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Q36.5 und SRM kündigen ein neues Pedal- und Schuhsystem an

Q36.5 x SRM: neuartiges Pedal- und Schuhsystem

Q36.5 und SRM kündigen ein neues Pedal- und Schuhsystem an

Der italienische Bekleidungshersteller Q36.5 und SRM, der deutsche Spezialist und Erfinder des Leistungsmessers im Radsport, haben ein neuartiges Pedal- und Schuhsystem mit extrem niedriger Bauhöhe entwickelt. Die Hintergründe und ein erster Test.
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Q36.5 und SRM haben gemeinsam ein neuartiges Pedal- und Schuhsystem angekündigt, das laut beiden Unternehmen eine neue Referenz in puncto Kraftübertragung und biomechanische Effizienz setzen soll.

Das neue System reduziert die sogenannte „Stack Height“ – also den Abstand zwischen der Pedalachse und der Fußsohle – um mehr als acht Millimeter im Vergleich zu vielen gängigen Rennradpedalen in Kombination mit anderen Radschuhen. Das Ziel ist eine direktere, gleichmäßigere und effizientere Kraftübertragung bei jeder Pedalumdrehung.

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Effizienz & Ergonomie

Das Pedal wurde von SRM konstruiert, dem deutschen Unternehmen, das als Pionier der Leistungsmessung im Radsport gilt. Anders als bei früheren Entwicklungen handelt es sich jedoch nicht um ein Powermeter-Pedal, sondern um eine rein mechanische Neuentwicklung, die auf maximale Effizienz und Ergonomie ausgelegt ist.

Entwickelt wurde das Projekt in enger Zusammenarbeit zwischen Luigi Bergamo, dem Gründer, Inhaber und maßgeblichem Entwickler von Q36.5, und Ulrich Schoberer, dem Geschäftsführer von SRM und Erfinder des ersten Powermeters.

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Entwicklung & Ziele

Der Ausgangspunkt des Projekts war laut Q36.5 ein technisches Gespräch zwischen Bergamo und Schoberer. Bergamo hatte zuvor bei internen Tests mit ultradünnen Carbonsohlen und speziellen Cleat-Befestigungen festgestellt, dass ein niedrigeres Pedal-Sohlen-Verhältnis das Fahrgefühl und die Tritteffizienz deutlich beeinflussen kann.

Daraufhin fragte er Schoberer, ob es möglich sei, ein Pedal zu entwickeln, das die Bauhöhe noch weiter reduziert als alle bestehenden Systeme. Schoberer griff die Idee auf und nach rund sechs Monaten Entwicklungsarbeit präsentierte er Bergamo einen ersten funktionsfähigen Prototypen.

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Die Carbonsohle der Unique-Pro-Rennradschuhe wurde überarbeitet.

Das neue System kombiniert den überarbeiteten Unique-Pro-High-End-Rennradschuh von Q36.5 mit einem speziell entwickelten SRM-Pedal zu einer Einheit. Beide Komponenten wurden gemeinsam entworfen, um sämtliche Übergänge zwischen der Sohle, dem Cleat und dem Pedal zu optimieren.

Die Carbonsohle des Schuhs ist mit einer Dicke von weniger als 2,2 Millimetern beziehungsweise 4,4 Millimetern im gesamten Cleat-Montagebereich extrem dünn und verfügt über einen integrierten Cleat-Kanal, der das Pedal direkt aufnimmt – ohne Adapterplatten, Zwischenlagen oder überflüssige Hardware. So sitzt der Fuß spürbar näher an der Pedalachse. Q36.5 spricht in diesem Zusammenhang von einem „mechanisch direkteren“ Tritt, bei dem die Energieübertragung ohne Umwege auf die Kurbel erfolgt.

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Das Pedal trägt die offizielle Bezeichnung SRM X-Power II Road Pedal. Es verfügt über eine sehr geringe Bauhöhe und eine große Kontaktfläche zwischen Schuh, Cleat und Pedal von 1653 Quadratmillimetern. Der Pedalkörper besteht aus eloxiertem Aluminium, wahlweise geschmiedet aus 6066 oder CNC-gefräst aus 7075, und ist in mehreren Farben erhältlich – standardmäßig in Titan-Grau oder Schwarz, optional auch in Rot, Orange, Blau oder Violett.

Im Inneren kommen Nadel- und Kugellager zum Einsatz, kombiniert mit einem zweifachen Dichtungssystem, um Schmutz, Wasser und Staub effektiv fernzuhalten.

Eine Version mit integriertem Leistungsmesser ist derzeit nicht geplant – laut SRM, um Gewicht, Komplexität und Wartungsaufwand gering zu halten. Das Ziel bei der Entwicklung war eine robuste, wartungsarme und technisch präzise Lösung für ambitionierte Fahrer, die auf ein „reines“ Fahrgefühl und eine maximale Effizienz Wert legen.

Speziell entwickelt wurde das minimalistische Cleat-System, ein Zwei-Schrauben-Design, das vorerst nur mit dem Unique-Pro-Schuh kompatibel ist. Die Cleat-Oberfläche ist nur einen Millimeter dick.

