Schnell und sicher – aber nicht ohne Schwächen
Pirelli P Zero Race TLR SL-R im Test
in Test & Technik
Der Pirelli P Zero Race TLR SL-R soll eine kompromisslose Performance bieten. Ein geringer Rollwiderstand, ein präzises Handling und eine aerodynamisch optimierte Form sollen ihn zum Reifen für Rennen und schnelle Ausfahrten machen. Im sechswöchigen Praxistest über rund 2000 Kilometer konnte er diese Qualitäten eindrucksvoll zeigen.
Das Ergebnis fällt dennoch nicht uneingeschränkt positiv aus. Während das Fahrverhalten, der Komfort und die Kurvensicherheit auf einem absoluten Top-Niveau liegen, sorgten die schwierige Montage und vier Pannen für Ernüchterung.
Testbedingungen
Getestet wurde der P-Zero-Race-TLR-SL-R-Reifen in der nominellen Breite von 28 Millimeter auf Vision-Metron-45-RS-Laufrädern. Die Felgen messen innen 23 Millimeter und außen 31,1 Millimeter. Montiert erreichte der Reifen eine tatsächliche Breite von 30 Millimetern und harmoniert damit sehr gut mit der Felge. In der getesteten Größe 28-622 gibt Pirelli das Gewicht mit 275 Gramm an.

28 Millimeter nominell, rund 30 Millimeter gemessen: Auf den Vision-Metron-45-RS-Laufrädern mit 23 Millimeter Maulweite fällt der SL-R breiter aus als angegeben.
Die Reifen wurden nicht tubeless montiert, sondern mit TPU-Schläuchen von Pirelli gefahren. Je nach Strecke und Bedingungen lag der Reifendruck zwischen 4,1 und 4,6 bar bei einem Fahrradgewicht von knapp sieben Kilogramm. Die Testfahrten fanden überwiegend auf Asphalt und gut ausgebauten Güterwegen statt.
Montage etwas schwerfällig
Bereits bei der Montage zeigte sich, dass der Reifen und die Felge äußerst eng aufeinander abgestimmt sind. Der SL-R ließ sich nur mit erheblichem Kraftaufwand aufziehen. Ein Reifenheber war zwingend notwendig.
Auch bei der Demontage sitzt der Reifen sehr fest im Felgenhorn. Das erschwert einen Schlauchwechsel unterwegs deutlich. Die Vision-Metron-45-RS-Laufräder sind keine ungewöhnlich konstruierten Exoten, dennoch erwies sich diese Kombination als ausgesprochen stramm.
Der feste Sitz hat allerdings auch eine positive Seite. Bei einem plötzlichen Druckverlust vermittelt die Verbindung ein gewisses Sicherheitsgefühl, da der Reifen nicht ohne Weiteres vollständig von der Felge springen dürfte. Das ist keine technische Garantie, angesichts der festen Verankerung aber zumindest ein beruhigender Gedanke.
Pannenschutz weniger ausgeprägt
Im Laufe des Tests kam es zu vier Pannen am Hinterrad. Bei einem Defekt hatte sich eine Falte im TPU-Schlauch gebildet. Möglicherweise war der Schlauch bei der Montage leicht verdreht und konnte sich aufgrund des engen Sitzes nicht vollständig glatt verteilen. Die genaue Ursache lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Für die Montage empfiehlt es sich daher, ausschließlich neue Schläuche zu verwenden.
Bei den drei weiteren Pannen handelte es sich um Durchstiche. Natürlich gehört bei Defekten immer auch etwas Pech dazu. Die Strecke, Fremdkörper und der Auftreffwinkel können darüber entscheiden, ob ein Reifen beschädigt wird. Vier Pannen auf rund 2000 Kilometern hinterlassen dennoch einen enttäuschenden Eindruck – besonders bei einem hochpreisigen Performance-Reifen.
Nach den Problemen mit dem Schlauch wurde dem SL-R im Tubeless-Setup eine weitere Chance gegeben. Doch die Dichtmilch konnte das vorhandene Loch bereits bei der Montage nicht verschließen und lief vollständig wieder heraus.

