Laufräder, Test
Allround-Laufräder für das Rennrad im Windkanal- und Praxistest

Schnelle Allrounder

Allround-Laufräder für das Rennrad im Windkanal- und Praxistest

Leicht, schnell – und für alle Terrains: elf Laufräder mit mittleren Felgenhöhen von 24 bis 35 Millimetern und zwischen 400 und 1800 Euro im großen RennRad-Test.
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Dieser Test umfasst die „goldene Mitte“. Im allgemeinen Sprachgebrauch beschreibt diese Phrase eine gemäßigte Lösung zwischen zwei Extremen oder, anders gesagt, einen vernünftigen Kompromiss. Dies trifft auf die Laufrad-Modelle dieses Testfeldes zu: Es geht darin um Modelle, die für den goldenen Mittelweg stehen – Allround-Laufräder mit Felgenhöhen von 24 bis 35 Millimetern. Die mittelhohen Felgen sind meist recht leicht, schon etwas aerodynamisch-optimiert und preislich in der Regel noch in einem attraktiven bis vertretbaren Rahmen. Sie bieten somit einen Kompromiss zwischen sehr leichten, aber oft auch teuren Berg- und schnellen Aero-Laufrädern, die durch ihre hohen Felgen oft schwerer und zudem teurer sind.

Die Ausgangsfragen zu diesem Test lauteten: „Wie aerodynamisch sind Felgenbremsen-Laufräder mit halbhohen Felgen? Eher mäßig wie bei flachen Ausführungen? Oder schon ,windschnittig‘ wie bei richtigen Aerolaufrädern?“

Diese Fragen beantworteten wir mit aufwendigen Versuchsreihen im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee. Hier prüften wir die aerodynamischen Qualitäten der elf Testmodelle. Fakt ist: Der gesamte Luftwiderstand eines Radfahrers wird in der Regel zu 75 Prozent vom Fahrer und zu 25 Prozent von seinem Rennrad erzeugt. Die beiden Laufräder sind demnach als Teil des Rennrades nur mit acht Prozent am gesamten Luftwiderstand beteiligt. Betrachtet man ausschließlich die Laufräder, so sind die Strömungsverluste zu 80 Prozent dem Vorderrad zuzuschreiben und nur zu 20 Prozent dem Hinterrad, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht. Aus diesen Gründen reicht es völlig aus, bei einem Aerotest nur die Vorderräder im Windkanal zu messen – dies entspricht der üblichen Testvorgehensweise.

Allround-Laufräder: Windkanal und Praxistest

In unserem Versuchsaufbau wurden die Vorderräder in eine Halterung, ähnlich einer Gabel, eingespannt. Die Verlustleistung der Halterung selbst wurde herausgerechnet. Die Windgeschwindigkeit im Kanal betrug 45 Kilometer pro Stunde, die klassische Bezugsgeschwindigkeit für Zeitfahrer und Triathleten. Jedes Laufrad wurde mit derselben Geschwindigkeit über eine Walze angetrieben. Da eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h für viele Hobbyradsportler jenseits der Realität ist, nahmen wir für jedes Laufrad eine zweite Messung vor – bei 35 Kilometern pro Stunde.

Für jede Messung zogen wir den gleichen Reifen auf, einen Continental GP 5000, da selbst unterschiedliche Reifen gleichen Typs die Ergebnisse um bis zu ein Watt beeinflussen können. Die Messtoleranz betrug +/- 0,2 Watt. Bei den Messungen im Windkanal dreht sich der komplette Versuchsaufbau seitlich von minus nach plus 20 Grad, um auch die Seitenwindverhältnisse abzubilden. Einschließlich der Frontalanströmung bei null Grad erhalten wir für jeden Winkel einen Messwert.

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Welcher Winkel charakterisiert Laufräder?

Doch welcher Winkel mit der dazugehörigen Leistung charakterisiert ein Laufrad am besten? Das Auswertungs-Programm von GST berechnet die „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit von den Anströmwinkeln. Dies bedeutet, dass jeder einzelne Winkel mit der dazugehörigen Leistung in dem Maße prozentual gewichtet wird, wie er im Praxiseinsatz auf der Straße vorkommt. Null Grad wird am häufigsten vorkommen und viel höher gewichtet werden als etwa 20 Grad. In unseren Testbriefen und Berechnungen arbeiten wir mit den gewichteten Leistungen. In unserem Versuchsaufbau ergaben sich für die elf Vorderräder Leistungen von 14,1 bis 21,6 Watt – bei 45 km/h. Somit spart das schnellste Laufrad gegenüber dem langsamsten ganze 7,5 Watt.

