Schnell, vielseitig und dauerhaft zuverlässig
Giant Propel Advanced Pro 0 AXS im Dauertest
in Allgemein
Seit der Markteinführung im Jahr 2013 steht das Giant Propel für die Aero-Rennräder des taiwanischen Herstellers. Die mittlerweile vierte Generation ist jedoch deutlich leichter geworden und soll nicht mehr nur auf flachen, schnellen Strecken überzeugen. Nach dem ersten Test des Topmodells in Südfrankreich wurde nun das günstigere Propel Advanced Pro 0 AXS über mehrere Monate gefahren. Nach rund 2000 Kilometern zeigt sich, wie nah das Pro-Modell an das Spitzenmodell herankommt und wo im Alltag Unterschiede erkennbar bleiben.
Testbedingungen
Das Testrad kam seit Mai auf rund 2000 Kilometern zum Einsatz. Die Strecken führten überwiegend über gute Asphaltstraßen, hügeliges Terrain und ausgebaute Güterwege. Auch kurze Passagen auf festem Gravel gehörten zum Testgebiet. Die längste Ausfahrt umfasste rund 140 Kilometer. Gefahren wurde das Rad in der Serienausstattung in Rahmengröße S.
Ausstattung und Gewicht
Das Propel Advanced Pro 0 AXS ist mit der aktuellen Sram Force AXS E1, einem Quarq-Leistungsmesser, den 50 Millimeter hohen Giant-SLR-0-Carbonlaufrädern und dem einteiligen Contact-SLR-0-Aero-Cockpit ausgestattet. Die 28 Millimeter breiten Cadex-Aero-Reifen werden serienmäßig tubeless montiert.
Mit Ultegra-Pedalen, zwei Flaschenhaltern und Computerhalterung brachte das Testrad 7,2 Kilogramm auf die Waage. Dieser Wert ist angesichts der Herstellerangabe von 6,96 Kilogramm ohne Pedale plausibel und für ein Aero-Rennrad dieser Preisklasse sehr gut.
Das Propel Advanced SL setzt als Spitzenmodell auf einen leichteren Rahmen mit einer fest integrierten Sattelstütze und auf die nochmals leichteren Cadex-Max-50-Laufräder. Beim Advanced-Pro kommt dagegen eine separate und damit klassisch einstellbare Sattelstütze zum Einsatz. Viele wesentliche technische Lösungen des Topmodells übernimmt jedoch auch die Pro-Version.
Stabil und berechenbar
Im Fahrverhalten zeigt sich das Propel weniger kompromisslos, als seine ausgeprägte Aero-Form vermuten lässt. Es bleibt auch bei sehr hohem Tempo imer laufruhig und auch dann berechenbar, wenn der Asphalt auf schmalen Güterwegen etwas rauer und unebener wird. In schnellen Abfahrten entsteht dadurch viel Vertrauen. Die Lenkung reagiert präzise und agil, ohne das Rad nervös wirken zu lassen. Auf hügeligen und kurvenreichen Strecken fährt sich das Propel trotz seiner Laufruhe keineswegs träge.
Die Rahmensteifigkeit ist hoch. Im Wiegetritt und bei harten Antritten setzt das Rad die Leistung spürbar unmittelbar in Vortrieb um. Dennoch fährt es sich nicht übermäßig hart. Der Kompromiss aus Steifigkeit und Komfort ist sehr gut gelungen.
Spritzig am Berg
Beim Beschleunigen wirkt das Pro-Modell spritzig und erinnert dabei eher an das TCR als an ein klassisches, schwereres Aero-Rennrad. Auch an längeren Anstiegen macht sich das geringe Gesamtgewicht positiv bemerkbar. Das deutlich teurere Advanced SL reagiert durch seinen leichteren Aufbau subjektiv noch etwas agiler, das Advanced Pro bleibt jedoch auch bergauf weit von einem schweren und behäbigen Aero-Rennrad entfernt.
Seine Stärken zeigt das Propel besonders auf wechselhaften Strecken mit kurzen Anstiegen, schnellen Abfahrten und längeren Flachpassagen. Damit ist es nicht nur für flache Rennen interessant, sondern auch für hügelige Trainingsrunden und lange, sportliche Tagesausfahrten.
