Kältebarriere
Thermo-Jacken und -Radhosen 2026 im Test: Radjacken und Winter-Bibs
in Test & Technik
Grau – alles wirkt dunkel. Kein einziger Sonnenstrahl dringt durch die Wolkendecke. Die Temperaturen sind einstellig, noch im Plusbereich. Noch. Dies ist hierzulande oftmals der Alltag über viele Wochen hinweg. Die Blicke aus dem Fenster und auf das Thermometer können demotivieren. Müssen sie aber nicht – wenn man gewappnet ist: mit einer hochwertigen Radsport-Winterkleidung-Ausstattung. Die richtigen Thermo-Radjacken und -hosen machen auch lange Fahrten bei Temperaturen leicht über oder unter dem Gefrierpunkt möglich.
Die von Radsportlern traditionell angewandte Kälteschutzmethode lautet: Zwiebelprinzip. Mehrere einzelne Teile werden übereinander getragen – und die Luftschichten zwischen ihnen wirken wärmeisolierend. Die Extremformen dieses Prinzips sind heute in der Regel nicht mehr nötig, da sich die Materialeigenschaften der modernen Radbekleidungsstücke inzwischen deutlich verbessert haben. Der Schutzfaktor wurde erhöht.
Schutz vor Wind
Der oftmals entscheidende Faktor des Wärmeempfindens auf dem Rad heißt: Wind. Der Schutz vor dem kalten Fahrtwind ist absolut notwendig. Der Windchill mag im Sommer angenehm sein – doch bei Winter-Bedingungen kühlt er den Körper schnell aus.
Nicht nur das Material, sondern auch der Schnitt einer Radjacke ist hier entscheidend: Notwendig sind hier eine recht enganliegende Passform, ein höherer Kragen und gut abschließende Bündchen. Auch der Front-Reißverschluss sollte hinterlegt oder winddicht sein. Zu eng sollte der Schnitt jedoch auch nicht sein, da die Jacke bei sehr tiefen Temperaturen oftmals durch eine dünnere Zwischenlage, die man über dem Funktions-Baselayer trägt, ergänzt wird. Dies sollte man bei der Größen- und Modellwahl berücksichtigen.
Unsere Testmodelle sind fast ausnahmslos winddicht. Dafür sorgen in der Regel Softshell-Membranen wie zum Beispiel das Polartec-Aircore-Material. Diese Art von Stoff hat den Vorteil, nicht nur winddicht und bis zu einem gewissen Grad wasserabweisend, sondern auch hochelastisch und flexibel zu sein. Die Rad-Jacken sitzen demnach meist recht eng, ergo rennradtypisch und oftmals flatterfrei. An der Innenseite werden die Jacken dann in der Regel mit einem wärmeisolierenden Thermofleece unterschiedlicher Dichte und Volumina kombiniert.
Material
Doch es gibt auch Ausnahmen. So hat sich etwa das eine sehr hohe Wärme-Isolationsleistung bietende Primaloft-Material nicht als Radjacken-Stoff durchgesetzt. Die Hersteller Bioracer und Gorewear verarbeiten in ihren Test-Modellen statt des komplett winddichten Softshell-Materials einen DWR-imprägnierten dickeren Trikot-Stoff. Diese sogenannte Durable-Water-Repellent-Imprägnierung lässt Regentropfen abperlen.
Die Jacken erwiesen sich im Test aber als etwas weniger wasserabweisend als Modelle aus anderen Materialien und als nicht komplett winddicht. Dem wirkt man mit einer extrem dichten Stricktechnik entgegen. Einen anderen Weg geht man bei Q36.5. Die Ingenieure des italienischen Herstellers kombinieren am Test-Modell eine etwas starrere Außenhaut mit einer inneren, nicht fest verbundenen Fleece-Schicht. Die Luftschicht dazwischen wirkt wärmeisolierend. Dies ist eine smarte Lösung und überzeugte dementsprechend unsere Testfahrer.