Eine weitere wichtige Frage lautet: Um wie viel schneller sind die halbhohen Laufräder im Vergleich zu flachen Varianten mit Felgenhöhen von 21 Millimetern? Als Referenz wählten wir den Satz „PR 1400 Dicut 21 Oxic“ von DT Swiss mit seiner 21-Millimeter-Felgenhöhe. Diese Wahl ist auch deshalb interessant, da dieser Laufradsatz baugleich auch mit 32 Millimeter hohen Felgen angeboten wird und auch in dieser Variante im Testfeld vertreten ist. So sind etwa für die gemessenen Leistungsunterschiede der beiden DT-Swiss-Test-Laufräder einzig die Felgenhöhen verantwortlich.

Diese Laufräder haben wir getestet

Marke Modell Preis Prädikat
DT Swiss PR 1400 Dicut 21 Oxic 999 Euro Referenz
Swiss Side Pion 401 Euro
Mavic Cosmic Elite USD 450 Euro  
Equator 30C TLR 799 Euro Kauftipp
Tune TSR 35 819 Euro  
Citec 3000 S Aero 899 Euro Preis-Leistung
DT Swiss PR 1400 Dicut 32 Oxic 999 Euro Testsieger
Mavic Ksyrium Pro Exalith 1150 Euro Allround-Tipp
Leeze C35 Road Evo WasoTestbrief 1249 Euro Race-Tipp
Campagnolo Shamal Mille 1273 Euro
Shimano Dura Ace WH-R9100-C40-CL 1799 Euro

Die ausführlichen Testberichte der Allround-Laufräder lesen Sie in der RennRad 6/2020. Hier können Sie die Ausgabe als E-Paper oder Printmagazin bestellen.

Laufräder im Windkanal-Test: Die Ergebnisse

Bei diesem Test sind alle drei Bauweisen vertreten: Aluminium- und Carbonfelgen sowie ein Laufrad-Satz in einer Hybrid-Ausführung, bei der auf die Alufelge innen ein Aero-Ring aus Carbon geklebt wird. Vier der Alufelgen sind beschichtet, um für ein besseres Bremsverhalten zu sorgen, besonders bei Nässe. Die Breiten der Felgen liegen zwischen 21 und 27 Millimetern, deren Höhen zwischen 24 und 35 Millimetern, die Gewichte zwischen 1230 und 1922 Gramm.

Als obere Preisgrenze wählten wir 1800 Euro – die günstigsten Sätze kosten rund 400 Euro. Auch wenn die Versuche im Windkanal den größten Aufwand verursachen, so fließen auch die Parameter Gewicht, Seitensteifigkeit, Bremsverhalten und Preis gleichwertig in das Endergebnis mit ein.

Die Ergebnisse aus den Windkanalmessungen finden Sie hier als Balkendiagramme. Aufgetragen ist die Leistung der Vorderräder, die erforderlich ist, um den Luftwiderstand bei 35 und 45 Kilometer pro Stunde zu überwinden. In den rechten zwei Dritteln der Balken finden sich ausschließlich Räder mit Felgenhöhen zwischen 30 und 35 Millimetern. Die drei Laufräder mit den höchsten notwendigen Leistungen weisen Höhen von 21 bis 27 Millimetern auf.

Laufräder, Test

Windkanal-Messwerte: Zu erbringende LEistung, um den Luftwiderstand des Vorderrades Zu Überwindenbei 35 km/h

Laufräder, Test

Windkanal-Messwerte: Zu erbringende LEistung, um den Luftwiderstand des Vorderrades Zu Überwindenbei 45 km/h

Mit ihren flachen Felgen war diesen Testkandidaten ein gutes Ergebnis bei der Aerodynamik verwehrt. Die Laufradsätze „Ksyrium“ von Mavic und „Shamal Mille“ von Campagnolo fanden ihren Weg in diesen Test unter anderem deshalb, weil ihre Alufelgen beschichtet und somit auf ein gutes Bremsverhalten ausgelegt sind. Sie entsprechen somit den Anforderungen, die an „Allround-Laufräder“ gestellt werden.

Leeze als Sieger im Windkanal

Als überlegener Sieger im Windkanal erwiesen sich die Leeze „CC 35 Road Waso“. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Citec „3000 S Aero“ und die Equator „30C tlr“. Diese drei Laufradsätze wurden konsequent als Aeromodelle entwickelt. Die Ergebnisse des Citec-Laufradsatzes sind hier hervorzuheben, da sie mit „nur“ 30 Millimeter hohen Felgen erzielt wurden.

