Stärke fährt – also sogenanntes „Sandbagging“ betreibt – wird die Person einfach automatisch in die nächsthöhere Kategorie eingestuft. Dadurch weißt du, dass du gegen Leute mit ähnlicher Leistungsfähigkeit fährst und in der richtigen Kategorie bist. Und genau wegen dieser Fairness kommen die Leute immer wieder zurück.“

Für alle, die den Sunday Race Cup noch nicht kennen: Wer kann teilnehmen und wie läuft das Ganze ab?

Matt Smithson: „Im Grunde kann jeder teilnehmen, der einen MyWhoosh-Account hat. Man braucht allerdings einen Smart-Trainer mit Selbstkalibrierung. Das trifft heutzutage auf die meisten gängigen Geräte zu – also viele Produkte von Wahoo, Tacx Neo und natürlich die wichtigsten Modelle von Elite. Außerdem braucht man einen unterstützten Powermeter. Den haben mittlerweile die meisten ohnehin – egal ob Garmin- oder Favero-Pedale, Shimano oder Stages, all das funktioniert. Dann muss man einen sogenannten Power Passport Test absolvieren. Dieser Test erstellt eine Leistungsbasis für den Fahrer.

Dabei werden Dinge wie Spitzenleistung, Herzfrequenz und weitere Werte erfasst, um eine passende Kategorie festzulegen. Sobald das erledigt ist, kann man loslegen. Die ersten drei Rennen dienen dann zusätzlich zur Verifizierung. Diese Ergebnisse werden mit dem Power Passport abgeglichen. Danach wird man vollständig in unser Verifizierungs- und Kategorisierungssystem aufgenommen und kann regulär Rennen fahren. Und falls jemand bei irgendeinem Teil des Prozesses Schwierigkeiten hat, haben wir ein ganzes Team, das die Leute unterstützt und Schritt für Schritt durch alles begleitet. Wir wollen möglichst viele Menschen dazu bringen, Rennen zu fahren und um Preisgelder zu kämpfen.“

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1 Million Dollar pro Quartal: Der Preispool

Alle sprechen immer über den großen Preispool dieser Serie. Von welchen Zahlen sprechen wir genau?

Matt Smithson: „Ja – wir zahlen ungefähr eine Million US-Dollar pro Quartal aus. Das Preisgeld ist gleichmäßig zwischen Männern und Frauen verteilt. Der größte Anteil liegt natürlich in Kategorie 1, aber es reicht bis hinunter zu Kategorie 6. Die Preisgelder sind dabei gestaffelt. Wenn ich es richtig im Kopf habe, bekommt jede Kategorie etwa 60 Prozent des Preisgelds der jeweils höheren Kategorie. Damit wollen wir die Leute motivieren, sich weiterzuentwickeln und in höhere Klassen aufzusteigen. Das Team-Preisgeld wird immer im Finale vergeben – also in der letzten Woche des Monats. Dafür muss man zwei Rennen absolvieren.

Die Teams treten gegeneinander an wie in jedem klassischen Mannschaftswettbewerb: Die besten Zeiten zählen und das Team teilt sich anschließend das Preisgeld. Das läuft jetzt seit fünf oder sechs Jahren erfolgreich und wächst immer weiter. Es gibt tatsächlich Leute da draußen, die ihren Lebensunterhalt fast nur mit dem Sunday Race Club verdienen. Und selbst Leute wie ich – ich bin wirklich nur ein durchschnittlicher Radfahrer – können damit noch ein paar tausend Dollar im Jahr verdienen, einfach indem sie sonntags von irgendwo auf der Welt aus auf ihrem Smart Trainer Rennen fahren.