SLR-0-50-Laufräder
Die Giant-SLR-0-50-Laufräder prägen den Charakter des Rades. Ihre 50 Millimeter hohen Carbonfelgen und die breiten Carbon-Aerospeichen sorgen für eine hohe Seiten- und Antriebssteifigkeit. Beim Beschleunigen reagieren sie direkt, auf leichtem Gravel bleiben sie dennoch ausreichend kontrollierbar.
Die Cadex-Max-50-Laufräder des Topmodells verfügen über ein stärker integriertes Naben- und Speichensystem, Keramiklager sowie ein 48-Zahn-Ratchet-System. Die SLR-0-50-Modelle setzen auf gedichtete Lager und einen Freilauf mit 40 Zähnen. Mit 1410 Gramm inklusive Felgenband und Ventilen sind sie rund 120 Gramm schwerer als die Cadex-Max-50-Laufräder.
Bei Seitenwind benötigen die hohen Felgen etwas Aufmerksamkeit. Besonders für leichte Fahrer werden stärkere Böen deutlich spürbar. Die Reaktionen bleiben berechenbar, die Windanfälligkeit zählt jedoch zu den wenigen Kritikpunkten des Rades.
Cockpit und Sitzposition
Das einteilige Contact-SLR-0-Aero-Cockpit ist fein geformt und liegt in den unterschiedlichen Griffpositionen angenehm in der Hand. Die schmale Form im Bereich der Bremsgriffe unterstützt eine aerodynamische Sitzposition. Im Unterlenker bietet der ausgestellte Flare gleichzeitig viel Kontrolle auf schnellen Abfahrten.
Wird der Oberlenker als Auflagefläche für eine besonders aerodynamische Position genutzt, fällt der Platz für die Handgelenke beziehungsweise Unterarme etwas knapp aus. Davon abgesehen ist die Ergonomie sehr gelungen.
Geometrie
Mit 530 Millimeter Stack und 383 Millimeter Reach fällt die Geometrie der getesteten Größe S klar sportiv aus. Der Radstand beträgt 973 Millimeter, die Kettenstreben messen 405 Millimeter. Dazu kommen ein Lenkwinkel von 72,5 Grad und 61,4 Millimeter Nachlauf. Diese Kombination passt zum Testeindruck: Das Propel reagiert direkt auf Lenkimpulse, bleibt bei höherem Tempo aber stets gut kontrollierbar. Der 90 Millimeter lange Vorbau, der 38 Zentimeter breite Lenker und die 165 Millimeter langen Kurbeln ergeben ein kompaktes Setup für die gewählte Rahmengröße.
| Geometrie | XS | S | M | M/L | L | XL |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrlänge | 484 mm | 505 mm | 528,5 mm | 554 mm | 576 mm | 595 mm |
| Sitzwinkel | 74,5° | 74° | 73,5° | 73° | 73° | 72,5° |
| Oberrohrlänge | 520 mm | 535 mm | 550 mm | 565 mm | 580 mm | 600 mm |
| Steuerrohrlänge | 115 mm | 127 mm | 145 mm | 165 mm | 185 mm | 200 mm |
| Lenkwinkel | 71,5° | 72,5° | 73° | 73° | 73° | 73° |
| Gabelvorbiegung | 45 mm | 45 mm | 45 mm | 45 mm | 45 mm | 45 mm |
| Gabelnachlauf | 67,8 mm | 61,4 mm | 58,3 mm | 58,3 mm | 58,3 mm | 58,3 mm |
| Radstand | 971 mm | 973 mm | 980 mm | 990 mm | 1006 mm | 1020 mm |
| Kettenstrebenlänge | 405 mm | 405 mm | 405 mm | 405 mm | 405 mm | 405 mm |
| Tretlagerabsenkung | 72 mm | 72 mm | 69,5 mm | 69,5 mm | 67 mm | 67 mm |
| Stack | 515 mm | 530 mm | 546 mm | 565 mm | 582 mm | 596 mm |
| Reach | 377 mm | 383 mm | 388 mm | 392 mm | 402 mm | 412 mm |
| Überstandshöhe | 746 mm | 764 mm | 787 mm | 808 mm | 832 mm | 847 mm |
| Lenkerbreite | 380 mm | 380 mm | 400 mm | 400 mm | 420 mm | 420 mm |
| Vorbaulänge | 80 mm | 90 mm | 100 mm | 110 mm | 110 mm | 120 mm |
| Kurbelarmlänge | 165 mm | 165 mm | 170 mm | 170 mm | 172,5 mm | 172,5 mm |
| Laufradgröße | 700C | 700C | 700C | 700C | 700C | 700C |
Angaben laut Giant; Geometrie- und Ausstattungsänderungen vorbehalten.