Polartec AirCore: Nur die wenigsten Hersteller produzieren auch ihre Garne oder Stoffe selbst. Die meisten kaufen diese woanders ein, zum Beispiel bei Gore. Meist werden hier keine näheren Angaben gemacht. Im Testfeld ist jedoch auffällig, dass das Polartec-AirCore-Material häufig eingesetzt wird. Dieses bildet aus hauchdünnen hydrophoben Fasern Nanomembrane. Die drei verarbeiteten Schich-ten sind dann zusammen gleichermaßen winddicht, wasserabweisend und atmungsaktiv. Darüber hinaus ist das fertige Material hochelastisch, was bei eng anliegenden Kleidungsstücken ein großer Vorteil ist. Die Stoffe sind zu einem großen Teil aus Recycling-Material hergestellt und zugleich PFAS-frei. Die PFAS gehören wegen ihrer schwierigen Abbaubarkeit zu den so genannten Ewigkeitschemika-lien. Seit Mitte 2020 ist zum Beispiel die Verwendung von Perfluoroctansäure, PFOA, sowie ihrer Salze und verwandten Stoffe in der EU verboten
Atmungsaktivität
Der Faktor Atmungsaktivität erhält im Winter eine andere Gewichtung als bei einem Test von Sommer-Radbekleidung. Hier kommt auch ein einfacher physikalischer Effekt zum Tragen: Der Wärme- und der Schweißtransport von innen nach außen funktioniert deutlich besser bei unterschiedlich warmen Luftschichten. Der Luftdruck ist innen in der Jacke höher als draußen – und damit ist der Innen-Außen-Austausch während der kalten Monate effektiver.
Dennoch kommt es bei einigen Thermo-Jacken bei hohen Trainings-Intensitäten oftmals zu einem Hitze- beziehungsweise Feuchtigkeitsstau im Inneren. Bei vielen Jacken wird an der Rückseite lediglich ein dickerer Trikotstoff verarbeitet. Die warme Luft kann hier somit leichter entweichen. Diese Modelle machen dann bei regnerischen Bedingungen eine Kombination mit einer überzuziehenden Regenjacke notwendig. Bei starkem Regen ist dies aufgrund der begrenzten Wasserdichtigkeit von Softshell-Materialien ohnehin generell der Fall.
Inzwischen verfügen fast alle Winter-Radjacken über mindestens eine Außentasche im Rückenbereich. Dies ergibt Sinn, denn die Taschen eines darunter getragenen Trikots während der Fahrt und mit Handschuhen zu erreichen, ist oftmals umständlich. Meist folgen die in unserem Testfeld vertretenen Hersteller der klassischen Dreier-Rückentaschen-Kombination, die gegebenenfalls mit einer weiteren Reißverschlusstasche kombiniert sind. Ausnahmen sind hier etwa Castelli und Assos, die an ihren Test-Modellen auch seitliche beziehungsweise zusätzliche Brusttaschen verbauen.
Sichtbarkeit & Sitz-Qualität
Ein weiterer wichtiger Faktor – gerade in der dunklen Jahreszeit – lautet: Sichtbarkeit. Denn man trainiert oft bei Dämmerung oder gar in der Dunkelheit und auch tagsüber sind die Lichtverhältnisse oft trübe. Jegliche Art der passiven Sicherheit kann hier nur begrüßt werden. Dies gilt für die Farbwahl ebenso wie den Einsatz, die Größe und die Platzierung von Reflektorelementen. Diese sollten an Radjacken und -hosen eine Selbstverständlichkeit sein.
Einer der wichtigsten Ansprüche an Winter-Radhosen lautet neben dem Kälteschutz: eine dauerhaft hohe Trage- beziehungsweise Sitz-Qualität. Ein häufiger Kritikpunkt an vielen Thermo-Hosen war bis vor wenigen Jahren die oftmals mäßige Passform, insbesondere im Sitzbereich. Das Polster befand sich dann oft nicht dort, wo es sein sollte. Deswegen griffen viele Radsportler auf Überhosen ohne Sitzpolster zurück und kombinierten diese mit einer Sommer-Bib darunter.
