Scott Addict Gravel 2027 – erster Test
in Gravel
Das Wichtigste zum neuen Scott Addict Gravel
- Neue Gravel-Plattform mit einer vollständig überarbeiteten Geometrie
- 57 Millimeter maximale Reifenfreiheit
- Neues Gravel-Cockpit von Syncros
- HMX-Rahmen mit 794 Gramm laut Hersteller
- Kompletträder ab 7,8 Kilogramm laut Hersteller
- Sieben Rahmengrößen von XXS bis XXL
- Integriertes Staufach und ein umfangreiches Syncros-Bikepacking-System
- Optional integrierbares Syncros-Rücklicht
- Preise von 2799 bis 8999 Euro
Scott Addict Gravel im ersten Test: Performance & Vielseitigkeit
Gravelbikes entwickeln sich zunehmend in unterschiedliche Richtungen. Während manche Modelle den Fokus klar auf den Renneinsatz richten, sollen andere vor allem Bikepacker und Abenteurer ansprechen. Das neue Scott Addict Gravel versucht diesen Gegensatz aufzulösen. Es soll eine sportliche Ausrichtung mit zahlreichen Lösungen für lange Touren und vielfältige Einsatzbereiche verbinden. Ob dieser Spagat gelingt, konnten wir bereits vor der offiziellen Vorstellung auf zwei Ausfahrten im Schwarzwald mit insgesamt rund 90 Kilometern und 1700 Höhenmetern herausfinden.
Komfort mit System
50 Millimeter breite Schwalbe G-One-RX-Reifen mit rund 1,5 Bar Luftdruck bilden eine komfortable Basis für die erste Testausfahrt mit dem neuen Addict Gravel. Doch schon nach wenigen Kilometern entsteht der Eindruck, dass der hohe Fahrkomfort nicht allein auf die breiten Reifen und den niedrigen Luftdruck zurückzuführen ist.
Die D-Shape-Carbon-Sattelstütze, welche bereits mit dem Addict RC präsentiert wurde, bietet spürbar viel Flex. Gleichzeitig arbeiten auch die Gabel und das neu entwickelte Syncros-Cockpit effektiv mit, sodass Unebenheiten wirkungsvoll gefiltert werden, ohne dass das Rad an Präzision verliert. Das Addict Gravel vermittelt dem Fahrer sehr viel Rückmeldung vom Untergrund, wirkt dabei aber nie hart oder unruhig.
Nach Angaben von Scott konnte im Vergleich zum Vorgänger der Fahrkomfort am Heck um 25 Prozent gesteigert werden. Im Frontbereich sollen die Gabel, der schlankere Gabelschaft und das neue Cockpit für 30 Prozent mehr vertikale Nachgiebigkeit sorgen.
Ausgewogen statt extrem
Der vielleicht stärkste Eindruck der Testfahrten ist jedoch nicht der Komfort, sondern die Ausgewogenheit des gesamten Fahrverhaltens. Das neue Addict Gravel lenkt präzise ein, wirkt aber gleichzeitig auch bei höherem Tempo ausgesprochen spurtreu.
Gerade auf schnellen Schotterabfahrten vermittelt das Rad sehr viel Vertrauen. Linien lassen sich sauber halten und auch kurzfristige Richtungswechsel um größere Steine oder Wurzeln gelingen gut.
Auch auf losem Schotter bleibt das Addict Gravel gut kontrollierbar. Die ausgewogene Gewichtsverteilung vermittelt selbst in steileren Anstiegen viel Sicherheit und sorgt dafür, dass das Vorderrad präzise die Spur hält.
Bergauf macht sich zudem das geringe Gewicht bemerkbar. Auch im Wiegetritt bleibt das Fahrverhalten ausgewogen, ohne dass die Traktion auf lockerem Untergrund darunter leidet.
Scott erklärt diesen Fahreindruck unter anderem mit einer vollständig überarbeiteten Geometrie. Der Reach wächst um zehn Millimeter, gleichzeitig wird das Cockpit um zehn Millimeter verkürzt. Auch der Stack erhöht sich um zehn Millimeter. Zusammen mit dem tieferen Tretlager und einem größeren Gabelversatz soll das Fahrverhalten insbesondere auf schnellen und technischen Abschnitten mehr Sicherheit vermitteln.
Gleichzeitig entspricht die Sitzposition an den Kontaktpunkten des Rads weitgehend der des Addict RC. Neu ist außerdem die Verfügbarkeit des Rads in sieben Rahmengrößen von XXS bis XXL. Damit deckt Scott ein deutlich breiteres Größenspektrum als bisher ab und ermöglicht eine präzisere Anpassung an unterschiedliche Körpergrößen.