Die Frauenrennen gehen meistens über etwa 40 Kilometer, die Männer über ungefähr 55 Kilometer. Inzwischen haben wir verschiedene Rennvarianten: Manche Strecken sind flach, manche wellig und manche beinhalten sogar einen zehn Kilometer langen Anstieg. Und ehrlich gesagt: Diese Rennen sind brutal hart. Schwerer als jedes E-Race, das du je gefahren bist. Du musst wirklich mal eins ausprobieren. Ich versuche dir nichts zu verkaufen – aber man versteht erst, wie hart Indoor-Cycling wirklich sein kann, wenn man so ein Rennen gefahren ist. Und dann zieht es dich komplett rein. Dann spricht man plötzlich ständig über die Rennen.

Ich habe meine Frau drei Wochen lang nicht gesehen, und als wir wieder gesprochen haben, haben wir erst einmal zehn Minuten über den Sunday Race Club geredet – darüber, wer in welche Kategorie eingestuft wurde. Es wird einfach Teil deines Lebens. Aber auf eine gute Art – es macht wirklich Spaß.“

„In zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren wird man auf diese Zeit zurückblicken und sagen, dass wir die Pioniere dafür waren, wie Clubrennen in Zukunft organisiert werden.“

Pionierarbeit im E-Sport: Die Championships

2025 fanden wieder die MyWhoosh-Championships statt. Wie war die Resonanz darauf?

Matt Smithson: „Ja, die Championships dauern sieben Tage und wir sehen sie im Grunde als den Höhepunkt des E-Sports. Gleichzeitig betrachten wir das aber auch aus Sicht normaler Fahrerinnen und Fahrer. Nicht jeder kann die Tour de France fahren oder eine echte siebentägige Rundfahrt bestreiten. Wann bekommt man als Durchschnittssportler schon einmal die Möglichkeit, so etwas zu erleben? Deshalb sehen wir das als eine große Herausforderung für unsere Community. Die Strecken waren brutal hart. An manchen Tagen war ich selbst über drei Stunden unterwegs, nur um überhaupt ins Ziel zu kommen. Und das Interessante ist: In den ersten drei Tagen ist es vor allem ein Wettkampf.

Danach wird es plötzlich eines der unterstützendsten und gemeinschaftlichsten Events, das man erleben kann. Man baut Freundschaften auf – und darum geht es uns in erster Linie: die Community aufzubauen. Der zweite Punkt ist aber auch unsere Fähigkeit, ein Event dieser Größenordnung aufzubauen, zu organisieren und zuverlässig umzusetzen – und die Menschen zu belohnen, die mit uns fahren und Rennen bestreiten. Denn am Ende muss jemand die Führung im E-Sports-Bereich übernehmen. Und wir sehen es als unsere Aufgabe, dabei eine führende Rolle einzunehmen. Dafür braucht man ein absolutes Top-Event für die Community – und das sind für uns die Championships. Und auf Profi-Ebene sind es die UCI E-Sports World Championships.

Wenn wir diese beiden Ebenen erfolgreich abdecken, dann kann sich alles andere im E-Sports-Bereich darunter entwickeln. Ich sage immer: In zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren wird man auf diese Zeit zurückblicken und sagen, dass wir die Pioniere dafür waren, wie Clubrennen in Zukunft organisiert werden. Denn genau darauf läuft es hinaus – mit fortschreitender Technologie und immer schwierigeren Straßensperrungen für reale Rennen. Deshalb machen wir diese Events: um uns selbst zu testen, die Athleten herauszufordern, die Community aufzubauen. Es macht unglaublich viel Spaß – aber es ist auch eine brutal harte Woche.“

Wird es dieses Jahr wieder eine Championship-Woche geben?

Matt Smithson: „Ja, wir arbeiten aktuell an einigen Konzepten dafür. Wir testen gerade verschiedene Wertungssysteme. Bisher lief vieles zeitbasiert, möglicherweise wechseln wir aber zu einem Punktesystem. Das kann ich im Moment allerdings noch nicht fest zusagen. Die Strecken werden grundsätzlich ähnlich aufgebaut sein wie im letzten Jahr, allerdings haben wir inzwischen einige neue Welten, in denen wir die Rennen austragen können. Um ehrlich zu sein, wünsche ich mir bei dem Format vor allem Kontinuität – damit die Leute wissen, worauf sie sich einstellen können, ihre Daten besser vergleichen können und genau verstehen, was sie erwartet. Unser aktuelles Ziel ist aber auf jeden Fall, die Championships wieder stattfinden zu lassen.“

Garmin neo rolle

Das Rollentraining ist ganzjährig möglich, wetterunabhängig und vor allem: effektiv.

