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Tour de France

Alpe d’Huez: Geschichte, Daten und Fakten zum mythischen Berg

Alpe d'Huez: Mythischer Berg der Tour de France

Nicht einmal 2000 Meter hoch gelegen ist das Örtchen L’Alpe d’Huez in den französischen Alpen, doch der Name ist mindestens so bekannt wie jener des Alpenriesen Col du Galibier, der 2645 Meter in den Himmel ragt. Berühmt gemacht haben diesen Berg die spannenden Kämpfe bei der Tour de France. Ein Mythos der Tour-Geschichte.
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Showdown in Alpe d’Huez

Die Alpen sind das Herzstück der Tour de France. Nirgendwo sonst versammeln sich so viele Fans, nirgendwo sonst wird die Tour so umjubelt. Es gibt steilere Berge, Pyrenäenpässe, die schwerer zu befahren sind, als der 13,8 Kilometer lange Aufstieg nach L’Alpe d’Huez mit seinen 21 Serpentinen. Auch die Berge im Zentralmassiv können fordernder, brutaler sein als dieser Anstieg, der hinauf in diesen kleinen Retorten-Skiort führt. Doch nur Alpe d’Huez umgibt diesen besonderen Mythos.

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14 Kilometer und 21 Serpentinen bergauf. Das ist der Anstieg nach L'Alpe d'Huez.

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Partystimmung und Ekstase zählen zu den Zutaten jeder Alpe-d'Huez-Etappe.

Vielleicht, weil dort die erste Bergankunft in der Geschichte der Tour de France bejubelt wurde. 1952 war der 1860 Meter hoch gelegene Skiort erstmals Zielort. Der erste Etappensieger in L’Alpe d’Huez hieß: Fausto Coppi. Nach seinem Tagessieg schlüpfte Coppi ins Gelbe Trikot und baute seinen Vorsprung auf der nächsten Etappe weiter aus. Er erreichte Sestrière mit acht Minuten Vorsprung und gewann damit zum zweiten Mal nach 1949 die Tour. Nur ein einziger Alpe-D’Huez-Sieger schaffte danach noch den Tour-Gesamtsieg: der Spanier Carlos Sastre 2008. Vielleicht ändert sich dies in diesem Jahr. Die französischen Fans bauen dabei vor allem auf einen, auf den Fahrer, der die Tour 2018 gewinnen soll: ihren Landsmann Romain Bardet.

Ohne Risiko testen!

Berg der Holländer

Nach der Premiere im Jahr 1952 dauerte es fast ein Vierteljahrhundert, ehe Alpe d’Huez wieder zum Etappenziel auserkoren wurde. Joop Zoetemelk erstürmte 1976 den Gipfel als Sieger, ihm folgte sein niederländischer Landsmann Hennie Kuiper ein Jahr später. Zoetemelk siegte, genau wie sein Landsmann Peter Winnen, zweimal. Doch Gert-Jan Theunisse war 1990 der vorerst letzte Niederländer, dessen Triumph hier gefeiert wurde. Obwohl tief in den französischen Alpen gelegen, wird Alpe d’Huez der Berg der Holländer genannt.

Pantani, der Rekordmann

Hunderte von „Oranjes“ pilgern Jahr für Jahr dorthin, belagern Tage vor der Ankunft der Tour die besten Plätze, beschriften die Straßen mit aufmunternden Sprüchen und feiern große Feste, die Tour, die Fahrer und sich selbst. Seit 1994 wird die Zeit für den Schlussanstieg nach L’Alpe d’Huez offiziell gestoppt. Den „Bergrekord“ hält der Italiener Marco Pantani, der 1997 für den Anstieg 37:35 Minuten benötigte. Dass diese Zeit jedoch wohl nicht nur mit natürlichen Mitteln zustande kam, wurde spätestens nach seinen Dopingbefunden klar.