| Geometrie | XXS | XS | S | M | L | XL | XXL |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lenkwinkel | 70° | 70° | 70° | 70° | 70° | 70° | 70° |
| Steuerrohrlänge | 87 mm | 99 mm | 124 mm | 147 mm | 169 mm | 189 mm | 209 mm |
| Oberrohr (horizontal) | 522 mm | 532 mm | 547 mm | 562 mm | 571 mm | 583 mm | 596 mm |
| Überstandshöhe | 743 mm | 760 mm | 783 mm | 813 mm | 833 mm | 850 mm | 874 mm |
| Tretlagerabsenkung (BB Drop) | -80 mm | -80 mm | -79 mm | -78 mm | -78 mm | -78 mm | -78 mm |
| Tretlagerhöhe | 282,5 mm | 282,5 mm | 283,5 mm | 284,5 mm | 284,5 mm | 284,5 mm | 284,5 mm |
| Radstand | 1024 mm | 1036 mm | 1048 mm | 1060 mm | 1071 mm | 1084 mm | 1098 mm |
| Tretlagermitte bis Sitzrohroberkante | 415 mm | 440 mm | 460 mm | 495 mm | 515 mm | 535 mm | 565 mm |
| Sitzwinkel | 75° | 75° | 74,5° | 74° | 74° | 74° | 74° |
| Kettenstrebenlänge | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm |
| Reach | 383 mm | 390 mm | 394 mm | 398 mm | 401 mm | 407 mm | 415 mm |
| Stack | 520 mm | 532 mm | 555 mm | 575 mm | 596 mm | 614 mm | 633 mm |
| Vorbaulänge | 70 mm | 80 mm | 80 mm | 100 mm | 100 mm | 110 mm | 110 mm |
| Cockpit-Reach | 514 mm | 531 mm | 535 mm | 558 mm | 561 mm | 577 mm | 585 mm |
| Cockpit-Stack (min.) | 576 mm | 590 mm | 612 mm | 637 mm | 658 mm | 679 mm | 698 mm |
| Kurbellänge | 165 mm | 165 mm | 170 mm | 170 mm | 172,5 mm | 172,5 mm | 172,5 mm |
| Gabeloffset | 60 mm | 60 mm | 60 mm | 60 mm | 60 mm | 60 mm | 60 mm |
Entwickelt für moderne Gravelreifen
Mit einer maximalen Reifenfreiheit von 57 Millimetern gehört das Addict Gravel in diesem Bereich zu den großzügigsten Gravelbikes seiner Klasse. Entscheidend ist jedoch weniger der Maximalwert als der Bereich, für den Scott das Rad entwickelt hat: 45 bis 55 Millimeter breite Reifen. Damit folgt Scott der Entwicklung moderner Gravelbikes, bei denen breite Reifen längst nicht mehr ausschließlich für technische Strecken interessant sind.
Das serienmäßige 42er-Kettenblatt deckt die Anforderungen der meisten Streckenprofile gut ab und passt zur Ausrichtung des Addict Gravel. Das Testrad war mit Fulcrum Sharq-GR-Laufrädern und den serienmäßig montierten 50 Millimeter breiten Schwalbe G-One-RX Reifen ausgestattet. Die Laufräder besitzen eine Maulweite von 30 Millimetern und sind auf Reifen dieser Breite ausgelegt.
Wer den Fokus stärker auf eine hohe Geschwindigkeit und feste Untergründe legt, dürfte auch unter breiten Semi-Slick-Reifen interessante Alternativen finden. Gleichzeitig eröffnet die große Reifenfreiheit viel Spielraum für unterschiedlichste Einsatzzwecke. Selbst ein 55 Millimeter breiter Continental Dubnital war beim Pressecamp an einem Testrad montiert.
Die empfohlene Reifenbreite hat allerdings auch Auswirkungen auf den häufig diskutierten zweiten Laufradsatz. Zwar lässt sich das Addict Gravel grundsätzlich mit schmaleren Straßenreifen fahren, laut Scott verändert sich das Fahrverhalten dadurch jedoch spürbar. Stattdessen empfehlen die Entwickler auch auf Asphalt breite, leicht rollende Reifen wie etwa den 55 Millimeter breiten René Herse Antelope Hill. Je nach Reifenprofil, Karkasse und Luftdruck kann sich das Fahrverhalten dabei jedoch spürbar verändern.
Scott Addict Gravel: Durchdachte Integration
Im Unterrohr befindet sich ein integriertes Staufach für Werkzeug und Pannenmaterial, das über einen sauber integrierten Deckel vom Tretlagerbereich aus zugänglich ist. Optional bietet Syncros hierfür das „Save the Day“-Kit an. Ebenfalls praktisch: Das neue Addict Gravel nutzt die D-förmige Sattelstütze des Addict RC und ist dadurch auch mit dem optional erhältlichen, vollständig integrierten Syncros-Rücklicht kompatibel.
Passend zum Rahmen bietet Syncros eine verschraubbare Rahmentasche an, die für jede Rahmengröße in der passenden Größe erhältlich ist. Ergänzt wird sie durch eine ebenfalls verschraubbare Oberrohrtasche. Werden die Schrauben für das Bikepacking-Zubehör am Oberrohr oder an der Gabel nicht benötigt, schließen diese bündig mit der Rahmenoberfläche ab.
