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Costa Blanca als Trainingsregion: Informationen zur Radsport-Reise

Costa Blanca mit dem Rennrad: Frühform

Costa Blanca als Trainingsregion: Informationen zur Radsport-Reise

Sonne, Berge, Meer: Nicht nur Rad-Profis schätzen die Costa Blanca als Trainingsregion. Vom kalten und dunklen Winter ans spanische Mittelmeer. Ein Reisebericht.
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Fünf Prozent Steigung. Sauberer Asphalt, kein Verkehr. Die Sonne fühlt sich warm an auf der Haut. Blühende Mandelbäume, viel Rosa im satten Grün. Fünf Prozent Steigung – der Widerstand ist spürbar, doch nicht zu anstrengend. Mein Atem ist gleichmäßig und kontrolliert, aber schnell. Nach 20 Minuten bin ich oben: am Coll de Rates. Es ist der wohl meistgefahrene Berg des europäischen Radsport-Frühlings. Es ist so weit, obwohl ich eigentlich noch lange nicht so weit bin. 25 Grad Celsius: Sonne, Wärme, Höhenmeter. Alles passt, und doch passt es nicht. Es passt nicht zur Jahreszeit, nicht zu meinem Biorhythmus, nicht zu meiner Form, nicht zum Datum: Heute ist der 23. Januar. Seit drei Tagen bin ich hier, im gefühlten Sommer – an der Costa Blanca, in Dénia, am Mittelmeer.

Mehr Reisetipps aus der RennRad-Redaktion gibt es hier.

Costa Blanca: 30 Grad wärmer

Vor drei Tagen: minus fünf Grad in Deutschland. Schneechaos, zwei Stunden Warten auf dem Rollfeld. Drei Wochen nach dem Jahreswechsel – tiefster Winter in Bayern. Nach zweieinhalb Flugstunden: Frühling am Horn des spanischen Festlandes, zwischen Valencia und Alicante. Ein Kickstart in die Straßensaison, in den Sommer. 25 Grad plus.

Eigentlich bin ich noch nicht so weit. Die ersten Berge, die ersten Trainings in Kurz-Kurz, kommen zu früh. Die ersten Bräunungsstreifen an den Armen, an den Beinen, ein wenig Farbe im Gesicht. Vor allem: die ersten langen Anstiege.

Der Coll de Rates: Hier wollte ich hin. Seit Wochen ist dieser Berg mein Sehnsuchtsort an grauen Tagen, an denen der Schnee in der Stadt nach wenigen Stunden nur noch mehr Dreck, noch mehr Grau in den deutschen Winter-Alltag bringt. Der Coll de Rates liegt – unweit von Dénia, unweit von Calpe – mitten in der Provinz Alicante: Die Radprofis posten auf Instagram täglich Bilder von hier mit Bergen und Sonne.

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Coll de Rates, der Klassiker

Der Coll de Rates ist der Klassiker, der wohl meistgefahrene Berg der Region. Ein kleiner Hügel, manchmal im Etappenplan der Vuelta a Espana, ein wichtiger Ort in der Vorbereitung der neuen Rennsaison. Viele Profi-Teams – und auch viele Hobby-Sportler – ziehen die Costa Blanca für ein Frühjahrs-Trainingslager inzwischen den Baleareninseln vor. Das Wetter ist oftmals beständiger, die Streckenauswahl größer.

Auf der Abfahrt kommen sie mir entgegen: Astana, FDJ, Caja Rural. Die Fahrer der Profiteams, die sich auf die Rennsaison vorbereiten. Die einen unglaublich schnell im Wiegetritt, mit verzerrten Gesichtern und in gesprengten Gruppen. Die anderen ruhig, mit hoher Trittfrequenz und im Gespräch mit dem Teamkollegen in der Zweierreihe.

Die einen fahren den „Coll“ einmal, als Teil einer langen Tour. Die anderen wenden an der Passhöhe auf 620 Metern Höhe über dem Meer, das nur wenige Autominuten hinter felsig aufragenden Bergen liegt. Sattgrün sind diese Berge, die den Hang bewachsen. In der Ebene dominiert das Braun der Weinfelder, auf denen im Januar die Reben keine Trauben tragen.

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„Die ersten Berge, die ers­ten Trainings in kurz-kurz. Die ersten Bräunungsstreifen. ein wenig Farbe im Gesicht.“

Der Rollerberg

Die Fahrer schließen die Windwesten, fahren die sechseinhalb Kilometer wieder hinab, besprechen sich unten am Teamwagen und machen sich wieder an den Anstieg, auf in die nächste Wiederholung – „hill reps“. 340 Höhenmeter hat die Auffahrt von Parcent. Weniger als 14 Minuten brauchen die Profis dafür.

