Südsteiermark, Reise, Destination
Südsteiermark: Rampen, Weinberge & Ruhe – Tipps für Rennradfahrer

Rampen & Weinreben

Südsteiermark: Rampen, Weinberge & Ruhe – Tipps für Rennradfahrer

Steile Hügel, Natur, Ruhe, Weinstraßen, Buschenschänken & ein fast mediterranes Klima – die Südsteiermark bietet Rennradfahrern extrem viel. Einblicke & Touren-Tipps.
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Zwölf km/h – schon wieder fahre ich im Wiegetritt und schon wieder komme ich kaum vorwärts. Dies ist der 14. der 16 Anstiege meiner Tour. Sie sind meist nicht besonders lang, aber oftmals sehr steil. Und: Oft bin ich – bergauf wie bergab – alleine auf den schmalen Straßen unterwegs.

Ich spüre, wie meine Kraft immer mehr nachlässt. 122 Kilometer habe ich hinter mir, nur noch etwa 23 sind es, dann bin ich wieder zurück im Hotel. Der Anstieg von Brünngraben hinauf nach Kitzeck ist zwar nur 2,6 Kilometer lang, weist aber immer wieder Abschnitte mit über zehn Prozent Steigung auf. Insgesamt beinhaltet der Anstieg 177 Höhenmeter.

Ich will in einen leichteren Gang schalten – doch ich habe keinen mehr. Nach etwas mehr als acht Minuten bin ich oben. Noch zwei Anstiege. Noch wird mir auf meinem Radcomputer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30 km/h angezeigt. Auch wenn es eigentlich bescheuert ist: Ich will den „30er Schnitt“ heute, bei dieser Tour, unbedingt halten.

Rennrad-Tour in der Südsteiermark: Der Formtest im Frühling

Rückblick: Rund vier Stunden zuvor bin ich nach einem sehr großen Frühstück im Hotel Weinlandhof in Gamlitz in der Südsteiermark gestartet. Seit drei Jahren lebe ich mittlerweile in Österreich, doch jetzt, Ende April, bin ich zum ersten Mal ganz im Süden des Landes, direkt an der Grenze zu Slowenien.

Zuhause, im oberösterreichischen Mühlviertel, ist es noch recht kalt, drei Tage zuvor hat es sogar noch einmal geschneit. Hier in Gamlitz ist es selbst jetzt am Morgen schon angenehm mild. Überall blühen Obstbäume, Tulpen und Narzissen. Der Frühling hat sich hier längst durchgesetzt.

Ich will heute die sogenannte Weinstraßen Jubiläumstour fahren. Die Strecke wurde anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Südsteirischen Weinstraße im Jahr 2025 erstellt. Die älteste und bekannteste Weinstraße Österreichs wurde im Oktober 1955 fertiggestellt und eröffnet.

Die Jubiläumstour soll Radsportler über die Südsteirische, die Sausaler und die Schilcher Weinstraße führen. Die Zahlen zur Tour: 156 Kilometer, 1800 Höhenmeter. Ich bin in diesem Jahr noch kein Rennen gefahren und will diese Tour als eine Art Formtest nutzen. Mein Ziel: mindestens eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h.

 

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Höhenmeter und Traumausblicke an der slowenischen Grenze

Nach zwei flachen Kilometern erreiche ich die 2400-Einwohner-Gemeinde Ehrenhausen an der Weinstraße. Hier biege ich rechts ab auf die Südsteirische Weinstraße – und es geht zum ersten Mal bergauf. Der Anstieg ist nur mäßig steil, sodass ich die Aussicht genießen kann.

Auf einer Strecke von 6,6 Kilometern überwinde ich 261 Höhenmeter. Es ist der perfekte Anstieg, um sich warmzufahren. Schon nach wenigen hundert Metern sehe ich die ersten Weingüter. Kurz nach dem 200-Einwohner-Dorf Graßnitzberg erreiche ich die slowenische Grenze. Sie verläuft teils direkt links der Straße.

Je höher ich komme, umso besser wird die Aussicht. Um mich herum sind gefühlt unendlich viele grüne Hügelketten, dicht bepflanzte Weinberge und schmale Straßen, die sich in teils langen Kurven durch die Reben ziehen. Die Landschaft links von mir, in Slowenien, ist geprägt von sehr viel Wald.

