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Was braucht man wirklich?

Grundausstattung: Was man zum Rennradfahren wirklich braucht?

Grundausstattung fürs Rennrad

Saisonanfang – während erfahrene Radsportler schon mitten im Training für die neue Saison stecken, lautet bei anderen der Vorsatz: „Ich fange mit dem Rennradfahren an.“ Damit der Einstieg in diese faszinierende Form der Fortbewegung möglichst reibungslos von Statten geht, sollte man einige elementare Dinge beachten.
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Was man als Rennradfahrer braucht – und was nicht

Rennrad, Radklamotten, Schuhe, Helm, Tacho – der optimale Start in das neue Hobby steht und fällt mit der richtigen Ausrüstung. Der Radsport ist kein günstiges Hobby, leider. Trotzdem sollte bei der Ausstattung nicht an der falschen Stelle gespart werden. Ansonsten sind Frust oder schlimmstenfalls sogar Verletzungen vorprogrammiert. Das Equipment muss vor allem ein Kriterium erfüllen: Es muss zu seinem Besitzer passen. Sich von Anfang an mit Profimaterial einzudecken, ergibt in etwa ebenso viel Sinn, wie als Fahranfänger ein Formel-Eins-Auto zu steuern. Von den Vorteilen eines federleichten, supersteifen Rades im Wert eines Kleinwagens werden Neulinge zunächst kaum profitieren – außer vielleicht in Sachen Motivation. Zudem gilt für den Anfang: Komfort vor Sportlichkeit. Eine falsche, da zu gestreckte Sitzposition zu wählen, ist ein typischer Anfängerfehler. Welche Anschaffungen absolut notwendig sind und was darüber hinaus noch Sinn ergibt, zeigt unsere Material-Zusammenstellung ab Seite 66.

1. Rennrad richtig einstellen

Eine Investition, die sich langfristig auszahlt, ist ein professionelles Bikefitting. Anstatt das Rad und damit die Sitzposition Pi mal Daumen oder anhand irgendwelcher Faustformeln einzustellen, errechnet ein Computersystem die optimalen Winkel für Knie, Schultern, Hüfte. Haltungsfehlern und den häufigsten „Radfahrerproblemen“, Schmerzen und Verspannungen des Nackens und Rückens, wird so von Anfang an vorgebeugt. Die 100 bis 300 Euro können demnach für Viele gut angelegtes Geld sein. Wobei es natürlich auch ohne dieses Investment geht. Eine andere, wenn auch nur grobe Methode ist: Die Schrittlänge zu messen und davon zehn Zentimeter abzuziehen. Dies soll die Sitzhöhe – die man in der Regel zwischen den Tretlagermitte und dem waagerechten Sattel misst – ergeben. Eine andere Variante ist, die Schrittlänge Mal 0,885 zu nehmen.

2. Ans Rad gewöhnen

Ein Rennrad schnell und sicher zu bewegen, muss man lernen. Das geringe Gewicht und die besondere Geometrie machen es enorm agil, wodurch der Umstieg von anderen Rädern durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Vor allem bei starkem Seitenwind, nassen Straßenverhältnissen oder schnellen Abfahren ist Konzentration und Radbeherrschung gefragt. Entsprechend ratsam ist es, sich langsam und dosiert an das richtige Radhandling heranzutasten. Wer in sein normales Training von Zeit zu Zeit Gleichgewichts- oder Bremsübungen einstreut, wird bald wesentlich sicherer unterwegs sein. Bei schnellen Kurven sind beispielweise folgende Punkte wichtig: Der Kopf steuert die Bewegung – der Blick geht also dorthin, wohin man hinfahren möchte. Hoch rein, flach raus – die Kurve wird zunächst außen angefahren, dann zieht man nach innen. Aber Vorsicht: Nie über die Fahrbahnmitte legen, sonst wird es bei Gegenverkehr gefährlich. Das Tempo muss bereits bei der Einfahrt in die Kurve passen, denn (starkes) Bremsen ist tabu – ansonsten besteht die Gefahr eines Sturzes. Auch die Position der Kurbel ist wichtig. Der dem Kurvenzentrum zugewandte Kurbelarm steht senkrecht nach oben. So kann das Pedal beim Hineinlegen in die Kurve nicht aufsetzen.