Generell ist auffällig, dass vier der Test-Laufräder Felgenbreiten von nur 21 Millimeter aufweisen – während die Breiten der anderen Modelle zwischen 23 und 27 Millimetern liegen. Für diese schmalen Felgen, kombiniert mit den nominell 25 Millimeter breiten Continental-GP-5000-Reifen, ergibt sich somit ein aerodynamischer Nachteil. Denn der breite Reifen sorgt am Übergang zu der schmaleren Felge für eine Kante, in der sich der Luftstrom verwirbelt.

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Allround-Laufräder im RennRad-Windkanal-Test

Die Felgenhöhe und das Gewicht der getesteten Laufräder

Laufrad Felgenhöhe in Millimetern Gewicht in Gramm
Leeze 35 1.230
Citec 30 1.361
Campagnolo 27 1.495
DT Swiss – Referenz 21 1.501
Mavic Ksyrium 24 1.519
Tune 35 1.523
Equator 35 1.527
Shimano 33 1.560
DT Swiss 32 1.663
Swiss Side 32 1.781
Mavic Cosmic 30 1.921

Allround-Laufräder im Praxistest

Exemplarisch führten wir noch weitere Messungen mit einem 23 Millimeter breiten GP-5000-Reifen auf den beiden DT-Swiss-Testlaufrädern durch.

Das Ergebnis: fast zwei Watt Ersparnis – bei 45 km/h. Mit den 23-Millimeter-Reifen hätten sich die Laufräder von DT Swiss, Swiss Side und Shimano in der Aerodynamik-Wertung deutlich verbessert, allerdings mit leichten Abstrichen in Sachen Komfort, Rollreibung und Verhalten in Kurven. Der nominell 25 Millimeter breite Continental-Reifen baut auf der DT-Swiss-Felge 24, und auf der Equator-Felge ganze 26 Millimeter breit auf. Im Lieferumfang der beiden Mavic-Laufradsätze befindet sich die Mavic-Serienbereifung.

In einer Zusatzmessung verglichen wir diese Reifen mit dem GP 5000. Die mit dem Mavic-Laufrad „Cosmic Elite“ gelieferten Mavic-Reifen „Yksion Pro UST“ benötigen 1,1 Watt weniger am Vorderrad als der Conti, schneiden also besser ab. Mit dem Mavic „Ksyrium Pro Exalith“ wird das Mavic-Reifenmodell „Grip Link“ geliefert, das in den Messungen 0,2 Watt mehr Widerstand bot, also praktisch gleich mit dem Conti-Messmodell abschnitt.

Aerodynamik-Vorteile in der Praxis

Doch wie wirken sich solche Aerodynamik-Vorteile in der Praxis aus? Unter der erwähnten Annahme, dass das Hinterrad am Gesamt-Luftwiderstand eines Laufradsatzes mit 20 Prozent beteiligt ist, ergibt sich für den Aero-Sieger Leeze eine gesparte Leistung von 7,5 Watt bei 45 km/h und gegenüber den Referenz-Laufrädern: sechs Watt am Vorderrad und 1,5 Watt am Hinterrad. Um eine Geschwindigkeit von 45 km/h zu halten – in der Unterlenkerposition und mit gestreckten Armen – muss ein Fahrer rund 430 Watt leisten. Werden mit den Laufrädern besagte 7,5 Watt gespart, ergeben sich zwei Möglichkeiten: Für eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h muss man nun „nur“ noch 422,5 Watt leisten.

Oder: Man münzt den Leistungsgewinn in eine höhere Geschwindigkeit um – etwa dadurch, indem man 45,3 statt 45,0 km/h schnell fährt, bei gleicher Leistung. In den Testbriefen geben wir den rechnerischen Zeitgewinn auf 100 flachen Kilometern an sowie die „neue“ erhöhte Geschwindigkeit – jeweils bezogen auf die Referenzwerte und auf 35 beziehungsweise 45 km/h. Die Zeitgewinne sind bei 35 Kilometern pro Stunde höher als bei 45, da der Fahrer bei dieser Geschwindigkeit deutlich mehr Zeit für dieselbe Strecke benötigt.

Laufräder im Test: Steifigkeit und Beschleunigung

Die Seitensteifigkeit beschreibt, wie belastbar Laufräder bei einer seitlichen Krafteinwirkung sind. Waagerecht eingespannt hängten wir ein Fünf-Kilo-Gewicht, was rund 49 Newton entspricht, an die Felgen und hielten mit einer Messuhr die seitliche Auslenkung fest. Ein Laufrad mit einer sehr guten Seitensteifigkeit weist Werte von über 30 Newton pro Millimeter auf.