Stack Height & Aerodynamik

Die gemessene Stack Height liegt bei 8,7 Millimetern für das Pedal allein beziehungsweise bei 9,7 Millimetern inklusive Cleat. Damit zählt das System zu den derzeit flachsten Rennradpedalen auf dem Markt. In Verbindung mit der extrem dünnen Außensohle der Q36.5-Rennradschuhe ergibt sich gegenüber vielen gängigen Kombinationen aus Schuh und Pedal eine um mehr als acht Millimeter geringere effektive Systemhöhe.

Zum Vergleich: klassische Rennradpedale von Look weisen typischerweise eine System-Stack-Height von etwa 14 bis 16 Millimetern auf, bei Shimano liegt der Bereich je nach Modell bei 14,5 bis 16,5 Millimetern. Time-Pedale bewegen sich um 14,5 bis 15 Millimeter, während Wahoo-Speedplay-Setups nominell mit etwa 8,5 bis 11,5 Millimeter sehr niedrig bauen. Bei Speedplay sitzt der Einrastmechanismus jedoch in der Schuhplatte. Da für Drei-Loch-Rennradschuhe eine Adapterplatte erforderlich ist, erhöht sich die effektive Systemhöhe in der Praxis meist um etwa zwei bis drei Millimeter.

Das neue Ekoi PW8 erreicht mit 8,0 Millimetern Systemhöhe aktuell den geringsten Wert – allerdings nur in Verbindung mit dem speziell dafür entwickelten Ekoi-Schuh.

Im Gegensatz zum Q36.5-SRM-System, das technisch auf einem klassischen Klickmechanismus basiert und damit in seiner Funktion an etablierte Systeme von Shimano oder Look erinnert – nur deutlich flacher gebaut –, setzt Ekoi beim PW8 auf ein völlig neues Prinzip. Statt eines zentralen Einrastmechanismus nutzt das französische System zwei voneinander getrennte Kontaktpunkte direkt an der Schuhsohle.

Laut Q36.5 soll die Reduktion der Stack Height spürbare und messbare Vorteile bringen: Durch die geringere Distanz zwischen Fuß und Drehachse werden Kraftverluste minimiert, der Pedaldruck wirkt unmittelbarer auf die Kurbel, und die Sitzposition lässt sich in der Regel etwas tiefer einstellen — was die Aerodynamik und Stabilität positiv beeinflussen kann.

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Die Stack Height des neuen Pedalsystems ist extrem niedrig.

Weitere Vorteile, die laut SRM und Q36.5 in verschiedenen Tests mit Biomechanikern sowie ehemaligen und aktiven Radprofis gemessen werden konnten: Durch die geringere Bauhöhe zwischen dem Fuß und der Pedalachse verändert sich die gesamte Tretbewegung leicht – der Hüftwinkel öffnet sich, was zu einer entspannteren, effizienteren Haltung auf dem Rad führt.

Gleichzeitig wird der obere Totpunkt der Pedalbewegung flacher, was den Übergang zwischen Zug- und Druckphase erleichtert und einen spürbar „runderen“ Tritt ermöglicht. In der Praxis ähnelt dieser Effekt biomechanisch dem Einsatz kürzerer Kurbeln: Auch hier wird der Bewegungsumfang der Beine reduziert, was die Gelenke entlastet und höhere Trittfrequenzen bei gleicher Leistung erleichtern kann.

Umgekehrt erlaubt die verringerte Stack Height des neuen Systems, kürzere Kurbeln zu fahren, ohne die Sitzhöhe wesentlich verändern zu müssen – die Sitzposition bleibt nahezu identisch, während sich die Effizienz und die Bewegungsfreiheit spürbar verbessern. Zudem zeigte sich in mehreren Testreihen, dass Fahrer mit dem neuen System bei gleicher Leistung eine höhere Trittfrequenz halten konnten.

Die geringere Distanz zwischen dem Fuß und der Achse reduziert nicht nur die seitliche Bewegung des Knies, sondern auch die vertikale Belastung in der Hüftregion – was insgesamt zu einer gleichmäßigeren Kraftverteilung und einer messbar besseren muskulären Effizienz führt.

Vorstellung & Praxis-Test

Eine erste Vorstellung des neuen Systems erfolgte im Rahmen des Q36.5 Press Camps in Bozen am 14. und 15. Oktober 2025. Dort konnten internationale Medienvertreter die neuen Komponenten erstmals begutachten und Testfahrten unternehmen. Auch wir testeten das System dort einen Tag intensiv in den italienischen Dolomiten.

Unser Redakteur reduzierte die Sitzhöhe nach der Montage der neuen SRM-Pedale zunächst um einen halben Zentimeter – rückblickend vermutlich etwas zu wenig. Aufgrund der deutlich geringeren Bauhöhe wäre eine Absenkung um rund 0,7 bis 1,0 Zentimeter wahrscheinlich passender gewesen. Dies soll im Rahmen eines geplanten Dauertests noch überprüft werden.

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Die neuen SRM-Pedale sollen ab Dezember erhältlich sein.