Im Höhenprofil auf meinem Radcomputer sehe ich, dass der erste Anstieg der längste meiner Tour ist. Nach etwa 20 Minuten bin ich oben, auf etwa 510 Metern über dem Meeresspiegel. Doch bis zum nächsten Hügel sind es nur ein paar Minuten. Nach einer kurzen Abfahrt geht es sofort wieder bergauf.

Anspruchsvolles Höhenprofil: Wie beim Radklassiker in den Ardennen

Rechts von mir liegt der Ort Ratsch an der Weinstraße, kurz danach sehe ich den 524 Meter hohen Urlkogel. Es folgt die nächste kurze Abfahrt – direkt danach geht es wieder bergauf. Das ist der Rhythmus dieser Tour – und der der Region.

Drei Hügel nach nicht einmal 20 Kilometern – ich muss spontan an den Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich denken, der an diesem Wochenende in Belgien stattfindet. Ähnlich wie in den Ardennen geht es auch hier ständig bergauf oder bergab – nur ist das Wetter deutlich besser als es in Belgien um diese Jahreszeit oft der Fall ist.

Erst ab dem 570-Einwohner-Dorf Leutschach an der Weinstraße nach 23 Kilometern verläuft die Strecke für kurze Zeit flach: Sie führt weiter nach Arnfels mit seinem gleichnamigen Schloss aus dem 11. Jahrhundert. Als ich wenig später in Richtung Unterhaag abbiege, beginnt jedoch schon der nächste kurze steile Anstieg hinauf nach Obergreith. Um mich herum sind jetzt keine Weinberge mehr, sondern kleinere Waldstücke.

Kulinarische Pause im Schilcherland: Buschenschänken und Kuckucksschrei

Doch schon nach wenigen Kilometern bin ich wieder umgeben von Weinreben – und noch mehr Hügeln. Generell ist die Landschaft um mich herum extrem abwechslungsreich. Ich fahre durch etliche kleine Weinorte, vorbei an modernen Weingütern und traditionellen Buschenschänken, traditionelle bäuerliche Betriebe, in denen selbsterzeugte Weine, Moste sowie kalte Speisen an Gäste serviert werden.

Hinter jeder Kurve bietet sich mir eine neue Aussicht: Einzelne Gehöfte, Kirchtürme in der Ferne, weite Ausblicke bis über die Grenze nach Slowenien. Viele der schmalen Straßen, auf denen ich fahre, habe ich fast für mich allein. Manchmal sehe ich 30 Minuten lang kein einziges Auto. Das ist, was Rennradfahrer wollen.

Alles um mich herum blüht und duftet nach Frühling. In der Ferne höre ich einen Kuckuck. Es ist fast schon kitschig schön. Hinzu kommt: Der Zustand der Straßen ist fast durchgehend top. Der Asphalt ist glatt, Schlaglöcher gibt es quasi nicht.

Wohl auch deshalb habe ich aktuell eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 31 km/h – trotz der vielen Hügel, die ich immer wieder hoch und runter muss. In Eibiswald, nach etwa 48 Kilometern, biege ich in einem Kreisverkehr rechts ab und fahre auf der Schilcher Weinstraße weiter.

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Kohlenhydrate für das Finale: Zwischenstopp beim steilsten Weinberg

Über den Kurort Bad Schwanberg erreiche ich nach rund 64 Kilometern – und nach einer weiteren steilen Rampe – das Restaurant Koarl im Boutiquehotel, „Das Zeitwert“. Ich bin schon fast vorbeigefahren, als ich plötzlich sehe: Es gibt Eis! Mittlerweile hat es rund 25 Grad und trotz meines großen Frühstücks merke ich, dass ich ein paar zusätzliche Kohlenhydrate gut gebrauchen könnte.

Eine halbe Stunde später – nach einem Eis und einem Stück Heidelbeertorte – fahre ich weiter und erreiche nur ein paar Minuten später Deutschlandsberg, die wichtigste Stadt im steirischen Schilcherland. Die Gegend hier ist bekannt für den Anbau des Schilchers, eines typisch steirischen Roséweins.

Links von mir steht auf einem rund 510 Meter hohen Felssporn die Burg Deutschlandsberg, das Wahrzeichen der Stadt. Bis nach Sankt Stefan ob Stainz folge ich dem Verlauf der Schilcher Weinstraße. Mittlerweile habe ich die Hälfte der Strecke hinter mir.

Nach rund 120 Kilometern komme ich auf die Sausaler Weinstraße. Ich sehe schon im Höhenprofil meines Radcomputers, dass die Anstiege hier noch etwas steiler werden als bisher. Etwas mehr als 30 Kilometer sind es noch bis zurück nach Gamlitz. Meine beiden Trinkflaschen sind leer, ich brauche unbedingt noch etwas zu trinken für das Finale.