Selbst das Absteigen, oder besser das Ausklicken aus den Pedalen, will gelernt sein. Klickpedale sind nicht nur sinnvoll, schließlich sorgen sie für eine optimale Kraftübertragung. Sie sind vor allem auch eins: gewöhnungsbedürftig. Theoretisch ist es ganz einfach: Der Fuß wird zuerst nach außen gedreht und anschließend der Schuh seitlich aus der Halterung geschoben. In der Praxis kann das ohne Übung schneller als gedacht zum Problem werden. Ein Tipp für die ersten Versuche: Bei einigen Herstellern lässt sich der Auslösewiderstand des Pedals manuell einstellen; weniger ist hier – für den Anfang – mehr.

3. Das Minimax-Prinzip

Unterwegs gilt die Devise: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Unbedingt mit dabei sein müssen zwei Reifenheber, eine Luftpumpe oder Druckluftkartusche, ein Ersatzschlauch sowie ausreichend Getränke. Nicht fehlen dürfen außerdem für den Notfall ein Handy sowie ein wenig Bargeld. Optional sind etwa ein Minitool und – je nach Witterung – eine Windweste oder Regenjacke sowie Arm- und Beinlinge. Dazu kommt natürlich Verpflegung. Wasser in die Trinkflasche, Riegel, Gels, Bananen, Reiskuchen — oder was auch immer einem mundet. All dies passt in der Regel in in die Trikottaschen.

4. Das Training

Ein Themenbereich, der ganze Bibliotheken füllt und in dem – ähnlich wie beim Material – Glaubenskriege ausgefochten werden, ist das richtige Training. Je nachdem wie ambitioniert die eigenen Ziele sind und wie gut das Fitnesslevel ist, kann es für den einen oder anderen durchaus Sinn ergeben, sich von einem Experten einen Trainingsplan schreiben zu lassen oder selbst Literatur zu wälzen. Echte Rennrad-Novizen ohne solide Grundfitness sollten hingegen die folgenden drei Grundsätze beherzigen: 1. Anstatt zu versuchen, sklavisch irgendwelche Standard-Trainingspläne einzuhalten, sollte man zu Beginn vor allem auf seinen Körper hören. Wie reagiert er auf die ungewohnte Belastung? Und welches Terrain liegt mir? 2. Grundsätzlich gilt: Regelmäßig fahren und dabei die Pausen nicht vergessen.

Die Anfangseuphorie verleitet zwar zum Überziehen, aber erst müssen die Grundlagen gelegt werden. Drei Touren pro Woche – zwei Feierabendrunden, eine lange Wochenendausfahrt beispielsweise – reichen erstmal vollkommen aus. Der Körper soll sich ja langsam an die neue Belastung gewöhnen. Entsprechend wichtig ist die Regeneration zwischen den Belastungen. 3. Wer schnell fahren will, sollte zuerst lange fahren können. Anders gesagt: Bevor die Geschwindigkeit zunimmt, werden zunächst die Distanzen länger.

Jedermann einzeln

Jedermann einzeln

Das Material

Der Rennrad-Markt wird immer unübersichtlicher. Neue Kategorien, neue Trends, elektronisch oder mechanisch schalten, mit Scheiben oder auf den Felgen bremsen – die Optionen werden immer mehr. Selbst die „Klassen“, in die man Rennräder einteilen kann, sind nicht völlig klar. Ein Versuch:

Race: Diese Rennräder sind vor allem für eines konzipiert: das Schnellfahren. „Unterkategorien“ davon gehen aber in völlig verschiedene Richtungen. So gibt es auf der einen Seite des Spektrums Leichtgewichte, Rennräder, die etwa nur rund sechs Kilogramm wiegen und oft bei Radmarathons in den Alpen eingesetzt werden. Auf der anderen Seite rangieren die Aero-Rennräder, die vor allem durch spezielle, dem Wind eine möglichst geringe Angriffsfläche bietende Rohrformen und eine große Systemintegration auffallen.

Allrounder: In diese Kategorie fallen die meisten „Einsteiger“-Rennräder der 1000-Euro-Klasse. Deren Geometrie ist in der Regel ausgewogen, nicht zu sportlich-gestreckt.

Komfort: Dieser Räder laufen auch oft unter der Bezeichnung „Marathon“, sie sind vorrangig für lange Strecken ausgelegt. Ihre Geometrie ist im Vergleich zu den Wettkampfrädern deutlich entschärft, und damit in der Regel aufrechter.