In die Bestenliste des Strava-Segments haben sich knapp 18.000 Sportler eingetragen. Auch deutlich analoger kann man seine Zeit messen. Am Fuße und am Gipfel des Anstieges steht ein Stoppomat, per Stempelkarte gibt er die Fahrzeit schwarz auf weiß.

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Hotel Los Caballos an der Costa Blanca

Mit aufgestellt hat den Automaten Burkhard Jost – seit 20 Jahren ist der ehemalige Schiffsbetriebsingenieur an der Costa Blanca zu Hause. Er kam als Gast ins Hotel „Los Caballos“ und kehrte nicht mehr nach Hamburg zurück. Heute betreibt er das „Los Caballos“ als Sporthotel – mit einem Pferdehof, wie der Name erahnen lässt. Außerdem leben hier: ein paar Hunde, ein Papagei, ein Hahn, der morgens schon vor den ersten Sonnenstrahlen kräht. Ansonsten: Ruhe.

Seit 2003 hat sich Burkhard Jost auf Radsport-Touristen spezialisiert. Trekkingbike, Mountainbike, inzwischen aber vor allem: Rennrad. Er holt seine Karte, zeigt mir die besten Strecken und jene Abschnitte, in denen ich garantiert auf Profiteams treffen werde. Mit seiner Agentur Costa Blanca Radsport (CBR) ist Jost einer der größten Guiding- und Radverleih-Anbieter in Dénia und der Region.

Auch viele andere Hotels arbeiten mit ihm zusammen. Jost selbst fährt im Jahr gut 14.000 Kilometer Rennrad – für sich selbst und für seine Gäste. Vor allem im Frühjahr und im Herbst sitzt er auf dem Rad. Der Juli und der August sind aus seiner Sicht die schlechtesten Monate zum Radfahren – denn dann ist es in der Gegend heiß und vor allem schwül.

Immobilienboom an der Costa Blanca Anfang der Neunziger

Groß, drahtig und braungebrannt steht Jost, Jahrgang 1964, im tiefsten Winter vor uns deutschen Touristen, die ihre Beine und Arme zum ersten Mal in dieser Saison an die Sonne, an die Luft lassen. Die seit Jahreswechsel kaum Höhenmeter gefahren sind. Er zeigt uns seine Leihrad-Garage, seine Werkstatt. Die Räder werden vor allem von Deutschen, Franzosen, Niederländern und Briten gefahren. Die Deutschen sind aus der Gegend kaum wegzudenken.

Anfang der 1990er-Jahre boomte der Immobilienhandel an der Costa. Vor allem Deutsche investierten in Ferienwohnungen oder Häuser, nicht wenige zog es dann ganz nach Spanien, vor allem nach ihrem Rentenbeginn. In manchen Orten machen deutsche Auswanderer ein Drittel der Bevölkerung aus. Wöchentlich erscheinen auf Deutsch die „Costa Blanca Nachrichten“, darin: Anzeigen von Immobilienhändlern und Fachanwälten für Erbrecht.

Josts Küchenchef Valentin serviert Oliven, Weißbrot und Aioli, als wir bei 25 Grad auf der Terrasse sitzen und die Touren planen. Ich wusste, dass es warm wird. Aber ich wusste nicht mehr, was warm heißt. Nach November, Dezember, Januar war Wärme etwas Abstraktes geworden. Jetzt ist sie greifbar, spürbar, fühlbar.

In den Sommer

Es war ungewohnt warm, als das Flugzeug der Linie Iberia landete. Es war ungewohnt, zum ersten Mal ohne Jacke, ohne Pul­lo­ver in der Sonne zu sitzen. Ungewohnt, aber gut. Genau wie die erste Fahrt auf dem Rad: Helm und Sonnenbrille auf, Sattelhöhe einstellen, Schuhe einklicken. Auf die Straße, treten. Fahrtwind an den Händen spüren, an den Armen, an den Beinen.

Auf meine längste Tour begleitet mich Samuel, einer der vielen Guides, mit denen Burkhard Jost arbeitet. Wir fahren morgens in Dénia los, es geht nach La Vall de Ebo, ins Orna-Tal, über den kleinen Orba-Pass ins Hinterland. Durch eine karge Landschaft, über trockene Flussbetten hinweg. In der Nähe der Küste tragen die Orangenbäume reife Früchte. Junge Männer in zerschlissener Kleidung verpacken die Ernte kistenweise in Lastwagen. Im Landesinneren kündigt sich die Mandelblüte an, die Bäume bringen rosafarbene Flecken in das Grün und Braun der Gegend.