Cadex-Reifen und Hookless-Felgen
Die 28 Millimeter breiten Cadex-Aero-Reifen wurden tubeless je nach Anforderung der Ausfahrt mit 4,0 bis 4,5 bar gefahren. Bei einem Fahrergewicht von 58 Kilogramm erwies sich dieser Bereich auf den überwiegend guten Straßen als passend. Eine allgemeine Druckempfehlung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, da das Systemgewicht, die tatsächliche Reifenbreite und der Untergrund berücksichtigt werden müssen.
Das Gripniveau der Reifen ist insgesamt in Ordnung, verlangt aber zunächst etwas Eingewöhnung, bis sich Vertrauen in das Material entwickelt. Der Komfort liegt auf einem soliden Niveau. Positiv fielen dagegen die Parameter Pannenschutz und Verschleiß auf: Während des Testzeitraums trat kein Defekt auf und auch die Abnutzung blieb nach rund 2000 Kilometern gering.
Die SLR-0-50-Laufräder besitzen hakenlose Carbonfelgen. Giant verfolgt die Hookless-Bauweise seit Jahren konsequent. Die 22,4 Millimeter breite Felge bildet gemeinsam mit dem 28 Millimeter breiten Cadex-Reifen ein abgestimmtes System. Das hakenlose Profil ermöglicht eine große Innenweite bei einem geringen Gewicht und soll die Reifenseitenwand gleichmäßiger abstützen.
Das System erfordert jedoch besondere Aufmerksamkeit bei der Reifenwahl und dem Luftdruck. Reifen und Felge müssen ausdrücklich miteinander kompatibel sein und die jeweils geltenden Druckgrenzen sind einzuhalten. Giant veröffentlicht dafür technische Hinweise und eine Kompatibilitätsübersicht. Gegenüber klassischen Hakenfelgen ist die freie Reifenwahl dadurch zumindest teilweise eingeschränkt. Wer häufig zwischen unterschiedlichen Reifenmodellen wechselt, sollte diesen Punkt berücksichtigen.
Sram Force AXS E1
Die Sram-Force-AXS-E1-Schaltgruppe passt sehr gut zum Race-Charakter des Propel. Die Schaltung arbeitet schnell und präzise. Im Testverlauf war lediglich eine kleine Nachjustierung des Schaltwerks notwendig.
Besonders überzeugen die hydraulischen Scheibenbremsen. Sie bieten eine hohe Bremsleistung, lassen sich fein dosieren und vermitteln auch auf längeren Abfahrten eine hohe Sicherheit. Die Form der Force-Bremshebel ist ergonomisch sehr gelungen und ermöglicht eine sichere Bedienung aus unterschiedlichen Griffpositionen.
Der serienmäßige Quarq-Leistungsmesser macht das Rad ohne weitere Investitionen für strukturiertes Training und Renneinsätze bereit. Im Dauertest kam es allerdings gelegentlich zu Ausfällen des Leistungsmessers. Eine eindeutige Ursache dafür ließ sich nicht feststellen.
Lackierung und Verarbeitung
Über 2000 Kilometer blieben Rahmen, Cockpit, Laufräder und Steuersatz frei von Defekten und störenden Geräuschen. Die Lackierung in Obsidian Pulse wirkt besonders im direkten Sonnenlicht hochwertig. Der Lack entwickelt dabei einen auffälligen Schimmer und betont die Rohrformen. Gleichzeitig ist die Farbe pflegeleicht und kaschiert leichte Gebrauchsspuren gut.