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Jan Ullrich gegen Marco Pantani. Das Duell fand 1997 in Alpe d'Huez seinen Höhepunkt.

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In 37:35 Minuten für die letzten 14,5 und 21 Kehren. Marco Pantani hält noch immer den Rekord.

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Schrie seine Freude über den Etappensieg 1997 heraus: Marco Pantani.

Hinault schreibt Geschichte

Bernard Hinault war der erste Franzose, dem 1986 der Triumph in Alpe d’Huez gelang. Im Jahr zuvor hatte Hinault zum fünften Mal die Tour gewonnen, dank der Unterstützung seines Teamkollegen Greg Lemond, dem er versprach, ihn im folgenden Jahr zum Tour-Sieg zu verhelfen. Doch 1986 sah es zunächst danach aus, dass Hinault als erster Fahrer in der Geschichte zum sechsten Mal das Gelbe Trikot nach Paris tragen würde, so überlegen kämpfte er in den Pyrenäen. Doch in den Alpen wendete sich das Blatt zugunsten des Amerikaners, der in Le Granon das Gelbe Trikot übernahm.

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Die endgültige Entscheidung fiel auf der 18. Etappe von Briancon nach Alpe d’Huez, als Hinault am Galibier noch einmal einen letzten Angriff lancierte. Aber Lemond blieb wachsam und folgte seinem französischen Teamkollegen. Gemeinsam schüttelten sie auf den noch verbliebenen 90 Kilometern bis nach Alpe d’Huez alle Gegner ab und erreichen zu Zweit den Gipfel. Hand in Hand überquerten sie die Ziellinie. In Paris stand Hinault auf Platz zwei des Podiums, hinter Lemond. Der Franzose hatte sein Versprechen gehalten.

Sturz und Auferstehung

Spektakulär war auch der Etappenerfolg des Italieners Guiseppe Guerini 1999. Der Telekom-Profi führte allein an der Spitze, hatte einen satten Vorsprung und der große Triumph war ihm sicher, als ihm ein aufgeregter Hobbyfotograf ins Rad lief und ihn zu Fall brachte. Guerini blieb zum Glück unverletzt, stieg wieder auf seine Rennmaschine und erreichte als Sieger den Gipfel.

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Alpe d’Huez – Daten und Fakten

Höhe: 1860 Meter
Talort: Bourg d’Oisans
Kurven: 21
Länge: 13,8 Kilometer
Durchschnittliche Steigung: 7,9 %
Maximale Steigung: 12 %
Im Programm der Tour: zum 30. Mal
Tour-Premiere: 1952
Schnellste Auffahrt: Marco Pantani 1997 in 37:35 Minuten

Die Sieger von Alpe d’Huez

1952 Fausto Coppi (ITA)
1976 Joop Zoetemelk (NED)
1977 Hennie Kuiper (NED)
1978 Hennie Kuiper (NED)
1979 Joaquim Agostinho (POR)
1979 Joop Zoetemelk (NED)
1981 Peter Winnen (NED)
1982 Beat Breu (SUI)
1983 Peter Winnen (NED)
1984 Luis Herrera (KOL)
1986 Bernard Hinault (FRA)
1987 Federico Echave (ESP)
1988 Steven Rooks (NED)
1989 Gert-Jan Theunisse (NED)
1990 Gianni Bugno (ITA)
1991 Gianni Bugno (ITA)
1992 A. Hampsten (USA)
1994 Roberto Conti (ITA)
1995 Marco Pantani (ITA)
1997 Marco Pantani (ITA)
1999 Giuseppe Guerini (ITA)
2001 L. Armstrong (USA) *
2003 Iban Mayo (ESP)
2004 L. Armstrong (BZT) *
2006 Fränk Schleck (LUX)
2008 Carlos Sastre (ESP)
2011 Pierre Rolland (FRA)
2013 Christophe Riblon (FRA)
2015 Thibaut Pinot (FRA)

*wegen Dopings aberkannt

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