Fingerprint Cycling Sattel
Sattel auf Maß aus dem 3D-Drucker: Der FPS Road+ von Fingerprint Cycling

Im Test: Individueller 3D-Druck-Sattel FPS Road+ von Fingerprint Cycling

Sattel auf Maß aus dem 3D-Drucker: Der FPS Road+ von Fingerprint Cycling

Komfort ohne Druck- und Scheuerstellen – das soll der maßgefertigte 3D-Druck-Sattel FPS Road+ von Fingerprint Cycling bieten. Alle Hintergründe zur Idee, zum Bestell- und Fertigungsprozess und der Praxis-Test:
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Der Sattel: Das individuellste Bauteil am Rad

Der Sattel ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine – und das individuellste Bauteil eines Fahrrads. Im Idealfall nimmt man ihn kaum wahr. Im schlechtesten Fall verursacht er Druckstellen, Taubheitsgefühle und Schmerzen.

Nahezu alle Hersteller bieten Modelle für unterschiedliche Einsatzzwecke und Anatomien an: lang oder kurz, mit oder ohne Aussparung, in verschiedenen Breiten sowie mit unterschiedlichen Polsterungen und Oberflächen. Noch weiter gehen Anbieter maßgefertigter Sättel. Ihr Versprechen: ein Sattel, der exakt zur Anatomie, Fahrweise, Sitzposition des Fahrers und zum Fahrrad und dessen Einsatzzweck passt.

Die Idee

Fingerprint Cycling ist ein noch recht junges Unternehmen aus dem Saarland. Der Gründer Clemens Schwöbel, ehemaliger Leistungssportler und Sohn eines Fahrradhändlers, experimentierte bereits während seines Maschinenbaustudiums mit den Möglichkeiten des additiven 3D-Drucks.

Aus ersten Prototypen für den Eigenbedarf und den Freundeskreis entstand die Idee, individuelle Sättel für Rennradfahrer, Graveller, Mountainbiker, Tourenfahrer und Pendler anzubieten.

Der Vorteil des 3D-Drucks gegenüber klassischen Schaumstoffkonstruktionen: Die Form und Dämpfungseigenschaften lassen sich präzise definieren und gezielt in einzelnen Sattelzonen umsetzen.

Team

Das Team von Fingerprint Cycling

Die Fertigung im 3D-Druck-Verfahren.

Ausstellungsstück

Der FPS Road+

Der Bestellvorgang

Die Herstellung eines individuellen 3D-Sattels ist aufwendig. Der Bestellprozess hingegen nicht. Im Onlineshop unter www.fingerprint-cycling.com führt ein übersichtlicher Konfigurator Schritt für Schritt durch die Auswahl.

Zunächst legt man den Einsatzbereich fest: Road, Offroad oder Touring. Anschließend folgen Material und Oberfläche des Sattels sowie die Dekorfarben. Optional lassen sich Halterungen, etwa für Ansteckrücklichter, ergänzen. Auch individuelle Prägungen lassen sich durch das Druckverfahren in der Satteldecke abbilden.

Im nächsten Schritt verschickt der Hersteller kostenlos ein Set mit zwei Memoryschaum-Platten und einer bebilderten Anleitung. Die Platten dienen dazu, einen individuellen Gesäßabdruck anzufertigen – insbesondere zur Ermittlung der individuellen Sitzknochenposition.

Dafür legt man die erste Platte auf eine feste, ebene Unterlage in etwa Stuhlhöhe und setzt sich aufrecht darauf. Mit der zweiten Platte wiederholt man den Vorgang. Diesmal zieht man sich aktiv mit den Händen an der Sitzkante nach unten, um einen tieferen Abdruck zu erzeugen.

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Anschließend gehen beide Platten zurück zum Hersteller im Saarland. Zusätzlich füllt der Kunde einen Online-Fragebogen aus. Fingerprint Cycling erfasst darin Parameter wie etwa die Körpermaße, bisherige Beschwerden, den bevorzugten Fahrradtyp und das individuelle Fahrprofil.

Beim Hersteller werden die Sitzabdrücke digital erfasst und gemeinsam mit den Angaben aus dem Fragebogen ausgewertet. Auf dieser Basis entsteht in Handarbeit der maßgefertigte Sattel – inklusive spezifischer Druckentlastungs- und Sitzknochenzonen. Die Lieferzeit beträgt rund zwei bis drei Wochen.

Kit

Das Paket enthält zwei Schaumplatten und die Anleitung.

Abdruck

Die Erstellung der Abdrücke dauert keine fünf Minuten.

Abdruck fertig

Zurück bleibt der individuelle Gesäßabdruck.

 

Die Konstruktion

Der FPS-ROAD+ ist das Top-Modell für den Straßeneinsatz von Fingerprint Cycling. Das Modell wurde in diesem Jahr beim Cyclingworld Award 2026 in Düsseldorf mit dem Silver Award in der Kategorie „Parts, Components & Technology“ ausgezeichnet.

Es basiert auf einer modularen Plattform mit einem Dreischalenkonzept. Die belastungsgetestete Unterschale übernimmt die Kraftübertragung und ist mit dem Gestell verschraubt. Beides besteht bei unserem Testmodell aus sehr hochwertig verarbeitetem Carbon. Alternativ sind eine Schale aus carbonverstärktem Polyamid sowie Rails aus Stahl oder Titan erhältlich.