Ergo: Man benötigt eine recht große Kraft von 30 Newton, rund drei Kilogramm, um die Felge um einen Millimeter seitlich zu bewegen. Demnach gilt: Größere Werte sind hier besser. Im Test ergeben sich Werte zwischen 21 und 39 Newton pro Millimeter.

In der Praxis macht sich eine hohe Seitensteifigkeit bemerkbar: Das Vorderrad „läuft“ Spurrillen nicht hinterher und das Einlenken in Kurven erfolgt präziser und direkter. Im Wiegetritt und im Sprint verwinden sich steifere Felgen weniger und schleifen nicht an den Bremsbelägen.

Die Auswirkungen einer geringen Steifigkeit sind immer auch abhängig vom Fahrergewicht und vom Neigungswinkel. An den Hinterrädern prüften wir die Seitensteifigkeit auf beiden Seiten, da rechts auf der Antriebsseite wegen der Kassette die Speichen steiler stehen – und deswegen auch anders eingespeicht sind.

Welche Laufräder haben die besten Seitensteifigkeiten?

Die besten Seitensteifigkeiten finden sich bei den beiden Laufrädern von DT Swiss sowie den Modellen Mavic Ksyrium, Shimano Dura Ace und Swiss Side Pion. Am Ende des Rankings finden wir die zwei leichtesten Laufräder von Leeze und Citec – der Leichtbau stößt hier an seine Grenzen.

Jedoch bietet Leeze einen individuellen Aufbau an: Je nach Fahrertyp und Einsatzzweck können mehr oder dickere Speichen verbaut werden. Bei Citec wird generell eine zweite Variante mit mehr Speichen angeboten: statt 14/21 auch 16/21 Speichen. In den Gewichten der Laufräder sind auch die Felgenbänder enthalten. Dadurch entstehen kleine Differenzen zu den Herstellerangaben.

Bei der Beschleunigung geben wir die Energie in Joule an, die nötig ist, um ein Laufradpaar von null auf 30 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. Je kleiner der Energiewert, desto besser ist die Beschleunigung. Die Messwerte lagen zwischen 27 und 38 Joule. Bereits Differenzen von drei Joule machen sich im direkten Praxis-Vergleich klar bemerkbar, etwa beim Beschleunigen und bei der Wendigkeit. Zum Bremsverhalten erfolgte eine Messreihe von Vollbremsungen aus 25 km/h bis zum Stillstand.

Laufräder, Test

Die DT Swiss PR 1400 Dicut 32 Oxic sind die Testsieger in unserem Laufräder-Test

Laufräder-Test: Fazit und Bremsverhalten

Um reproduzierbare Werte zu erhalten, nutzten wir für dieses Test-Prozedere nur die vordere Felgenbremse. Um das Nassbrems-Verhalten zu bestimmen, besprühten wir die Felgen vorher mit Wasser. Aus jeweils fünf Messungen berechneten wir das arithmetische Mittel. Beim Bremsverhalten glänzten die beschichteten Felgen von DT Swiss, Campagnolo und Mavic – mit deutlichem Abstand. Vereinfacht dargestellt wird beim Alubeschichten eine weitere Schicht „aufgeschweißt“.

Diese ist besonders hart, wodurch sich eine häufig mehrfache Lebensdauer ergibt. Bezogen auf das Bremsverhalten von Carbonfelgen überraschte das Modell von Leeze mit einem guten Ergebnis. Die meisten Test-Modelle sind auch als Disc-Varianten erhältlich. In diesen findet sich meist eine größere Anzahl gekreuzter Speichen – was oft zu etwas höheren Seitensteifigkeiten führt. Das Endergebnis: Die Race-Wertung gewinnt Leeze vor Citec und Equator.

Dem perfekten Allrounder kommen die DT Swiss PR 1400 Dicut am nächsten: Bezogen auf die Felgenhöhe von 32 Millimetern erreichen sie ein gutes Ergebnis im Windkanal. Zudem bieten sie hohe Seitensteifigkeiten, ein nur leicht überdurchschnittliches Gewicht, sehr kurze Bremswege und ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.

Auf den nächsten Plätzen reihen sich die Modelle von Campagnolo und Mavic ein. In der nächsten RennRad-Ausgabe finden Sie die Fortsetzung dieses Tests. Darin dreht sich alles um Aero-Laufräder mit Felgenhöhen zwischen 58 und 63 Millimetern und ihre Performance. Im Windkanal. Und auf der Straße.

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