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Florian Lipowitz: Der Newcomer bei der Deutschland Tour

Der Aufsteiger

Florian Lipowitz: Der Newcomer bei der Deutschland Tour

Bei der Deutschland Tour präsentierte sich Deutschlands neuer Radstar, der Schwabe Florian Lipowitz, der mit seinem dritten Platz bei der Tour de France für eine neue Radsport-Euphorie hierzulande sorgte.
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Spätestens seit der Deutschland Tour hat Florian Lipowitz begriffen, was er im Juli geleistet hat. „Lipo“ wie sie ihn nennen, war in jedem Etappenort der nationalen Rundfahrt der Superstar.

Überall kreischten die Fans, kämpften um ein Autogramm, buhlten um ein Selfie mit dem neuen deutschen Radstar. Aber genau das will Florian Lipowitz eigentlich gar nicht sein. Der 24-Jährige stammt aus dem beschaulichen Laichingen, nahe Ulm in Baden-Württemberg. Dort ist auch seine Freundin Antonia zu Hause, eine Mountainbikerin. Mit ihr zog er sich nach der Tour de France erst einmal zurück, um wieder zur Ruhe zu kommen und dem Rummel zu entfliehen. Am liebsten ist er ohnehin in seiner Wahlheimat Seefeld in Tirol, wo er ein ideales Trainigsgelände findet.

Quereinstieg & Entwicklung

Florian Lipowitz ist ein Quereinsteiger. Sein Aufstieg in den vergangenen Jahren war ungewöhnlich. Eigentlich hatte er sich dem Biathlon verschrieben, feierte als Juniorensportler schon größere Erfolge, war Mitglied der Nationalmannschaft und Schüler des Skigymnasiums in Stams, dort wo viele österreichische Skistars ihre Schulzeit absolvieren.

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Erste nationale Titel verspachen eine große Karriere. Dann aber bekam er Knieprobleme: Eine entzündete Wachstumsfuge und ein Kreuzbandriss machten so große Probleme, dass er seine Skikarriere beenden musste. Das Radfahren, zunächst als Rehabilitations-Maßnahme gedacht, wurde zu seiner neuen Passion, eine Leidenschaft, die ihn bereits als Jugendlicher begeisterte, wenn er mit seinem Vater an Radmarathons teilnahm.

Vor nicht einmal sechs Jahren traf er zum ersten Mal Ralph Denk, den Chef des deutschen Rennstalls. Der lud ihn nach Raubling ein. Lipowitz setzte sich also auf sein Rad, fuhr die mehr als 100 Kilometer lange Strecke in die Team-Zentrale und erkundigte sich, wie man denn wohl Radprofi werden könne. Als Denk ihn nach dem Gespräch fragte, wie er denn nach Hause käme, meinte Lipowitz wie selbstverständlich: mit dem Rad.

Und so fuhr er die mehr als 100 Kilometer wieder zurück – mitten im Winter. Ralph Denk imponierte das – und er brachte den jungen Sportler zunächst beim Team KTM-Tirol unter. Dann kam der Wechsel zu Red Bull-Bora-Hansgrohe, wo man ihn behutsam aufbauen wollte. In diesem Jahr sollte sein Schwerpunkt wieder auf der Vuelta liegen. Dort belegte er im vergangenen Jahr bei seiner Premiere einen vielbeachteten siebten Rang.

Dauphiné & Tour de France

Aber dann kam alles anders. Die Saison verlief bis zur Tour de France dermaßen erfolgreich, dass sein Platz im Tour-Kader außer Frage stand. Platz zwei bei Paris-Nizza und Gewinner des Weißen Trikots, und Rang drei bei der Dauphiné hinter Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard, Denk konte ihn gar nicht zu Hause lassen und nominierte ihn für die Tour.

Dort zeigte er von Beginn an seine Klasse. Aber auch nach den ersten Pyrenäen-Etappen zeigte er sich zurückhaltend: „Ich bin hier ohne Erwartungen angereist. Das ist meine zweite Grand Tour, und ich fahre erst seit fünfeinhalb Jahren Radrennen. Wenn mir das damals einer gesagt hätte, hätte ich es nicht geglaubt.“

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Als man ihm am Abend des 27. Juli 2025 als Gewinner der Nachwuchswertung in Paris das Weiße Trikot endgültig überstreifte, da war ihm wohl noch nicht bewusst, was er da geschafft hatte. Dritter des Gesamtklassements – hinter den beiden „Überfahrern“ Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard. Der letzte Deutsche, der in Paris das Podest erklomm, war 2006 Andreas Klöden als Gesamtzweiter.

Fast 20 lange Jahre mussten die deutschen Fans auf diesen Moment warten. Das weiße Trikot hatten vor ihm nur Dietrich Thurau, 1977, und Jan Ullrich, 1996, 1997, 1998, gewonnen. Dies zeigt sehr deutlich, in welche Liga sich der junge Deutsche in den drei Wochen in Frankreich, aber bereits mit seinen Leistungen davor, katapultiert hat.

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„Ich denke, wir werden noch viel von ihm in den nächsten Tagen und Jahren sehen“, sagte Tadej Pogačar nach der Schlussetappe. Nach der Deutschland Tour wird Florian Lipowitz im Herbst noch einige wenige Rennen bestreiten, um dann in die Winterpause zu gehen. Wie die Saison 2026 verlaufen wird, wenn er zusammen mit dem Superstar Remco Evenepoel im selben Team fahren wird, liegt in der Verantwortung der sportlichen Leitung seines Rennstalls. Dies wird eine der spannendsten Fragen des Profi-Radsports.

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