Im Test: Hometrainer für Zuhause

Radfahren Zuhause: Freie Rolle oder Kassetten-Trainer?

Im Test: Hometrainer für Zuhause

Trainieren bei jedem Wetter, in der eigenen Wohnung. Das versprechen Hometrainer. Doch wie realistisch ist das Fahrgefühl?
TEILE DIESEN ARTIKEL

Schnee, Regen, Nebel, Kälte – die dunkle Jahreszeit ist oft nicht besonders radfahrerfreundlich. Doch wozu draußen frieren, wenn man auch drinnen radfahren kann? Es gibt viele Gründe für den Rollentrainer-Kauf. Das Wetter, die Dunkelheit, das gute Buch, das man „auf der Rolle“ lesen kann. Wir in der RennRad-Redaktion haben die Geräte teilweise auch im Hochsommer eingesetzt. Gezwungenermaßen. Einige Verletzungen, ein Sehnenriss und ein gebrochener Knochen im Daumen, angerissene Beugesehnen im Oberschenkel, machten den Wechsel nötig. Auch in Reha-Phasen ist das sichere Fahren auf der Rolle ideal.

Im Test haben wir alle wichtigen Trainer-Systeme verglichen: Klassische Rollen, Kassettentrainer, freie Rollen.

Der Klassiker

Beim klassischen Rollentrainer spannt man das Hinterrad seines Rennrads ein. Der Reifen wird nun gegen eine Metallrolle gedrückt. Der Anpressdruck auf die Rolle kann angepasst werden. Je nach System enthält die Rolle eine hydraulische oder Magnetbremse. Der Widerstand erhöht sich dann bei höherer Geschwindigkeit automatisch oder kann durch das Schalten am Rad oder mit einem extra Hebel mechanisch erhöht werden. Preislich ist dieses System meist die günstigste Lösung. Als Zusatzkosten fallen, wenn überhaupt, ein spezieller Rollenreifen oder eventuell ein zweites Laufrad an. Wer etwas mehr Geld ausgeben möchte, kann dieses Fahr-Modell dann noch (elektronisch) aufrüsten. Mit der entsprechenden Software oder App wird das Training aufgezeichnet und im Anschluss analysiert. Schon während des Trainings können unterschiedlichste Parameter abgerufen und angepasst werden. Manche Systeme erlauben es sogar „echte“ Strecken nachzufahren. Hierbei wird der Widerstand der Rolle automatisch angepasst. Wer viel und lange auf der Rolle fährt, für den ist das eine tolle Alternative.

RennRad-Tipp: Ersetzen Sie beim Einspannen immer den „eigenen“ Schnellspanner durch das mitgelieferte Modell. Erstens passt dieser genau in die Aufnahmen und zweitens kann das eigene Modell keinen Schaden nehmen.

Der Kassettentrainer

Der Kassettentrainer benötigt kein Hinterrad. Er verfügt am Antrieb über einen Zahnkranz. Hier wird der Hinterbau eingespannt. Dadurch braucht man beim Rennrad auch keine Vorderraderhöhung und kann so ein Modell sogar mit dem MTB ohne Reifenwechsel fahren. Man treibt dann nicht sein eigenes Hinterrad an, sondern ein Zusatzgewicht, ähnlich wie beim Spinning-Bike. Meist passt sich bei diesen Systemen der Widerstand automatisch an oder wird ausschließlich über die Fahrradschaltung gesteuert. Der Vorteil dieses Systems ist zweifelsfrei das äußerst realistische Fahrgefühl. Lässt man zwischendurch die Beine hängen, dann bremsen diese Trainer nicht sofort auf Null herunter. Auch hier kann je nach Modell und Geldbeutel eine elektronische Trainingssteuerung hinzugebucht werden.

RennRad-Tipp: Fragen Sie beim Kauf, ob es nicht ein Set mit Zahnkranz gibt. Und aufgepasst: Nicht alle Modelle gibt es mit Campagnolo-Freilauf.