Passform guter Winter-Radhosen
Dies hat sich inzwischen geändert. Die Passformen guter Winter-Radhosen sind oftmals mit jenen etablierter Sommer-Modelle vergleichbar. Ein Hauptgrund dafür ist der Einsatz hochelastischer Materialien. Jedoch kann sich die Passform der Thermo-Modelle mit dem Grad der Wetterschutz-Funktionen aufgrund der oftmals etwas starreren Materialien verschlechtern.
Die beste Passform bieten in der Regel lange Trägerhosen aus einem weichen Thermo-Fleece-Material. Der Nachteil: Diese Hosen halten zwar warm, sind aber weniger winddicht und wasserabweisend. Dem steuern viele Hersteller mit einer DWR-Imprägnierung entgegen. Mit dieser verfügt die Hose über einen gewissen Regen- und Windschutz. Das Wasser perlt ab und dringt nicht sofort ein. Stärkeren Regen oder dauerhaftes Spritzwasser hält die Beschichtung allerdings nicht ab. Zudem kann es sein, dass die Imprägnierung neu eingewaschen werden muss. Winter-Radhosen mit einem partiellen oder vollständigen Wetterschutz sind hingegen winddicht und deutlich stärker wasserabweisend. Sie halten teils auch längeren Regenfahrten Stand. Die Oberschenkel- und Knie-Bereiche werden bei diesen Modellen oft partiell mit einer Zusatz-Schicht, zum Beispiel aus einem wasserdichten PU-Material, geschützt.
Der Wetterschutz geht dann jedoch teils zu Lasten der Passform. Denn das Material ist straffer und etwas weniger elastisch. Ein neuralgischer Punkt bleibt allerdings auch hier: Im Gesäßbereich ist nur bei einem Test-Modell – der Hose von Löffler – wasserdichtes Material eingearbeitet.
Winddichter Latz
Ein anderes sinnvolles Detail findet sich an den Test-Modellen von Gorewear und Assos: Hier wurde vor dem Sitzpolster-Bereich eine Art winddichter Latz eingefügt. Bei den Polstern fällt in diesem Vergleichstest auf, dass diese – in der Relation zu früheren Tests – oftmals etwas „weicher“ wurden. Viele Hersteller definieren die Ausrichtung dieser Hosen beziehungsweise Sitzpolster mit dem Attribut: „für kürzere oder mittellange Distanzen.“ Die Kälteschutz-Wirkung und der Tragekomfort der Winter-Radjacken und -hosen wurden im Lauf der Jahre tendenziell immer besser. Der Sitz wurde meist enger und komfortabler.
Jedoch stiegen mit diesen Funktionsverbesserungen auch die Preise. Das günstigste Test-Modell – die Van Rysel-RCR-Extreme-Jacke – kostet 69,99, die teuerste, die Gobik Superarmour, 395 Euro.