Die 3D-gedruckte TPU-Sitzschicht ist das „Herzstück“ des Sattels und wird für jedes Modell individuell konstruiert. Das Besondere: Die Oberfläche ist geschlossen. Laut Hersteller soll dies den Druck gleichmäßiger verteilen, lokale Lastspitzen reduzieren und die Robustheit erhöhen.

Ein positiver Nebeneffekt: Die Mikrostruktur der Oberfläche bietet einen spürbaren Anti-Rutsch-Effekt. Optisch erinnert sie an Alcantara und wirkt sehr hochwertig. Zusätzlich arbeitet Fingerprint Cycling eine Rippenstruktur an den Seiten und an der Nase ein, die zusätzlichen Halt bieten soll.

modul

Der FPS Road+ ist modular aufgebaut.

Das Material der Satteldecke ist ebenso konfigurierbar ...

wie das Material der Sattelschale und der Rails.

In der Seitenansicht zeigt sich die individuelle Formgebung.

Die fein strukturierte Satteloberfläche bietet viel Grip.

Der erste Eindruck

Wir testeten den FPS-ROAD+ über mehrere Monate und rund 2.800 Kilometer – bei Feierabendrunden, im Training und bei Ultracycling-Events. Dabei kam das Modell auf verschiedenen Race- und Endurance-Bikes von BMC, Leeze, Bixs und Canyon zum Einsatz.

Wichtig ist bei der Erstmontage, die individuelle Sitzhöhe anzupassen. Mitunter baut der FPS-ROAD+ etwas höher oder tiefer als das bislang verwendete Sattelmodell. Ebenso entscheidend sind die Position in der Relation zum Tretlager sowie die Sattelneigung.

Während der ersten Testfahrten dominierte das Gefühl einer sehr gleichmäßigen Druckverteilung im Bereich der Sitzknochen. In aggressiveren Fahrpositionen profitiert man von der nach vorne abfallenden Nase sowie der guten Führung im Heckbereich. Im Verlauf des Tests neigten wir die Front noch etwas stärker nach unten – eine sehr individuelle Entscheidung. Fingerprint Cycling selbst spricht von einer Eingewöhnungszeit von fünf bis sechs Fahrten, bis sich insbesondere die Körperstrukturen an den Sattel angepasst haben.

Die große Mittenaussparung entlastet den Dammbereich unseres Testers spürbar. Auch bei vereinzelten Regenfahrten erwies sich die mikrostrukturierte Oberfläche als rutschfest und robust. Unser Tester bevorzugt grundsätzlich dünner gepolsterte Bibshorts, auch auf Langstrecken. Hier überzeugte die 3D-gedruckte Sitzschicht des FPS-ROAD+ mit einer sehr guten Druckentlastung beziehungsweise -verteilung sowie einer spürbaren Vibrationsdämpfung auf teils ruppigem Untergrund.

Wir testeten den FPS Road+ auf diversen Rädern.

Etwa auf dem neuen Canyon Endurace CFR.

Während hunderter Trainingskilometer.

Aber auch bei Ultracycling-Events wie die "Elbspitze" .

Von Dresden bis in die Dolomiten.

Der Härtetest

Der Härtetest erfolgte Anfang Juli beim Ultracycling-Event „Elbspitze“ von Dresden bis in die Dolomiten. Dabei absolvierten wir mit dem Fingerprint-Sattel mehr als 700 Kilometer, 8.000 Höhenmeter und rund 30 Stunden Fahrzeit am Stück – unterbrochen von nur wenigen Pausen.

Während wir bei früheren Langstreckenfahrten häufig mit Druck- und Scheuerstellen zu kämpfen hatten, blieben diese diesmal vollständig aus. Besonders bei langen Anstiegen profitiert man von der gleichmäßigen Abstützung der Sitzknochen, was die Kraftübertragung subjektiv positiv beeinflusst.

FPS Road+ –  Stärken und Schwächen

+ Dauerkomfort
+ Druckentlastung und -verteilung
+ Konstruktion
+ Modularer Aufbau
– Preis beim Top-Modell

Das Fazit

459 Euro sind viel Geld für einen Sattel. Die Preise starten, je nach der Ausstattung, bei 299 Euro. Gleichzeitig relativiert sich der Preis, wenn man bedenkt, wie viele Stunden man pro Jahr im Sattel verbringt. Gerade Fahrer, die regelmäßig unter Sitzbeschwerden leiden, könnten in einem maßgefertigten Modell endlich fündig werden.

Für den FPS Road+ spricht zudem seine Nachhaltigkeit und die gute Beratung. Der modulare Aufbau ermöglicht den Austausch einzelner Komponenten, sollte dies erforderlich sein. Darüber hinaus bietet Fingerprint Cycling eine 60-Tage-Zufriedenheitsgarantie sowie eine kostenlose Überarbeitung des Sattels an.

Weitere Informationen zum FPS Road+ und zu Fingerprint-Cycling bietet die Website des Herstellers, hier.

 

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