Anti-Doping und Fairness im Wohnzimmer

Wenn all diese Athletinnen und Athleten von zu Hause aus fahren – wo sie niemand kontrolliert – wie stellt man Fairness sicher?

Matt Smithson: „Darauf sind wir tatsächlich besonders stolz. Der erste wichtige Punkt ist die Kategorisierung, über die wir schon gesprochen haben. Das ist die Grundlage, die zuerst stimmen muss. Denn die Leute ärgern sich am meisten, wenn jemand stärker ist als die Kategorie, in der er eigentlich fahren sollte. Deshalb mussten wir dieses System zuerst richtig aufbauen – und das haben wir getan. Danach kommen zahlreiche Prüfmechanismen. Ich glaube, wir haben aktuell 27 verschiedene Tests, die wir durchführen. Dabei machen wir im Grunde zwei Dinge: Zum einen erstellen wir ein physiologisches Profil für jeden Fahrer.

Nehmen wir einen Fahrer X. Ich kenne seine Leistungswerte, seine erwartete Herzfrequenz bei bestimmten Wattzahlen, seine Erholungszeiten und wie oft er bestimmte Belastungen wiederholen kann. Wir kombinieren KI-Daten mit realen Leistungsdaten und erstellen daraus ein vollständiges physiologisches Profil des Fahrers. Zum anderen analysieren wir auch die Hardware selbst. Wir können zum Beispiel Abweichungen bei Powermetern und Smart Trainern messen und die Daten miteinander vergleichen. Dazu kommen Wiegeprozeduren vor den Rennen – bei Elitefahrern etwa 45 Minuten vor dem Event. Wir können außerdem Tretmuster und Pedaldynamiken analysieren.

Es gibt also viele Faktoren, mit denen wir mit einer statistischen Sicherheit von über 99 Prozent feststellen können, dass tatsächlich die richtige Person fährt und dass die Leistung zu den bekannten Fähigkeiten dieses Fahrers passt. Dadurch entsteht eine Art Basisprofil. Wenn jetzt dieser oder jener Fahrer nächste Woche plötzlich 30 Watt mehr fährt und dabei gleichzeitig fünf Schläge weniger Herzfrequenz hat, wissen wir sofort: Da stimmt etwas nicht – entweder mit der Hardware oder mit dem Fahrer selbst. Außerdem steht bei uns demnächst eine Art Gesichtserkennungstechnologie vor der Einführung. Und in den nächsten Wochen wird es dazu zwei große Ankündigungen geben, die das Ganze noch einmal auf ein neues Level bringen sollen.“

UCI Esports

Jason Osborne gewinnt zum dritten Mal nach 2020 und 24 die E-Sports-WM.


Anmerkung der Redaktion: Anti-Doping-Tests bei MyWhoosh MyWhoosh führt auf seiner Radsport-Esports-Plattform erstmals stichprobenartige Anti-Doping-Tests für virtuelle Rennen ein, um die Integrität und Fairness in Preisgeld-Events wie dem Sunday Race Club und der MyWhoosh Championship zu stärken. In Zusammenarbeit mit dem Dienstleister International Doping Tests & Management (IDTM) werden Fahrer künftig zufällig, anhand von Podiumsplatzierungen, Leistungsdaten oder gezielter Auswahl überprüft. Die Tests können vor, während oder nach Rennen angekündigt werden, und ausgewählte Athleten müssen bis zu drei Stunden nach dem Event für Urin-, Blut- oder Trockenbluttests zur Verfügung stehen. Bei Verstößen drohen Disqualifikation, Rückforderung von Preisgeldern oder Sperren. MyWhoosh betont, dass dieses neue System die bestehenden technischen Integritätskontrollen ergänzt und sich an den Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur orientiert, um professionellere und vertrauenswürdigere Wettbewerbsbedingungen im wachsenden E-Sport-Bereich zu schaffen.