Erschöpft aber glücklich: Erfolgreicher Radurlaub in Gamlitz

Kurz vor Kitzeck, dem höchstgelegenen Weinort Europas, halte ich am Weingut & Buschenschank Malli an. Hier befindet sich der steilste Weinberg Österreichs. Eigentlich will ich nur meine beiden Flaschen auffüllen, doch ich war noch nie in einem Buschenschank und bin neugierig.

Ein paar Minuten später sitze ich am Tisch und habe selbstgemachtes Fleisch und Brot, verschiedene Aufstriche und Käsespezialitäten vor mir. Es ist so viel, dass ich gar nicht alles aufessen kann. Die letzten Kilometer sind ein Kampf. Meine Beine sind müde, mein Bauch ist voll und ich will irgendwie meine 30-km/h- Durchschnittsgeschwindigkeit halten.

Zum Glück muss ich nach Kitzeck nur noch über einen einzigen Hügel. Die letzten Kilometer von Leibnitz bis nach Gamlitz sind flach. Als ich am Hotel Weinlandhof ankomme, zeigt mein Radcomputer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 31 km/h an.

Den Abend verbringe ich ziemlich erschöpft größtenteils lesend auf der Terrasse vor meinem Hotelzimmer. Sport, Ruhe und Entspannung – dafür bin ich hier. Der nächste Tag. Meine Beine fühlen sich, leider, nach der gestrigen Belastung ziemlich schwer und müde an.

Sausal-Zick-Zack-Runde: Einsame Güterwege ohne Autoverkehr

Deshalb gehe ich heute die kürzere „Sausal-Zick-Zack“-Runde an: 73 Kilometer mit 1320 Höhenmetern. Wieder starte ich bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen. Von Gamlitz aus geht es zunächst flach in Richtung Leibnitz, doch schon kurz nach der Stadtgrenze beginnt das namensgebende Zick-Zack.

Die Strecke führt über schmale, aber gut ausgebaute Güterwege tief hinein in das Sausal-Gebirge. Die Straßen sind hier noch einmal deutlich schmaler als gestern, motorisierter Verkehr ist praktisch nicht vorhanden. Ich höre nur das Zwitschern der Vögel und das Surren meines Freilaufs in den Abfahrten.

Nach etwa zweieinhalb Stunden bin ich, so wie gestern, wieder in Kitzeck. Im „Wirtshaus im Weinkitz“ mache ich eine längere Kuchenpause. Die meisten Höhenmeter habe ich für heute bereits hinter mir. Doch etwa 30 Kilometer später geht es nach Eichberg-Trautenburg noch einmal steil bergauf.

Die Rampe zieht sich immer wieder mit über zwölf Prozent Steigung den Hang hinauf. Immer wieder muss ich aus dem Sattel gehen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Oben angekommen, werde ich von einem fast schon surrealen Anblick überrascht: Auf der Kuppe des Anstiegs liegt das Weingut Adam-Lieleg. Hier stehen auf der Terrasse tatsächlich ein paar Palmen.

Ich fülle meine Trinkflaschen auf und genieße für ein paar Minuten die Aussicht über die sanften Hügelketten um mich herum. Von hier aus geht es nur noch bergab zurück nach Gamlitz. Mein Tag endet mit Duschen, Essen, Sightseeing und noch einmal Essen.

Klapotetz-Rodeo: Ein echtes Paradies für Rennradfahrer

Mein dritter und letzter Tag in der Südsteiermark: Da ich heute Nachmittag noch die Heimreise vor mir habe, entscheide ich mich für eine kurze Abschlussrunde: das „Klapotetz-Rodeo“ – 50 Kilometer, 830 Höhenmeter. Die Strecke verläuft von Gamlitz aus über mehrere Hügel in Richtung Leutschach.

Überall am Wegrand sehe ich die sogenannten Klapotetze, nach denen die Tour benannt ist: Die traditionellen Holz-Windräder, die mit ihrem rhythmischen Klappern die Vögel von den Weinreben fernhalten sollen. Die Anstiege heute sind kurz und verglichen mit gestern und vorgestern meist recht gleichmäßig.

Während der letzten Kilometer zurück zum Hotel habe ich Zeit nachzudenken. Die Region ist anders, als ich erwartet hatte. Ich hatte mit sanften Hügeln gerechnet – gefunden habe ich ein teils sehr anspruchsvolles Terrain, das Radsportlern viele Möglichkeiten bietet.