Das sorgt nicht nur für eine aufgeräumte Optik, sondern erleichtert auch die Reinigung. Für längere Touren bietet Syncros zudem ein vollständiges Bikepacking-System aus Sattel-, Rahmen-, Oberrohr- und Lenkertasche. Auch die Cargo-Lösung an der Gabel wirkt durchdacht. Optionale Flaschenhalter sitzen auf der Innenseite der Gabelscheiden und rücken zusätzliches Gewicht näher an die Lenkachse. Nach Angaben von Scott reduziert dies die Trägheit der Lenkung bei voller Beladung um 35 Prozent.
Äußerst gelungen ist das neue Gravel-Cockpit von Syncros. Der geringe Drop erleichtert schnelle Griffwechsel. Besonders positiv fiel jedoch die neutrale Positionierung der Bremsgriffe auf. Durch einen kurzen geraden Abschnitt am Ansatz der Biegung des Lenkers, beginnt der Flare erst unterhalb des Montagebereichs der Bremsgriffe.
Dadurch stehen die Hoods deutlich „natürlicher“ als bei vielen anderen Gravellenkern, was sich im Test auch ergonomisch positiv bemerkbar machte. Als Ergänzung des „Save the Day“-Systems lassen sich in den Lenkerenden Werkzeug und ein Tubeless-Reparaturset verstauen.
Gewicht und Ausstattungsvarianten
Mit 794 Gramm für den HMX-Rahmen beziehungsweise 990 Gramm für den HMF-Rahmen setzt Scott auch beim neuen Addict Gravel weiterhin auf Leichtbau. Gleichzeitig betonen die Entwickler, die Rahmensteifigkeit bewusst leicht reduziert zu haben, um den Komfort zu verbessern.
Dieser Ansatz deckt sich mit den Eindrücken der Testfahrten. Das Addict Gravel vermittelt jederzeit eine hohe Kontrollierbarkeit, ohne nervös oder übermäßig steif zu wirken.
Das Premium-Modell soll laut Hersteller 7,8 Kilogramm wiegen. Je nach Ausstattung liegen die weiteren Varianten zwischen 8,2 und 9,4 Kilogramm.
| Modell | Schaltgruppe | Gewicht* | Preis |
|---|---|---|---|
| Addict Gravel Premium | Sram Red AXS XPLR | 7,8 Kilogramm | 8999 Euro |
| Addict Gravel 10 | Sram Force AXS XPLR | 8,2 Kilogramm | 6599 Euro |
| Addict Gravel 20 | Sram Force AXS XPLR | 8,6 Kilogramm | 5599 Euro |
| Addict Gravel 30 | SRAM Rival AXS XPLR | 8,7 Kilogramm | 3999 Euro |
| Addict Gravel 40 | Shimano GRX 1×12 | 9,4 Kilogramm | 2799 Euro |
| Addict Gravel 10 Frameset (HMX) | – | 1,8 Kilogramm | 2999 Euro |
| Addict Gravel 20 Frameset (HMF) | – | 2,0 Kilogramm | 1999 Euro |
* Herstellerangaben, Tubeless-Setup, ohne „Save the Day“-Kit.
Das neue Addict Gravel ist in fünf Komplettausstattungen sowie zwei Rahmensets erhältlich. Die Preise reichen von 2799 Euro für das Addict Gravel 40 bis 8999 Euro für das Premium-Modell. Bei den Schaltgruppen bietet das günstigste Modell eine Shimano GRX 1×12, die Top-Variante ist mit Sram Red AXS XPLR erhältlich. Je nach Modell kommen unterschiedliche Carbon- und Aluminium-Laufräder sowie Syncros-Komponenten zum Einsatz.
Erste Einschätzung & Fazit
Nach zwei Ausfahrten im Schwarzwald bleibt folgender erster Eindruck: Das neue Addict Gravel fährt sich sehr ausgewogen und stimmig. Es vermittelt viel Vertrauen, überzeugt mit einer ausgewogenen Geometrie und kombiniert seine sportliche Ausrichtung mit einem hohen Maß an Komfort und Vielseitigkeit.
Hinzu kommen zahlreiche durchdachte Detaillösungen wie das integrierte Staufach, das Bikepacking-System von Syncros oder die Cargo-Gabel, die den vielseitigen Charakter des Bikes unterstreichen.
Ganz ohne Kritik bleibt der erste Eindruck dennoch nicht. In der Praxis erschwert die montierte Triangle Bag den Zugriff auf die Trinkflasche etwas. Zudem gehören das „Save-the-Day“-Kit, die Triangle-Bag sowie das integrierbare Syncros-Rücklicht trotz der hohen Systemintegration nicht zum Lieferumfang und müssen separat erworben werden.
Für ein abschließendes Urteil wird ein ausführlicher Dauertest unter unterschiedlichsten Bedingungen nötig sein. Schon nach den ersten Testfahrten hinterlässt das neue Addict Gravel jedoch den Eindruck eines durchdachten, vielseitigen und in sich stimmigen Gravelbikes.
Mehr zum neuen Scott Addict Gravel
▶ YouTube: Erste Fahreindrücke aus dem Schwarzwald
▶ Instagram: Reel zum Launch des neuen Scott Addict Gravel
▶ Herstellerwebsite: Weitere Informationen zum neuen Scott Addict Gravel
