Spezialisierung: Warum Indoor-Profis keine Outdoor-Profis sind

Verschwimmen die Grenzen zwischen klassischem Profi-Radsport draußen und Indoor-Cycling inzwischen immer mehr?

Matt Smithson: „Nein, ich glaube tatsächlich eher, dass sich die beiden Bereiche zunehmend auseinander entwickeln. Jason produziert heute deutlich mehr Leistung als damals, als er noch auf World- Tour-Niveau gefahren ist. Der Grund dafür ist folgender: Früher galt: Wer draußen gut Rad fährt, ist automatisch auch drinnen gut. Aber das hat sich inzwischen verändert – vor allem durch Preisgelder, den Sunday Race Club und die Weltmeisterschaften. Die Fahrer entwickeln mittlerweile ganz neue Wege, Leistung zu erzeugen. Jason fährt zum Beispiel einen Großteil seiner Rennen aus dem Sattel heraus bei ungefähr 60 Umdrehungen pro Minute. Dabei fährt er stärker über Drehmoment als über reine Leistung. So etwas kannst du draußen über eine Stunde kaum machen – dort hast du Wind, Körperbewegungen und all die anderen Faktoren des echten Straßenradsports.

Die Fahrer haben also gewissermaßen einen „Hack“ gefunden, mit dem sie über bestimmte Zeiträume mehr Leistung erzeugen können. Indoor brauchst du viele der explosiven Beschleunigungen und Rennsituationen draußen gar nicht. Deshalb haben die Athleten erkannt, dass Indoor-Racing viel stärker ein Drehmoment-Spiel ist. Dadurch erreichen sie heute über 20 Minuten Leistungswerte, die sie früher nie gefahren wären. Außerdem trainieren sie gezielt für einstündige Rennen – nicht für 10-, 15- oder 20-tägige Rundfahrten. Deshalb werden sie immer mehr zu Spezialisten. Wenn man sich zum Beispiel Kate McCarthy anschaut – unsere aktuelle Weltmeisterin – dann gehören ihre Leistungswerte wahrscheinlich zu den Top 10 weltweit.

Tatsächlich interessieren sich derzeit sogar zwei World-Tour-Teams für sie, weil sie kaum glauben können, welche Zahlen sie fährt. Historisch war es immer so, dass Fahrer drinnen geringere Leistungen erbracht haben als draußen. Aber diese Athleten verändern das gerade komplett. Sie optimieren Genetik, Training und Fahrstil speziell für Indoor-Wettkämpfe – und dadurch entfernen sich die beiden Disziplinen meiner Meinung nach eher voneinander.

Ich würde sogar sagen: Wenn man irgendeinen World-Tour-Profi einfach ohne spezielle Vorbereitung bei den Indoor-Weltmeisterschaften starten lassen würde, könnte er Jason wahrscheinlich nicht schlagen. Wenn du dir Fahrerinnen wie Kate McCarthy anschaust – sie ist etwa 56 Kilo leicht – sie haben sich einfach angepasst und herausgefunden, dass genau dieser Fahrstil der beste Weg ist, um im E-Sport oder Indoor-Cycling Ergebnisse zu erzielen. Das ist also kein Einzelfall, sondern eine generelle Entwicklung im gesamten Fahrerfeld.“

UCI E-Sports

DIe UCI-E-Sports WM 2025 fand in Abu Dhabi statt.

Partnerschaften: Peter Sagan & UAE Team Emirates

Wie wichtig sind Partnerschaften mit bekannten Werbeträgern, wie Peter Sagan?

