KEEGO hat die Produktion wieder aufgenommen
Österreichischer Titanflaschen-Hersteller produziert wieder
in Allgemein
Ende Juli 2024 kam es beim österreichischen Hersteller quetschbarer Titan-Trinkflaschen zu einem Brand in der Produktionsstätte. Ein Mitarbeiter konnte das Feuer zwar recht schnell löschen, sodass niemand verletzt wurde. Doch die Anlage wurde so stark beschädigt, dass es zu einem Produktionsstopp kam.
Wir berichteten hierüber breits vor einigen Monaten. Mittlerweile hat KEEGO die Produktion wieder aufgenommen und kehrt Schritt für Schritt zur vollen Sortimentsverfügbarkeit zurück.

Wir haben das Wiener Unternehmen zu den Hintergründen, zur aktuellen Situation und den zukünftigen Zielen befragt und von Lukas Angst, dem KEEGO-Gründer, ausführliche Antworten bekommen.
RennRad: Seit wann produziert KEEGO wieder?
Lukas Angst: Kurz vor Weihnachten lief die Produktion wieder an – auf einer komplett neu aufgebauten Maschine. Im Sommer 2024 hatte ein Kurzschluss einen Brand in der Produktionshalle unseres Partners ausgelöst. Auch unsere eigene Maschine wurde dabei vollständig zerstört. Wir standen zunächst vor einem riesigen Fragezeichen.
Es war völlig unklar, ob es Monate oder ein ganzes Jahr dauern würde, bis wir wieder produzieren können. Doch unser Partner legte eine beeindruckende Aufholjagd hin. Bis März war es ein schrittweises Hochfahren, seitdem nimmt die Maschine wieder Tempo auf. Eine Leistung, auf die wir gemeinsam sehr stolz sind.

RennRad: Wie habt Ihr das Problem letztendlich lösen können?
Lukas Angst: Der Wiederaufbau der Produktionsanlage wurde durch die Versicherung gedeckt – der Betriebs- und Umsatzverlust hingegen nicht. Umso wichtiger war es, effizient zu wirtschaften, flexibel zu planen und vor allem zusammenzuhalten. Entlassungen konnten wir vermeiden, doch wirtschaftlich war es eine enorm angespannte Phase.
Wichtige Unterstützung kam dabei auch aus der Community: Der Verkauf von Support-Packages hat uns im Vorverkauf nicht nur finanziell geholfen, sondern war auch ein starkes Zeichen des Vertrauens und der Solidarität und vor allem auch moralisch ein enormer Anker.
Zu sehen, wie viele Menschen bereit waren, uns in dieser schwierigen Zeit aktiv zu unterstützen, war ein starkes Zeichen des Vertrauens und der Solidarität – Danke dafür!

RennRad: Sind mittlerweile wieder alle Flaschen bestellbar?
Lukas Angst: Schritt für Schritt kehren wir zur vollen Sortimentsverfügbarkeit zurück: Unsere klassische 750-Milliliter-Flasche – für viele das Herzstück – ist bereits seit einigen Monaten wieder in allen Farben lieferbar, aktuell auch in der neuen Limited Edition „Moving Sand“ lieferbar.
Kurz darauf konnten wir auch das beliebte KEEGO X Fidlock Twist Bundle wieder produzieren, das wir seit zwei Monaten kontinuierlich an Fidlock liefern – die Nachfrage ist dabei so hoch, dass selbst wir derzeit nur begrenzt Zugriff haben und es immer wieder zu Wartezeiten kommt.
Aktuell erfolgt ein weiterer wichtiger Schritt: Die 500-Milliliter-Flasche ist zurück – inklusive frischer Farben. Ideal für kleinere Rahmen, kürzere Distanzen oder den sportlichen Nachwuchs. Damit sind wir fast nahezu mit dem gesamten Sortiment wieder am Markt präsent.

RennRad: Hat sich jetzt in Bezug auf die Produktion bei euch etwas verändert?
Lukas Angst: Ja – und das in vielerlei Hinsicht. Der Produktionsausfall war ein Einschnitt, aber auch ein Wendepunkt. Wir haben gemeinsam mit unserem Partner nicht nur die Anlage neu aufgebaut, sondern auch neue Standards gesetzt: für Planungssicherheit, Belastbarkeit und Zukunftsfähigkeit.
Schon lange arbeiten wir daran, unsere Kapazitäten zu erweitern – nun werden konkrete Schritte möglich: Unser Anlagenbauer, bisher voll ausgelastet in anderen Industrien, hat sich entschlossen, mit uns eine zweite Maschine zu realisieren. Damit schaffen wir die Grundlage für mehr Flexibilität, schnellere Lieferfähigkeit und langfristige Stabilität.

