Taschentest
Bikepacking-Taschen 2026 im Test: Lenkertaschen, Rahmentaschen, Satteltaschen
in Gravel
Sie sind kompakt, wasserdicht und bei längeren Rad-Touren unverzichtbar: Taschen, die man am Lenker, dem Sattel oder am Fahrradrahmen befestigt. Essen, Kleidung, Schläuche, Flickzeug und mehr – bei langen Touren, dem Bikepacking oder Arbeitspendeln braucht man Stauraum an seinem Rad. In diesem Test geht es um kleinere Modelle für den Alltagseinsatz.
Größere Packtaschen für Radreisen, mehrtägige Touren und ähnliche Einsätze finden Sie in der RennRad-Ausgabe 10/2024.
Satteltaschen, Rahmentaschen, Lenkertaschen
Konkret lauteten unsere Vorgaben: Satteltaschen, Ober- oder Unterrohrtaschen bis maximal einen Liter Stauraum sowie Lenkertaschen zwischen 1,5 und fünf Litern Volumen. Reifenheber, Schlauch, CO2-Patronen, ein Multi-Tool – für diese und weitere Inhalte waren Satteltaschen ursprünglich gemacht. Dafür reichen teils auch kleinere Volumina von rund 0,5 Litern aus. Die meisten dieser kleinen Taschen verfügen nur über ein großes Fach.
Anders angeordnet ist etwa der Innenraum der getesteten Topeak-Tasche: Dieser ist in zwei voneinander getrennte Staufächer aufgeteilt. In einem der beiden befindet sich bereits ein Mini-Ratschen-Set. Zusätzlich gibt es außen zwei Gummischlaufen für CO2-Patronen. Eine besondere Ordnungsstruktur bietet das Satteltaschen-Modell von Pro. Die Rolltasche ist
so lang, dass sich darin sogar eine Minipumpe unterbringen lässt.
Sattel- & Lenkertaschen
Ein sich weit öffnender Reißverschluss gehört in diesem Testfeld quasi zum Standard. Dieser ist auch notwendig, um gut an Kleinteile im Inneren heranzukommen. Interessante Alternativen sind hier Rollverschlüsse, wie man sie von größeren Satteltaschen – die in der Umgangssprache vielen als „Arschraketen“ bekannt sind – kennt. Die Tasche öffnet sich dadurch nach hinten. Diese Lösung verhindert das Rausfallen von Kleinteilen beim Öffnen.
Bei der Befestigung bieten die Hersteller sehr unterschiedliche Systeme. Dies ist auch sinnvoll, denn nicht alle Sättel sind mit dem einst traditionell breiten Klettverschluss der Taschen kompatibel. Klassisch kommen ein oder zwei breite Klettbänder zum Einsatz, die die kleine Tasche am Sattelgestell oder auch zusätzlich an der -stütze halten.
Der US-Hersteller Silca verwendet statt des Klett- einen Boa-Drehverschluss. Dieser erwies sich als sehr fein justierbar und überzeugte im Dauertest, wie gewohnt, mit seiner Robustheit. Zudem sorgt diese Lösung für eine sehr cleane Optik. Eine weitere Möglichkeit ist die Montage einer separaten Halterung am Sattelgestell. Die Tasche wird dann eingeclipst – entweder mit einem Schnappverschluss oder magnetisch wie bei dem Testmodell von Fidlock. Auch dies sorgt für einen aufgeräumten Look.
Die Grundplatte der Cyclite-Tasche wird ausschließlich an der Sattelstütze befestigt. Auch diese Tasche wird dann daran von einem Magnet-Verschluss gehalten. Cyclite bietet neben Reflektoren an der Tasche – wie sie auch fast alle anderen Hersteller einsetzen und die absolut sinnvoll sind – optional extra Halterungen für Garmin-Radar-Rücklichter.
Oberrohrtaschen
Inzwischen ist es fast schon der Standard, dass diese Taschen variabel angebracht werden können – entweder mit Kletts oder Gummi-Zugbänder, wie bei Ortlieb oder Cyclite, oder aber über zwei Schrauben. Letzteres ist natürlich nur dann möglich, wenn im Rahmen die entsprechenden Gewindeösen vorhanden sind. Sehr viele Gravel- und auch Endurance-Rennräder bieten solche Einsätze an.