Matt Smithson: „Ehrlich gesagt war die Zusammenarbeit mit Peter eine der besten Entscheidungen, die wir je getroffen haben. Wir mögen Peter sehr – er ist ein außergewöhnlicher Athlet und einfach eine großartige Persönlichkeit. Peter ist wirklich begeistert von dem Projekt. Und ich glaube, er sieht hinter all dem Hype und den oberflächlichen Dingen, wie viel ihm das Ganze bedeutet und wie sehr er es genießt, Teil davon zu sein. Für uns ist es sehr wichtig, in der Radsport-Community als echter Bestandteil wahrgenommen zu werden. Das ist einer der schwierigsten Punkte: diese Lücke zu schließen. Unsere Wettbewerber helfen dabei, die Szene insgesamt zu formen – und deshalb werden sie als Teil des Ökosystems gesehen. Wir wurden lange Zeit eher als Außenstehender betrachtet, und genau diese Lücke mussten wir überbrücken. Peter hat uns dabei enorm geholfen, weil er wirklich hinter dem Projekt steht. Auch das Sponsoring im Frauenbereich, zum Beispiel bei Teams wie UAE Team ADQ, war sehr wichtig.

Viele Fahrerinnen und Teams arbeiten inzwischen direkt mit uns, trainieren in unseren Labors und nutzen unsere Plattform. Teams wie UAE und andere wachsen seit mehreren Saisons und helfen uns dabei, die Marke weiter nach außen zu tragen. Natürlich geht es diesen Teams auch ums Gewinnen – sie sind absolute Top-Teams. Aber für uns ist der wichtigste Effekt, dass sie die Sichtbarkeit erhöhen. Trotzdem ist mein Hauptziel nicht, nur mit den größten Namen zu arbeiten. Es geht darum, eine Verbindung zum Alltagsradfahrer herzustellen. Wir wollen nicht elitär wirken. Die Zusammenarbeit mit UAE ist großartig, aber noch wichtiger ist, dass sich normale Fahrerinnen und Fahrer angesprochen fühlen und sich als Teil unserer Plattform und unserer Entwicklung sehen. Und genau das schaffen Persönlichkeiten wie Peter Sagan sehr gut.“

Das Geschäftsmodell: Warum ist MyWhoosh kostenlos?

Wird MyWhoosh langfristig kostenlos bleiben? Und was ist das Geschäftsmodell?

Matt Smithson: „Ja, auf jeden Fall – MyWhoosh wird kostenlos bleiben. Der Kern der Plattform – also Workouts, Rennen und freie Fahrten – wird immer kostenlos bleiben. Das ist sicher. In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass manche Nutzer auch bereit waren, für bestimmte Challenges etwa 10 US-Dollar zu bezahlen. Außerdem arbeiten wir gerade an neuen Coaching-Funktionen, die wahrscheinlich ein kleines Abonnement-Modell beinhalten werden. Aber die Hauptfunktionen, die die meisten Menschen nutzen, bleiben kostenlos. Gleichzeitig entwickeln wir uns stärker in Richtung eines B2B-Modells. Wir sprechen zum Beispiel mit verschiedenen Ländern über das Thema Radtourismus.

Aktuell sind wir mit drei Ländern in Gesprächen, die eigene virtuelle Welten in MyWhoosh entwickeln wollen, um damit den realen Fahrradtourismus zu fördern. Das ist ein wichtiger Einnahmezweig für uns. Außerdem arbeiten wir mit Automobilherstellern zusammen, um deren Produkte im Spiel abzubilden. Autos können im Spiel zum Beispiel Fahrten oder Events begleiten und dabei bestimmte Funktionen übernehmen. Ein großer Teil unseres Geschäftsmodells basiert also auf solchen B2B-Partnerschaften. Und genau das ermöglicht es uns, die Plattform weiterhin kostenlos für alle Nutzer zu betreiben.“

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Die MyWhoosh-Welt vereint Virtualität mit realistischer Fahrpyhsik.

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