RennRad: Welche Auswirkungen hatte der Produktionsausfall – und wie habt ihr diese Zeit überstanden?
Lukas Angst: Die Monate nach dem Brand waren intensiv – aber sie haben uns als Team, Marke und Unternehmen stärker gemacht. Wir haben gespürt, wie viel Rückhalt wir in unserer Community haben.
Menschen haben Flaschen mit ungewissem Lieferdatum bestellt, motivierende Nachrichten geschickt und uns daran erinnert, wofür wir KEEGO überhaupt gegründet haben: Qualität, Verantwortung, Nachhaltigkeit. Finanziell sind wir unabhängig geblieben mit dem Wissen, dass wir auch solche schwierigen Phasen überstehen können, wenn wir unseren Werten treu bleiben.
Auch intern hat sich viel bewegt: Wir haben Strukturen angepasst, Prozesse gestrafft und neue Partnerschaften geknüpft. Dass unser langjähriger Maschinenbauer sich nun offen zeigt für den Bau einer zweiten Produktionslinie, ist für uns nicht nur ein Meilenstein – es ist der beste Beweis dafür, dass aus Krisen neue Chancen entstehen.

RennRad: Welche Ziele hat KEEGO für die Zukunft? Wie geht es weiter?
Lukas Angst: Unsere Vision bleibt: Mehr aktiven Menschen sauberes Trinken im Sport zu ermöglichen – ohne Plastikgeschmack, ohne Mikroplastik, Schadstoffe und ohne Kompromisse.
Die Erkenntnisse vor allem bei den wiederverwendbaren Plastikflaschen in Zusammenhang mit hunderten unbekannten Stoffen, die ins Wasser gelangen, sind erdrückend. Mit jedem neuen Artikel in der Presse dazu steigt bei uns gefühlt die Nachfrage.
Dabei merken wir, dass das Interesse weit über den Radsport hinausgeht: Outdoor-Enthusiasten, Fitness-Fans, Teamsportler, Eltern – sie alle entdecken KEEGO für sich.
Mit der neuen Maschine und wachsenden Kapazitäten wollen wir neben Deutschland und Österreich auch neue Märkte erschließen – etwa Belgien und die Niederlande. Gleichzeitig bleiben wir unabhängig, aber offen für Partnerschaften, wenn sie unsere Werte teilen. Die Reise geht weiter – mit viel Rückenwind, aber auch dem Bewusstsein, was wir alles schon geschafft haben.

Informationen zum Titanflaschen-Hersteller Keego
Jahrzehntelang hatte man beim Sport die Wahl zwischen zwei Flaschentypen: leicht und quetschbar aus Plastik – oder stabil, aber schwer aus Metall. Dass beides geht, zeigte erst KEEGO. Der Gründer Lukas Angst entwickelte eine innovative Squeeze-Flasche mit Titan-Innenleben – flexibel wie Plastik, aber ohne dessen Nachteile.
Eine Idee, die zunächst von Vielen belächelt wurde. Heute begeistert sie nicht nur Radsportprofis, sondern eine große wachsende Community gesundheits- und nachhaltigkeitsbewusster Menschen.

Ein Materialmix, der den Unterschied macht
Die KEEGO-Flasche sieht aus wie ein klassisches Sportgebinde, hat es aber in sich: Innen sorgt eine Titanschicht dafür, dass das Wasser nicht mit Kunststoffen oder deren Rückständen in Kontakt kommt.
Außen besteht die Flasche aus elastischem Kunststoff, wodurch sie sich – ganz wie klassische Squeeze-Bottles – zusammendrücken lässt. „Bei herkömmlichen Plastikflaschen gelangen Weichmacher, Mikroplastik und andere schädliche Chemikalien ins Getränk. Auch der typische Plastikgeschmack – den kennt jeder und hat ihn irgendwann hingenommen, da es keine Lösung gab“, so Lukas Angst.

Ein Produkt, zwei Herausforderungen
2018 gründete der gebürtige Schweizer KEEGO in Wien. Der Anspruch: ein besseres Produkt und ein neues Bewusstsein für Qualität. Doch die Umsetzung war alles andere als einfach. „Mit so vielen Strapazen habe ich nicht gerechnet“, sagt Angst heute mit einem schmalen Lächeln. Denn er musste nicht nur die technische Umsetzung stemmen, sondern auch einen Markt überzeugen, der seit Jahrzehnten an Plastik gewöhnt war.
Die ersten Schritte finanzierte er über Crowdfunding – das Interesse war da, die Umsetzung fordernd. Die Entwicklung dauerte länger als geplant, die eigens konstruierte Produktionsmaschine kam zu spät, Lieferketten waren zäh.
Doch mit dem Sommer 2019 kamen erste Messeauftritte, Auszeichnungen und der Handel wurde aufmerksam. Dann kam Corona – und die nächste Bremse: abgesagte Deals und Partnerschaften. Heute ist Angst froh darüber. KEEGO blieb unabhängig.