Auf der Straße überzeugt der SL-R mit einem präzisen Handling, hohen Komfort und viel Vertrauen in schnellen Kurven.
Überragendes Fahrgefühl
So kritisch die Pannenbilanz ausfällt, so überzeugend präsentiert sich der SL-R auf der Straße. Er vermittelt einen ausgezeichneten Kontakt zum Untergrund und reagiert direkt auf Lenkbewegungen. Das Fahrgefühl bleibt dabei kontrolliert und nie nervös.
Besonders in schnellen Kurven entsteht viel Vertrauen. Auf Abfahrten wirkt der SL-R subjektiv schneller als der Pirelli-P-Zero-Race-RS-Reifen. Ein objektiv gemessener Vorteil lässt sich daraus nicht ableiten, der Eindruck von Leichtfüßigkeit und Geschwindigkeit ist jedoch deutlich vorhanden.
Überraschend hoch fällt auch der Komfort aus. Trotz seiner Rennorientierung wirkt der Reifen nicht unnötig hart. Kleinere Unebenheiten werden gut verarbeitet, ohne dass die direkte Rückmeldung verloren geht.
Der Großteil des Tests fand bei trockenen Bedingungen statt. Auf nassen Abschnitten blieb das Verhalten ebenfalls sicher und berechenbar. Für eine abschließende Beurteilung bei dauerhaft nasser Fahrbahn waren es allerdings zu wenige Regenkilometer.
Harmonischer Übergang zur Felge
Auch optisch und konstruktiv wirkt die Kombination mit den Vision-Laufrädern gelungen. Der montierte 30 Millimeter breite Reifen bleibt knapp innerhalb der 31,1 Millimeter breiten Felge. Dadurch entsteht ein sauberer, nahezu planer Übergang ohne deutlich erkennbare Stufe.
Das wirkt aerodynamisch sinnvoll. Ob daraus unter realen Bedingungen ein messbarer Vorteil entsteht, wurde im Praxistest nicht überprüft. Die Kombination macht jedoch den Eindruck, konsequent auf einen gleichmäßigen Luftstrom ausgelegt zu sein.

Der montierte 30 Millimeter breite Reifen bildet mit der außen 31,1 Millimeter breiten Vision-Felge einen nahezu bündigen Übergang.
Einsatzbereich und Verschleiß
Der SL-R richtet sich an Fahrer, bei denen die Geschwindigkeit an erster Stelle steht. Für Rennen, schnelle Trainingsfahrten und sportliche Ausfahrten bringt er die passenden Eigenschaften mit.
Als kompromissloser Performance-Reifen dürfte er schneller verschleißen als der Pirelli-P-Zero-Race-RS-Reifen. Eine belastbare Aussage zur gesamten Laufleistung ist nach 2000 Kilometern noch nicht möglich. Für den Alltag könnten der hohe Preis und die voraussichtlich geringere Laufleistung das Gesamtpaket aber weniger attraktiv machen.
Fazit
Der Pirelli P Zero Race TLR SL-R ist ein beeindruckender Reifen, solange das Fahrverhalten im Mittelpunkt steht. Er fühlt sich sehr schnell an, bietet einen hohen Komfort und vermittelt in Kurven sowie in Abfahrten viel Sicherheit. Auch der nahezu nahtlose Übergang zur Vision-Felge wirkt durchdacht.
Dem stehen jedoch gewichtige Nachteile gegenüber. Die Montage ist kraftaufwändig, Reparaturen werden durch den festen Sitz im Felgenhorn erschwert und vier Pannen auf rund 2000 Kilometern sind trotz eines möglichen Anteils an Pech zu viel. Auch der Tubeless-Versuch konnte das Bild nicht verbessern.
Für Rennen und besonders schnelle Ausfahrten bleibt der SL-R ein faszinierender Reifen.
Pirelli P ZERO Race TLR SL-R 28 mm: Technische Daten
- Modell: Pirelli P ZERO Race TLR SL-R
- Einsatzbereich: Rennrad, Straße und Zeitfahren
- Reifengröße: 28-622 (28 Millimeter)
- Ausführung: Tubeless Ready
- Gewicht: 275 Gramm
- Karkasse: LiteCORE
- Karkassendichte: 120 TPI
- Gummimischung: SmartEVO²
- Aerodynamik-Technologie: PAAS (Pirelli Advanced Aerodynamic System)
- Profil: Slick mit Mikrotextur und integrierten Aerodetails
- Herstellung: Italien
- UVP: 104,90 Euro
Mehr zum Pirelli P Zero Race TLR SL-R
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