Die grafischen Muster und Streifen greifen eine für Giant typische Designsprache auf, bleiben bei dieser Lackierung jedoch dezent. Im Detail könnten einzelne Lackübergänge im Bereich der Steckachsen noch etwas sauberer ausgeführt sein. Dies fällt allerdings nur bei sehr genauer Betrachtung auf. Insgesamt liegen die Verarbeitung und Lackqualität auf einem hohen Niveau.
Einsatzbereich und Preis
Das Propel Advanced Pro 0 AXS richtet sich vor allem an ambitionierte Fahrer. Für Rennen, schnelle Gruppenfahrten und intensives Training bietet es eine ausgewogene Mischung aus Aerodynamik, Steifigkeit, niedrigem Gewicht und Kontrolle.
Der Einsatzbereich ist breiter, als es die ausgeprägten Aero-Rohrformen vermuten lassen. Der Fahrkomfort reicht für lange Tagesausfahrten aus und selbst feste Gravelpassagen lassen sich gut bewältigen. Für klassisches Bikepacking oder Touren mit umfangreichem Gepäck ist das Propel hingegen weniger geeignet.
Für 6500 Euro ist die Ausstattung umfangreich: Die elektronische Sram-Force-AXS-E1-Schaltgruppe, der Quarq-Leistungsmesser, das integrierte Carboncockpit und die hochwertigen Carbonlaufräder gehören zur Serie. Hinzu kommt das große Giant-Händlernetz. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist deshalb eine der Stärken des Propel Advanced Pro 0 AXS.
Fazit
Das Giant Propel Advanced Pro 0 AXS erweist sich im Dauertest als schnelles und vielseitiges Aero-Rennrad. Es beschleunigt sehr direkt, fährt sich präzise und bleibt auch bei hohem Tempo stabil und berechenbar. Der hohe Fahrkomfort und das geringe Gewicht erweitern den Einsatzbereich deutlich über flache Rennstrecken hinaus.
Die wenigen Kritikpunkte betreffen vor allem die Windanfälligkeit der 50 Millimeter hohen Laufräder, die kleine Auflagefläche am Oberlenker und das zunächst gewöhnungsbedürftige Gripgefühl der Reifen. Das Hookless-System verlangt zudem eine sorgfältige Auswahl kompatibler Reifen und die konsequente Beachtung der zulässigen Luftdrücke.
Abgesehen von den gelegentlichen Ausfällen des Leistungsmessers überzeugen nach rund 2000 Kilometern die technische Zuverlässigkeit und die hohe Verarbeitungsqualität. Gegenüber dem Topmodell bleiben kleinere Abstriche beim Gewicht und bei der Exklusivität der Komponenten. Angesichts des erheblichen Preisunterschieds ist die Pro-Version jedoch die ausgewogenere Wahl für Fahrer, die ein schnelles Renn- und Trainingsrad mit einer hohen Langstreckentauglichkeit suchen.
Giant Propel Advanced Pro 0 AXS: Technische Daten des Testmodells
- Modelljahr: 2027
- Rahmen: Giant-Advanced-Grade-Carbon
- Gabel: Giant-Advanced-SL-Grade-Carbon
- Rahmengröße: S
- Schaltgruppe: Sram Force AXS E1, elektronisch, 2 × 12
- Leistungsmesser: Quarq
- Kurbellänge: 165 Millimeter
- Laufräder: Giant SLR 0 50 Carbon, Hookless, Carbonspeichen
- Reifen: Cadex Aero, 28 Millimeter, tubeless
- Reifendruck im Test: 4,0 bis 4,5 bar
- Cockpit: Giant Contact SLR Aero
- Lenkerbreite: 38 Zentimeter
- Vorbaulänge: 90 Millimeter
- Gewicht des Testrades: 7,2 Kilogramm inklusive Pedalen, Flaschenhaltern und Computerhalterung
- Preis: 6500 Euro
- Testumfang: rund 2000 Kilometer
- Längste Testfahrt: rund 140 Kilometer
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