Thermo-Jacken und Winter-Bibs im Test
Diese Thermo-Jacken für Herren haben wir getestet
| Marke | Modell | Preis | Prädikat | Bewertung |
| Alé | Fan | 215 Euro | 4,5 / 5 | |
| Assos | Equipe R Habu Winter Jacket S11 | 380 Euro | 4,5 / 5 | |
| Bioracer | Tempest Jacket | 149 Euro | 3,5 / 5 | |
| Castelli | Alpha 150 | 339,95 Euro | 4,5 / 5 | |
| Ekoi | Thermo-Radjacke | 228,07 Euro | Kauftipp | 4,5 / 5 |
| Gobik | Superarmour | 395 Euro | Race-Tipp | 4,5 / 5 |
| Gonso | Road Jacket Softshell 2 M | 149,95 Euro | 4 / 5 | |
| Gorewear | Spinshift Thermo Jacket | 179,95 Euro | Kauftipp | 5 / 5 |
| Löffler | M Bike Jacket Alpha Airblocc Light | 169,99 Euro | 4 / 5 | |
| Q36.5 | Gregarius Winter Jacket | 320 Euro | 4,5 / 5 | |
| Santini | Windbloc Thermo Jacket | 200 Euro | Kauftipp | 5 / 5 |
| Sportful | Fiandre 2 Jacket | 249,90 Euro | 4,5 / 5 | |
| Straede | Airlig Light Winter Jacket | 130 Euro | 4 / 5 | |
| Van Rysel | RCR | 69,99 Euro | Preis-Leistung | 4,5 / 5 |
Diese Thermo-Jacken für Damen haben wir getestet
| Assos | Uma GT Hashoogi Winter Jacket | 300 Euro | Race-Tipp | 4,5 / 5 |
| Ekoi | Perf Damen Thermo Radjacke | 228,07 Euro | Preis-Leistung | 4,5 / 5 |
| Gobik | Skimo Pro 2.0 | 176 Euro | Kauftipp | 4,5 / 5 |
| Gonso | Road Jacket Softshell 2 W | 149,95 Euro | 3,5 / 5 | |
| Gorewear | Tempest Windstopper Jacket | 159,95 Euro | Kauftipp | 4,5 / 5 |
| Sportful | Fiandre 2 W Jacket | 249,90 Euro | 3,5 / 5 |
Diese Winter-Radhosen für Herren haben wir getestet
| Marke | Modell | Preis | Prädikat | Bewertung |
| Alé | Voltage | 175 Euro | 3,5 / 5 | |
| Assos | Equipe R Habu Winter Bib Tights S11 | 300 Euro | Race-Tipp | 5 / 5 |
| Bioracer | Tempest Gravel Bib Tight | 159 Euro | Preis-Leistung | 5 / 5 |
| Castelli | Polare 4 Bibtight | 219,95 Euro | Kauftipp | 5 / 5 |
| Ekoi | Perf Heat Generating Ultimate Evo Bib | 330,71 Euro | 4 / 5 | |
| Gobik | Grit | 166 Euro | 4,5 / 5 | |
| Gonso | SQlab Go BibX M | 179,95 Euro | 4 / 5 | |
| Gorewear | Spinshift Thermo Bib Tights | 159,95 Euro | Kauftipp | 4,5 / 5 |
| Löffler | M Bike Bib Tights Optimus Airblocc XT | 229,99 Euro | 4,5 / 5 | |
| Q36.5 | Gregarius Winter Bib Tights | 230 Euro | Race-Tipp | 4,5 / 5 |
| Santini | Vega Dry | 250 Euro | 4,5 / 5 | |
| Sportful | Fiandre Bibtight | 169,90 Euro | Kauftipp | 5 / 5 |
| Straede | Winter Thermal Bib Tight | 180 Euro | Komfort-Tipp | 4 / 5 |
| Van Rysel | RCR Extreme | 79,99 Euro | Preis-Leistung | 4,5 / 5 |
Diese Winter-Radhosen für Damen haben wir getestet
| Assos | Uma GT Hashoogi Winter Bib Tights S11 | 240 Euro | 4 / 5 | |
| Ekoi | Collant Femme Perf Gel Power Hydrofuge | 228,07 Euro | 3,5 / 5 | |
| Gobik | Absolute 7.0 | 155 Euro | 4 / 5 | |
| Gonso | SQlab Go BibX W | 179,95 Euro | 3,5 / 5 | |
| Gorewear | Swiftride Thermo Bib Tight | 129,95 Euro | 4 / 5 | |
| Sportful | Fiandre W Bibtight | 169,90 Euro | Kauftipp | 4 / 5 |
Die ausführlichen Testberichte der Radjacken und -Hosen lesen Sie in der RennRad 1-2/2026. Hier können Sie die Ausgabe als Printmagazin oder E-Paper bestellen.