Gleichzeitig ist die Dichte an Einkehrmöglichkeiten so hoch, dass man jede Ausfahrt jederzeit mit traditioneller Kulinarik verbinden kann. Gegen Mittag bin ich zurück im Hotel. Nach einer schnellen Dusche und einem letzten Blick auf die Weinberge packe ich mein Rad ins Auto.

Die Südsteiermark ist nicht nur ein ideales Trainingsrevier für die Saisonvorbereitung im frühen Frühjahr, sondern ein Ort, an den ich definitiv zurückkehren werde – vielleicht schon im Herbst, wenn die Weinlese beginnt.

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Reisetipps Südsteiermark: Infos zu Streckennetz und Rad-Infrastruktur

Die Südsteiermark liegt im Süden Österreichs an der Grenze zu Slowenien. Sie zählt zu den bekanntesten Weinregionen Österreichs und ist vor allem für ihre Hügellandschaften, Weingärten und Buschenschänken bekannt.

Für Radsportler bietet die Region extrem viel – etwa ein großes Streckennetz mit mehr als 1100 Kilometern Länge, das anspruchsvolle Anstiege mit kurvenreichen Weinstraßen, flachen Flusstälern und abwechslungsreichen Panoramen verbindet.

Die Touren führen über die Südsteirische, die Sausaler und die Schilcher Weinstraße, durch das Sulmtal sowie bis in die hügeligen und alpinen Ausläufer der Koralpe. Besonders charakteristisch sind die schmalen Straßen entlang der Weinberge rund um Gamlitz, Leutschach, Kitzeck und Ehrenhausen – teilweise direkt an der Grenze zu Slowenien.

Entlang einzelner Abschnitte der Südsteirischen Weinstraße verläuft die Staatsgrenze unmittelbar neben der Fahrbahn: Auf der einen Straßenseite liegt Österreich, auf der anderen Slowenien. Die Region gilt zudem als eine der klimatisch mildesten Gegenden Österreichs.

Tour of Austria 2026: Die Südsteiermark als internationaler Rad-Hotspot

Die Winter fallen vergleichsweise kurz aus, der Frühling beginnt früh und die oft warmen Herbsttage ermöglichen eine besonders lange Rennrad-Saison. Entlang der Routen befinden sich zahlreiche Buschenschänken, Wirtshäuser und Cafés, die für die Region typische Kulinarik und Weine anbieten.

Gleichzeitig punktet die Südsteiermark mit einer gut ausgebauten Bike-Infrastruktur: Neben beschilderten Touren gibt es Verleihstationen, Bikeparks, Serviceangebote sowie die Möglichkeit, viele Strecken mit Bahnverbindungen zu kombinieren.

Internationale Aufmerksamkeit erhält die Region 2026 zudem als Teil der Tour of Austria: Die Jubiläumsausgabe „75 Jahre Tour of Austria“ findet vom 8. bis 12. Juli 2026 statt. Die erste Etappe führt am 8. Juli über 188 Kilometer von Graz nach Gamlitz durch die Südsteiermark und entlang der bekanntesten Weinstraßen der Region.

Durch die Kombination aus anspruchsvollen Anstiegen, landschaftlicher Vielfalt und mildem Klima gilt die Südsteiermark unter vielen Rennradfahrern noch als Geheimtipp, vor allem im Frühjahr und Herbst. Weitere Informationen zur Region, Touren etc. finden Sie unter www.suedsteiermark.com


Hotels & Unterkünfte

Weinlandhof
Untere Hauptstraße 15
A-8462 Gamlitz
www.weinlandhof.at

Gasthof Martinhof
Oberhart 53
8543 St. Martin im Sulmtal
www.martinhof.at

Boutiquehotel Das Zeitwert
Hollenegg 10
8530 Deutschlandsberg
www.daszeitwert.com


Verpflegungs- & Einkehrmöglichkeiten

Das Weinkitz
Einöd 15
8442 Kitzeck im Sausal
www.weinkitz.at

Weingut Adam-Lieleg
Kranach 78
8463 Leutschach an der Weinstraße
www.adam-lieleg.at

KOARL Hollenegg
Hollenegg 10
8530 Deutschlandsberg
www.koarl-hollenegg.com

Weingut Malli
Einöd 38
8442 Kitzeck im Sausal
www.weingut-malli.at

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