Fuga 300 - Die Strecke. Grafik: Martin Kaumanns/diebrueder.com
Fuga 300

Fuga 300: Vom Gletscher ans Meer

300er für Jedermann

300 Kilometer an einem Tag – für viele Rennradfahrer ein Mythos, ein Traum. Bei der Fuga 300 kann man ihn verwirklichen. Vom Gletscher in Österreich ans italienische Mittelmeer. Neun Stunden auf dem Rennrad, überwiegend bergab.
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Es ist sieben Uhr morgens, an einem Samstag Ende Juni. Am Gletscher ist es kalt, die Radsportler sind eingepackt wie Skifahrer. Dicke Handschuhe, Mütze unter dem Helm, Überschuhe und warme Jacken. Sie stehen auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, auf 2369 Metern über dem Meer. Sie sind nicht einfach nur 2369 Meter über irgendeinem Meer, sondern: über der Adria, ihrem Ziel. Hier werden sie heute noch ankommen, in kurzen Hosen, sie werden barfuß im Wasser der Lagune stehen. Nach 300 Kilometern – mit dem Rennrad. Vom Gletscher ans Mittelmeer, an einem Tag.

Der Traum vom „Dreihunderter“

Der Traum vom „Dreihunderter“ ist für viele Radsportler einer, der nicht in Erfüllung geht. Weil immer etwas dazwischen kommt, weil die Form nicht ausreicht, weil man keine Mitstreiter findet. Einmal muss es dann aber doch sein. Und zwar nicht irgendwo, nicht irgendwie. Wenn, dann schon richtig. Vom Gletscher zum Meer – eine würdige Strecke für einen „300er“, und eine, die vor allem bergab führt. Ein Start nahe des höchsten Punktes Österreichs, für einen Höhepunkt im Radsportlerleben.

Ans Meer

Es beginnt früh, es beginnt kalt, es beginnt hoch. Es beginnt mit einer langen Abfahrt. Am Großglockner, dem höchsten Berg der Alpenrepublik, liegt die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Und von dort geht es erst einmal bergab. Es ist eine Flucht, italienisch „fuga“, eine Flucht aus der Kälte, eine Flucht aus der Höhe. Eine Flucht zurück in die Wärme des Sommers, eine Flucht ans Meer. Eine Flucht mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 Kilometern pro Stunde, eine Flucht nach vorne. Eine Flucht vor jedem der 300 Kilometer des Tages.

Durch drei Länder

Die Flucht bedeutet auch: Neun Stunden Nettofahrzeit bis zur Ankunft in Grado, an der Adriaküste. 1383 Höhenmeter bergauf hat der Rad-Computer dann aufgezeichnet – das ist nicht wenig, aber deutlich höher ist die Zahl der negativen Differenz: 3754 Meter. Grob gesagt: die ersten 150 Kilometer geht es fast nur bergab. Nach 100 Kilometern in südöstlicher Richtung geht es vorbei am Millstätter See. Nach 155 Kilometern sind auch Villach und Finkenstein am Faaker See passiert. Dann geht es bergauf, und es geht aus Österreich heraus. Zum ersten Mal führt die Strecke nach Italien, nach Tarvisio. Es geht durch die Julischen Alpen, den Passo del Predil hinauf. Vor dem Scheitelpunkt blicken wir auf den Lago di Predil, oben wartet die Grenze zu Slowenien. Mit 1156 Metern ist das nach dem Start am Gletscher der zweithöchste Punkt der Runde. Den muss man sich erarbeiten, denn auf den letzten drei Kilometern gehen die Steigungsprozente an einigen Stellen in den zweistelligen Bereich.

Fuga 300 - die Daten. Grafik: Martin Kaumanns/ diebrueder.com

Fuga 300 – die Daten. Grafik: Martin Kaumanns/ diebrueder.com

Abfahrten & ein Pass

Von nun an wartet die Fuga mit keinen großen Anstiegen mehr auf. 47 Kilometer lang geht es durch das wunderschöne Sočatal in Slowenien, und die meiste Zeit über nur bergab. Im Flachen führt die Tour wieder über die Grenze, wieder nach Italien. Auf den letzten 73 Kilometern geht es jetzt Richtung Süden. Lange Anstiege warten nun nicht mehr. Aber nach mehr als 200 Kilometern können auch kleinere Rampen schmerzen. Immer flacher läuft es aus, das Tempo bleibt gleichmäßig und hoch. Zum ersten Mal weht der Geruch der Lagune in die Nase. Um 19 Uhr stehen, laut Plan, alle Fahrer an der Adria. Vom Gletscher zum Meer, 300 Kilometer, ein Tag auf dem Rennrad: es gibt Grund zu Feiern.

Kein Rennen

Die Fuga 300 ist kein Rennen, es geht um den Spaß, um das Erlebnis, um die Freude am Radsport. Um die Leidenschaft für den Radsport, die so groß ist, dass man gerne einen ganzen Tag auf dem Rennrad verbringt. Diese Leidenschaft haben die ehemaligen Rad-Profis Paco Wrolich und René Haselbacher noch immer. 2017 haben sie ihre „Fuga“ erstmals organisiert, gemeinsam mit Alfred Brunner vom Magazin Sport Aktiv. 2018 ziehen sie das Projekt größer auf. Die Startplätze sind aber auf 150 Teilnehmer limitiert. Anmelden kann sich nur, wer früh genug dran ist. Das Event wird dadurch ähnlich exklusiv wie der Kreis der Fahrer, die einen Dreihunderter in ihrem Palmarès stehen haben. Ähnlich exklusiv wie der Kreis der Fahrer, die sich in einem Rennen in einer erfolgreichen Fluchtgruppe, in einer „fuga vincente“, halten können. Einen ganzen Tag lang, auf der Flucht vor den Kilometern, auf der Flucht vom Gletscher, hin zum Meer.

Fuga 300 – die Fakten

  • 300 Kilometer
  • Höhenmeter bergauf: 1383
  • Höhenmeter bergab: 3754
  • angestrebte Durchschnittsgeschwindigkeit: 33 km/h
  • geplante Fahrzeit: 9 Stunden

Ablauf

  • Freitag 22.6.2018 Shuttle von Villach nach Heiligenblut
  • Samstag 23.6.2018 FUGA 300
  • Sonntag 24.6.2018 Rückreise aus Grado

Startgebühr: 199 Euro. Shuttleservice zwischen den Hotels, Begleitfahrzeuge, Verpflegung auf der Strecke, Trikot und Starterbeutel inklusive. Die 150 Startplätze werden nach dem Windhundverfahren vergeben, ergo: nach dem Anmeldezeitpunkt. Übernachtungen: Unterkünfte sind individuell zu vergünstigten Konditionen bei Partnerhotels der Fuga 300 zu buchen. Weitere Informationen: www.fuga300.com

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