Der Vorteil der Schraublösung ist die stabilste und optisch „sauberste“. Zudem scheuert die Tasche so nicht am Rahmen. Bei der Befestigung mit Kletts sollte man auf jeden Fall Rahmenschutz-Folien verwenden. Eine smarte Lösung bietet hier etwa Cyclite. Hier kann die mit Gurten befestigte Grundplatte gegen zwei optional erhältliche kleine magnetische Bolzen getauscht werden. Diese Bolzen werden dann an den Schraublöchern befestigt. Die Tasche wiederum hält magnetisch an den Bolzen. Prinzipiell hätte man zwar auch gleich die Grundplatte mit entsprechenden Bohrlöchern ausstatten können – auf unsere Nachfrage erklärten die Verantwortlichen, dass das Ziel mit dem Einsatz der „Nano Bolts“, eine extrem simple und optisch kaum sichtbare Lösung gewesen sei.
Die meisten Hersteller arbeiten beim Verschluss mit wasserdichten Reißverschlüssen. Beim Ortlieb-Modell wird der Deckel geklappt und magnetisch gehalten. Auch dies ist eine sinnvolle Lösung. Beim Taschen-Inneren setzen die meisten Hersteller lediglich auf ein Hauptfach – nur in wenigen Fällen wird dieses durch eine innenliegende Netz-Seitentasche ergänzt. Auch hier gilt:
Je heller das Innere ist, desto einfacher findet man sich zurecht.
Gravel- & Rennrad-Einsatz
Eine Besonderheit stellen die beiden Fidlock-Rahmentaschen dar. Beide werden an den Flaschenhalter-Schrauben montiert. Zunächst wird dort die Grundplatte befestigt, dann werden die eigentlichen Taschen magnetisch eingeclipst. Hier kam es im gesamten Testverlauf – sowohl im Straßen- als auch im Graveleinsatz – zu keinerlei Verrutschen oder sonstigen Problemen.
Lenkertaschen
Bei kleineren Modellen haben sich neben der klassischen Variante auch Ausführungen in Tonnenform oder mit seitlichen Rollverschlüssen etabliert. Durch die Aussteifung halten die Tonnen-Modelle in der Regel ihre Form. Jedoch sind nicht an allen Modellen die Reißverschlüsse so weit zu öffnen, dass man auch während der Fahrt optimalen Zugriff hat.
Taschen, die einen Rollverschluss haben, bieten auf dem Rad bauartbedingt gar keinen Zugriff. Bei der Befestigung ist der Standard eine Kombination aus zwei Klettverschlüssen oder Zuggurten am Lenker sowie einer verstellbaren Gummikordel am Steuerrohr. Mit Abstandshaltern aus Schaumstoff wird die Tasche dann optimal platziert. Evoc verwendet hier einen Boa-Drehverschluss und kombiniert diesen mit Aussparungen, die auch eine aerodynamisch günstige Befestigung ermöglichen. Auch die Stabilität und Wackelfreiheit des Systems überzeugte während des Tests.
Cyclite geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Tasche wird magnetisch an einer Grundplatte gehalten. Diese Grundplatte wiederum wird entweder an einer Lenker-Schelle oder gleich direkt an der Unterseite einer Tacho-Halterung mittels eines GoPro-Adapters befestigt. Bei vielen Lenkertaschen kann es zu Problemen kommen, wenn man parallel einen Radcomputer und/oder ein Beleuchtungssystem montieren möchte. An einem runden Lenker kann man beides noch über ein Schrägstellen der Schelle kompensieren. An integrierten Cockpits hingegen ist dies nicht möglich. Die Cyclite-Grundplatte integriert hier noch einen zweiten GoPro-Adapter für die Lichtanlage. Dies ist innovativ und sehr durchdacht.
Magnete
Sinnvoll ist in vielen Fällen auch der Einsatz von Magneten. Etwa, wie bei Ortlieb, um die Tasche zu verschließen: Die Oberrohrtasche mit dem überlappenden Flap-Deckel wird einfach zugeworfen und plopp – der Magnet erledigt den Rest.