Die freie Rolle

Dieses System ist schon sehr lange auf dem Markt. Allerdings ist es etwas aus dem Bewusstsein verschwunden. Der Grund: Es ist nicht ganz einfach zu benutzen – und bietet keine sehr hohen Widerstände. Einfach mal das Rad einspannen, das Hirn ausschalten, treten und TV schauen funktioniert hierbei nicht. Schließlich bewegt man sich auf drei frei laufenden Rollen. Dieses Training hat gleich mehrere Vorteile: Es schult die Koordination, das Fahrgefühl ist äußerst realistisch und meist auch sehr leise. Der Umgang will allerdings gelernt sein, denn schließlich können Fahrer und Rad vom Trainer herunterspringen. Zudem ist das System konstruktionsbedingt nicht für hohe Wattzahlen ausgelegt.

RennRad-Tipp: Üben Sie das Fahren zunächst in der Nähe eines Tisches oder einer Ablage, so dass man sich im Notfall abstützen kann. Wem das alles zu unsicher ist, der kann sich zum Beispiel bei Tacx eine Halterung für die Gabel kaufen. Allerdings verschwindet damit auch der gewünschte Koordinationsaspekt.

Welche Rolle passt zu mir?

… Gelegenheitsfahrer? Dann ist eine klassische Rolle mit Sicherheit das Richtige für Sie. Die Rolle ermöglicht einen vergleichsweise günstigen und einfachen Einstieg ins Indoor-Training.

… Trainingsweltmeister? Hier empfehlen wir ganz klar einen klassischen Trainer mit Zusatzsoftware oder einen Kassettentrainer. Zum einen ist das Fahrgefühl hervorragend, zum anderen können Trainingsdaten gespeichert und eine Vielzahl von unterschiedlichen Trainingarten durchgeführt werden.

… ein kraftbetonter Fahrer? Ganz klar, eine Rolle mit zusätzlich verstellbarem Widerstand.

… Purist? Selbstverständlich die freie Rolle. Sie ist anders und sie vermittelt wie kaum eine Zweite das Fahren draußen. Macht einfach Spaß.

… Fahrer 2.0? Dann geht es natürlich nur mit einem elektronischen Trainer. In unserem Fall sind das die Kassettentrainer pder die klassischen Rollen mit Smart-Funktionen.

Tipps für Mieter

  •  Verwenden Sie beim Fahren immer eine Dämpfungsmatte unter dem Trainer. Diese schluckt schon einen größeren Teil an Lärm und Vibrationen. Bei klassischen Trainern fängt sie zudem den Reifenabrieb auf.
  • Laute Musik beim Training macht Spaß. Mit Kopfhörern gefällt das auch den Nachbarn.
  • Beachten Sie die vorgegebenen Ruhezeiten in der Hausordnung.
  • Klackern Sie nicht mit den angezogenen Rennradschuhen durch die Wohnung. Das schont die Nachbarn und den Fußboden.
  • Wer sein Rad im Winter sowohl drinnen als auch draußen benutzt, sollte das Putzen vor dem Indoor-Training nicht vergessen. Alternative: Ein Zweitrad oder zumindest ein zweites Laufrad (bei der klassischen Rolle) für entweder drinnen oder draußen.
  • Reden hilft: Suchen Sie das Gespräch mit den Nachbarn und erklären Sie das „Geräusch“.
  • Fragen Sie beim Kauf gezielt nach leiseren Geräten. Im Zweifelsfall kann man die Geräte im Geschäft mit einer Dezibel-App (z.B. von Uvex) vergleichen. Das ist zumindest ein erster Anhaltspunkt. Denn bei allen Trainern gilt: Wer schneller fährt, der produziert auch mehr Lärm. Und da werden aus angenehmen 50 bis 60 Dezibel bei 25 km/h schnell 80 Dezibel bei 40 bis 45 Sachen.

Schlagworte
envelope facebook social link instagram