Gravel: Dies ist eine noch junge Rennradgattung und, überspitzt formuliert, ein Zwitter aus einem komfortorientierten Rennrad und einem geländegängigen Cyclocross-Rad. Wie der Name schon sagt, ist ein Gravelracer für Fahrten auf Schotter- und Feldwegen ausgelegt. Sein extrem großer Einsatzbereich und die recht aufrechte Sitzposition machen ihn für viele Rennradeinsteiger und Pendler interessant. Wobei ähnliches auch für Cyclocrosser gilt.

Shimano oder Campagnolo? Oder Sram?

Shimano, Sram oder Campagnolo? Geht es um Schaltgruppen, wird es oft ideologisch. Funktionell sind sie alle gut. Optik, Haptik, Schaltgeschwindigkeit oder Bremspower – das sind die Unterschiede. Und natürlich der Kostenfaktor. An den günstigeren Rädern dominiert oft Shimanos 105er Gruppe, die in Sachen Preis-Leistung auch absolut empfehlenswert ist. Eine Stufe darüber, meist ab Rädern der 2000-Euro-Klasse und darüber, wird vor allem die Ultegra-Gruppe verbaut. Hier hat Campagnolo in 2016 einen neuen Konkurrenten auf den Markt gebracht: die Potenza. In unseren Tests konnte der Neuling voll überzeugen. Die weiteren Optionen sind: mechanische oder elektronische Schaltung? Felgen- oder Scheibenbremsen? Ersteres ist jeweils günstiger. Scheibenbremsen sind nicht nachrüstbar, sie haben in der Regel besonders bei Nässe bessere Bremseigenschaften, sind aber schwerer und erfordern einen höheren Wartungsaufwand. Schwere Fahrer sollten darauf achten, dass die Scheiben größer als 140 Millimeter sind.

Welche Übersetzung brauche ich am Rennrad?

Entscheidend kann die Wahl der Übersetzungsbandbreite sein. Einst war der Standard: 53 und 39 Zähne vorne, 11 bis 23 oder 25 hinten. Diese Variante ist heute noch im Rennsport verbreitet. Bei normalen Rädern werden dagegen die Kompakt-, 50/34, und die Semi-Kompaktvariante, 52/36, immer beliebter. Gerade für Einsteiger ergeben diese auch mehr Sinn. Wer als Neuling im Hochgebirge unterwegs ist, sollte in der Regel auf eine Kompaktkurbel und eine Kassette mit einem 28er, 30er oder gar 32er Ritzel setzen.

Welche Kleidung ist auf dem Rad sinnvoll?

Für Rennradeinsteiger geht es im Normalfall erst einmal nicht um Trends, sondern um einen Basis-Ausstattung – und die ist relativ klar. Zumindest für die Sommersaison: Helm, Radschuhe, Sonnenbrille, Socken, Funktionsunterhemd, Trägerhose, Trikot, Windweste, Regenjacke, Armlinge, Beinlinge, Radhandschuhe. Damit deckt man einen sehr weiten Wetter- und Temperaturbereich ab. Ein Tipp am Rande: Sonder- und Nach-Saison-Verkäufe sowie Kollektionswechsel bieten tolle Gelegenheiten, um Schnäppchen zu machen. Kleidung, Farben, Schnitte – das ist das eine. Doch wirklich entscheidend sind andere Anschaffungen. Ganz wichtig sind etwa die Verbindungsstellen zwischen Mensch und Maschine: die Kombination von Radschuh und Klickpedal sowie der Sattel. Hier sollte eher nicht gespart werden. Und vor dem Kauf gilt generell: Ausprobieren.

Wo kann ich sparen?

Viele Hersteller bieten im Herbst oder Winter hohe Rabatte auf Auslaufmodelle oder Restposten. Dies betrifft zum Beispiel den Versender Canyon. Bei den Accessoire-Firmen sind die Franzosen von Ekoi sehr häufig in der Kategorie Preis-Leistung weit vorne. Auf deren Homepage laufen fast ständig Rabattaktionen, so dass oft Radschuhe und Helme für deutlich unter 100, Trikots für unter 30 oder lange Handschuhe für unter 20 Euro angeboten werden. Natürlich bieten auch Discounter wie Lidl und Aldi ab und an Radkleidung und Accessoires an. Hier kommt es auf den Einzelfall an, nicht alle Produkte sind empfehlenswert.

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