Magnete werden auch eingesetzt, um die Tasche am Rahmen zu halten. Die Grundplatte des Fidlock-Modells wird ans Rad geschraubt. Dieser fixiert dann die Tasche. Fidlock kooperiert im Taschensegment etwa auch mit Rose und Canyon. Hier gibt es für die hauseigenen Taschen spezielle Magnet-Haltepunkte. Auch Cyclite setzt Magnete ein. Alle Taschen der Nano-Serie werden magnetisch an einer Grundplatte gehalten. Keine dieser Lösungen führte im Testverlauf zu Problemen.
Variable Befestigungsmöglichkeiten
Oft eingesetzt werden auch variable Befestigungsmöglichkeiten – bei Lenkertaschen gilt dies etwa für unterschiedliche Schlaufen-Positionen für die Klett-Bänder oder Gummizüge. Eine im Test auffällige Schwäche einiger Modelle ist die nicht ausreichende Länge der Zurrgurte von Oberrohrtaschen. Dies ist angesichts der inzwischen oftmals recht voluminösen Rahmenformen vieler aktueller Rennräder und Gravel-Modelle nicht mehr ganz zeitgemäß.
Fakt ist: Unser Testfeld – bestehend aus Lenker-, Oberrohr- und Rahmentaschen – ist sehr groß und heterogen. Hier sollte jeder das zu sich, seinem Rad und seinen Ansprüchen passende Modell finden können.
Diese Taschen haben wir getestet
Lenkertaschen
| Marke | Modell | Preis | Prädikat |
| Apidura | Racing Handlebar Pack | 84 Euro | |
| Cyclite | Handlebar Bag NanoTestbrief | 99,90 Euro | Race-Tipp |
| Contec | Urban Nomad Front 1.7 XL | 29,95 Euro | Preis-Leistung |
| Evoc | Handlebar Pack Boa WP2.5 | 120 Euro | |
| Ortlieb | Velo-Sling | 85 Euro | |
| PRO | Lenkertasche Discover Small | 49,95 Euro | |
| Silca | Grinta Handlebar Bag | 114 Euro | |
| Topeak | Tubular Bar Bag | 69,95 Euro | Kauftipp |
| Zéfal | Z Adventure F2 | 39,95 Euro |
Rahmentaschen
| Marke | Modell | Preis | Prädikat |
| Apidura | Racing Frame Pack | 61 Euro | Race-Tipp |
| Canyon | Load Fidlock Quickloader | 99,95 Euro | |
| Cyclite | Tube Bag NanoTestbrief | 79,90 Euro | |
| Contec
|
Mile Grinder Top Bag Bolt On | 48,95 Euro | |
| Evoc | Top Tube Pack WP | 40 Euro | Kauftipp |
| Fidlock | Twist Essential Bag | 79,99 Euro | |
| Fidlock | Twist Single Toolbox | 39,99 Euro ohne Halterung | |
| Lezyne | Aero Energy Caddy | 39,99 Euro | Preis-Leistung |
| Ortlieb | Fuel-Pack | 65 Euro | Kauftipp |
| PRO | Discover Oberrohrtasche | 42,95 Euro | |
| Topeak | Toploader Drybag | 39,95 Euro | |
| Zéfal | Z Adventure T1 | 39,95 Euro | Preis-Leistung |
Satteltaschen
| Marke | Modell | Preis | Prädikat |
| Apidura | Expedition Tool Pack | 62 Euro | Kauftipp |
| Cyclite | Saddle Bag NanoTestbrief | 69,90 Euro | Race-Tipp |
| Contec | Mile Grinder Tool Bag M | 39,95 Euro | |
| Evoc | Seat Bag | 22 Euro | |
| Fidlock | Pinclip Saddle Bag M | 59,99 Euro | |
| Lezyne | Road Caddy | 24,99 Euro | |
| Ortlieb | Micro Bag | 34 Euro | Kauftipp |
| PRO | Performance Tool Wrap | 22,95 Euro | |
| Silca | Mattone Grande Pack | 66 Euro | |
| Topeak | Elementa Gear Bag | 49,95 Euro | Kauftipp |
| Zéfal | Z Off-Road Pack | 29,95 Euro | Preis-Leistung |
Die Testberichte der Taschen lesen Sie in der RennRad 5/2026. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper bestellen.