Produktion in Europa, Nähe zum Markt
Statt auf Fernost setzt KEEGO auf kurze Wege und die lokale Produktion zu fairen Bedingungen: Produziert wird die Kunststoffhülle in Deutschland, die Titanbeschichtung kommt aus Dänemark. Transparenz, Effizienz und Nähe zum Kunden sind zentrale Prinzipien – China sei kein Thema, betont Angst.
Mit dem Outdoor- und Bike-Boom nach der Pandemie kam der Durchbruch: „Nach Corona fing es an, richtig gut zu laufen. Die Early Adopters empfahlen uns begeistert weiter – die Nachfrage ging durch die Decke“, so der Gründer.

Radsport als Katalysator
Auch wenn es Kooperationen mit Fußballvereinen und erste Projekte mit Red Bull gab – die größte Resonanz kam klar aus dem Radsport. Dort wurde KEEGO früh von namhaften Athleten genutzt und empfohlen: Christoph Strasser, vielfacher Langstreckenmeister, war von Anfang an dabei.
Philipp Kaider gewann mit KEEGO-Flaschen das legendäre Race Across America. Auch Kai Pflaume nutzt sie regelmäßig. Kürzlich kam sogar eine Sonderedition-Anfrage von Mathieu van der Poel, dem siebenfachen Weltmeister und niederländischen Radsporthelden. Mit dem VERGE VICC Women Racing Team und dem Radleistungsmodell Wien unterstützt KEEGO gezielt den Frauen- und Nachwuchsradsport – und setzt dabei auch ein Zeichen und Best Practice Beispiel hinsichtilich Ressourcenschonung.
Nur sechs Flaschen pro Fahrerin reichen für eine ganze Saison! Bei WorldTour-Teams sind es 45.000 pro Team und 1500 pro Fahrer in nur einem Jahr.

Von der Straße ins Leben: Multi-Use wächst
Was im Radsport begann, wächst längst über die Szene hinaus: Immer mehr Menschen nutzen KEEGO im Alltag – beim Training, im Büro, auf Reisen oder als gesunde Alternative für ihre Kinder. Die Vorteile liegen auf der Hand: langlebig, gesund, geschmacksneutral – und eine Flasche für alles. „Der Wunsch nach Qualität und Nachhaltigkeit nimmt zu. Wer weniger kauft und öfter nutzt, spart langfristig Geld – und lebt bewusster“, sagt Angst. Der Radsport bleibt das Zentrum – aber der Horizont weitet sich.
Bei richtiger Pflege hält eine KEEGO-Flasche im Schnitt fünfmal so lange wie herkömmliche Kunststoffflaschen – das ergab eine große Umfrage unter den Kunden. Jede längere Nutzung spart nicht nur vier mal weitere Herstellungsenergie, Verpackungsmaterial und Transportemissionen und schließlich auch den viermaligen Kauf einer neuen Flasche, sondern reduziert auch den Kontakt mit hunderten potenziell schädlichen Chemikalien.

Wachsen am Limit
2023 verkaufte KEEGO rund 40.000 Flaschen, 2024 waren es schon 70.000. Doch das Wachstum stieß an Grenzen: „Wir konnten die Produktion nicht einfach hochdrehen. Es fehlte an Fachkräften in den deutschen Werken und unsere Maschine in Dänemark lief auf Anschlag“, erklärt Angst.
Der Tiefpunkt im Sommer 2024
Ein Brand, ausgelöst durch einen Kurzschluss, zerstörte die Produktionshalle in Dänemark. „Wir wussten nicht, ob es fünf Monate oder ein Jahr dauern würde“, erinnert sich Angst. Die Reaktionen reichten von ungeduldig bis solidarisch. „Viele Kunden haben Flaschen mit einem ungewissen Lieferdatum bestellt – einfach, um uns zu unterstützen. Andere waren richtig verzweifelt, weil sie nicht wieder auf Plastik zurückgreifen wollten.“
Wiederanlauf und Weitblick
Kurz vor Weihnachten lief die Produktion wieder an. Zum Jahresende wird eine zweite KEEGO-Maschine in Betrieb genommen – ein Meilenstein. Der Fokus liegt nun auf dem Kapazitätsausbau, erste Expansionsschritte nach Belgien und in die Niederlande sind geplant. Bis heute ist das Unternehmen eigenfinanziert, doch Angst ist offen für Investoren: „Wenn es passt – und die Vision geteilt wird.“