Dabei werden wir auch untersuchen, wie sich das neue System auf kürzere Kurbeln auswirkt. Unsere erste Testfahrt fand auf einem Rad mit 172,5-Millimeter-Kurbelarmen statt. Der geplante Dauertest wird auf einem Modell mit 170-Millimeter-Kurbelarmen erfolgen.

Das Ein- und Ausklicken funktionierte sofort sehr unkompliziert und genauso, wie unser Redakteur es auch von seinen Look- und Shimano-Pedalen und den entsprechenden Cleats kennt.

Kraftübertragung & Fahrgefühl

Schon bei den ersten Kilometern fiel die veränderte Ergonomie deutlich auf. Die Kraftübertragung fühlte sich spürbar direkter an, die Pedalbewegung gleichmäßiger und „runder“. Die tiefere Sitzposition sorgte insbesondere bei unserem Tester – mit sehr langen Beinen und einer entsprechend großen Sattel-Lenker-Überhöhung – für ein angenehmeres und gleichzeitig sportiveres und aerodynamischeres Fahrgefühl.

Besonders bei Antritten, Sprints und sehr intensiven Belastungen bergauf nahm unser Tester eine deutliche Verbesserung wahr. Das neue Pedal- und Schuhsystem fühlte sich durch die geringe Stack Height für ihn deutlich mehr nach einer „echten“ geschlossenen Einheit an als das bei anderen Systemen der Fall ist. Die Verbindung zwischen dem Fuß und dem Pedal ist deutlich „direkter“. Zudem waren bei der ersten Testfahrt die auf dem Radcomputer angezeigten Leistungsdaten konstant um etwa fünf bis zehn Watt höher als es das Körpergefühl vermuten ließ. Auch dies wollen wir in den kommenden Monaten im Rahmen mehrerer Leistungstests überprüfen.

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Die aktuellen Unique-Pro-Rennradschuhe von Q36.5 wurden von uns bereits getestet – und erhielten einen Race-Tipp.

Q-Faktor & Gewicht

Die Cleats bestehen aus PA612-Kunststoff mit zwanzig Prozent Glasfaseranteil. Sie sind in drei Bewegungsvarianten erhältlich: null, plus/minus 1,2 oder plus/minus drei Grad Float. Wir testeten die 1,2-Grad-Cleats – und fühlten uns damit sofort sehr wohl. Die aktuelle Cleat-Version erwies sich auf glatten Flächen teils als etwas rutschig.

Laut Ulrich Schoberer soll es jedoch in Zukunft auch Cleats mit einer Anti-Rutsch-Oberfläche geben. Zudem lässt sich der Q-Faktor derzeit nicht verändern. Dieser beträgt 54 Millimeter. Zum Vergleich: Der Q-Faktor von Look-Pedalen beträgt standardmäßig etwa 53, der bei Shimano typischerweise 52 Millimeter.

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Die SRM-Cleats können zudem nicht seitlich – also weder nach innen noch nach außen – justiert werden. Eine engere Fußstellung, also eine Position näher an den Kurbelarmen, ist aktuell nicht möglich. Bei unserer Testfahrt erwies sich die Position als sehr passend. Für die Zukunft plant SRM jedoch auch Pedale mit kleinerem und möglicherweise auch größerem Q-Faktor auf den Markt zu bringen.

Die Auslösehärte kann über eine kleine Einstellschraube hinten auf der Vorderseite des Pedals mit einem Drei-Millimeter-Inbus eingestellt werden. Die Schwierigkeit beim Ein- und Ausklicken lässt sich somit individuell anpassen.

Das Gesamtgewicht pro Paar inklusive Cleats und Schrauben beträgt 311 Gramm und liegt damit praktisch auf dem Niveau der Shimano Dura-Ace-Pedale mit einem Gewicht von 308 Gramm. Zunächst wird das neue Pedalsystem nur mit den speziellen Unique-Pro-Rennradschuhen von Q36.5 kompatibel sein. Laut SRM sollen jedoch bald weitere Hersteller kompatible Schuhe auf den Markt bringen.

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Vertrieben wird das System zuächst ausschließlich über ausgewählte Q36.5-Händler. Der Marktstart ist für den Dezember 2025 vorgesehen. Preisangaben liegen derzeit noch nicht vor. Der bisherige Unique-Pro-Rennradschuh von Q36.5 kostet jedoch 550 Euro. Von uns wurde er bereits intensiv getestet – und erhielt einen Race-Tipp.

Fazit:

Das neue Pedal- und Schuhsystem richtet sich an ambitionierte Radsportler, die die Kraftübertragung verbessern und eine tiefere, aerodynamischere Sitzposition auf dem Rad einnehmen wollen. Gleichzeitig bietet das System auch die Möglichkeit, kürzere Kurbeln zu fahren und dabei die Sitzhöhe kaum oder gar nicht anpassen zu müssen. Laut SRM und Q36.5 kann zudem mit einer etwas höheren Leistung gefahren werden. Nach unserer ersten Testfahrt können wir dies, gefühlt, bestätigen. Ein längerer Testbericht einschließlich der Berücksichtigung verschiedener Leistungstests folgt in den kommenden Monaten.


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