Kaum motorisierter Verkehr

Samuel zeigt mir Weinberge, Terrassenlandschaften und Höhlen bei Pla de Petracos, in denen die Bauern einst Trauben zu Rosinen trocknen ließen. Und Höhlen, tief im Berg, die mit seltenem Schnee gefüllt wurden und in vorelektrischen Zeiten bis in die warmen Monate als Kühlschrank dienten. Für uns zählt heute jedoch: das Grau und Schwarz des Asphalts auf den überwiegend guten Straßen. Kaum Schlaglöcher, kaum Frostschäden, kaum Spurrillen, und vor allem: kaum motorisierter Verkehr.

Die Straßen sind fast überall recht breit, allen voran die Verbindung zwischen Benigembla und Castell de Castells. Zwölf Kilometer nahezu ohne Autoverkehr und mit einem fast perfekten, dunklen Asphaltbelag. Die Straße war einmal kleiner, schmaler, schlechter. Inzwischen ist sie in bestem Zustand. Burkhard erzählt mir, warum. Ausbesserungen standen an, für die Reparaturen fehlte aber Geld. Das gab es nur, wenn es sich um wichtige Verbindungsstraßen handelte – mit einer gewissen Breite. So wurde erst die Straße verbreitert, dann kam das Geld – die Radsport-Touristen sind dankbar für solche „Weitsicht“.

Schattiger Abschnitt

Viel Schatten liegt auf diesem Abschnitt, wir frösteln sogar, fahren nebeneinander und sind ansonsten alleine. Ab und an kommen uns andere Radsportler entgegen. Einsam oder in Gruppen, jung und alt, gemütlich oder sehr schnell. Achtsam sind die meisten Autofahrer ohnehin – Radfahrer ist man hier gewohnt, und Verkehrsschilder mahnen an eineinhalb Meter Sicherheitsabstand beim Überholen.

Nach der Hälfte der Strecke halten wir an und zelebrieren das spanische Trainingspausen-Ritual – weil es dazugehört und weil wir es brauchen: Wir setzen uns auf die Terrasse einer Bar, in einem ruhigen Dorf mitten im Hinterland. Schöne alte Häuser, kaum ein Mensch auf der Straße. Wir bestellen: Bocadillos, Weißbrot-Sandwiches mit Olivenöl, belegt mit Käse, Schinken, Omeletts, Tomaten. Danach: Café Solo, also Espresso, oder Café Cortado, ein kleiner Milchkaffee. Beliebt und weniger radsportgeeignet: der berühmte Café Tia Maria – Espresso mit einem Schuss Likör.

Anstieg zur Höhle Cueva del Rull

Nach dieser ersten Kaffeepause der Saison kommen die letzten 40 Kilometer der Runde. Jetzt geht es erst richtig los. Der Anstieg zur Höhle Cueva del Rull ist kurz, aber steil. Bis zu 18 Prozent Steigung – wir müssen aus dem Sattel gehen. Für uns ist dies eine Herausforderung, eine große Rampe. Für die Radprofis ist dieser Anstieg wohl kaum mehr als eine Bodenwelle.

„Es ist unmöglich, in dieser Gegend einen KOM zu gewinnen“, sagt Samuel und deutet auf seinen Radcomputer, der seine Fahrten für die Bestenlisten der Plattform Strava aufzeichnet. KOM steht für „King of the Mountain“, also denjenigen, der die Bestzeit an einem der Anstiege hält.

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„Es ist unmöglich, hier ­einen KOM zu gewinnen.“

Auch Samuel wird es jetzt endlich, nach 200 Höhenmetern, warm – obwohl sich die rund 20 Grad Celsius von heute für ihn noch beinahe winterlich anfühlen. Ich trage kurze Hosen und ein kurzes Trikot. Samuel fährt in Armlingen, Beinlingen, langen Handschuhen und einer Windweste. Vor den Abfahrten zieht er jedes Mal noch seine lange Windjacke an.

Erste Berührung mit dem Sommer

Es geht weiter: leicht bergauf, leicht bergab. Kaum eine der vielen kurzen Steigungen hat mehr als fünf Prozent. Das wellige Terrain ist nicht allzu fordernd. Was mir sehr entgegen kommt, so früh im Jahr. Meine ersten Höhenmeter sind sanft, meine ersten Runden mit mehr als 100 Kilometern in diesem Jahr fahre ich hier, in der Wärme Spaniens. Umgeben von duftenden Orangen- und blühenden Mandelbäumen.

Dies ist meine erste Berührung mit dem Sommer, mit langen Bergen und Höhenmetern. Dies ist eine Flucht vor dem deutschen Winter. Ein Urlaub. Ein Erlebnis. Ein Aufladen der Batterien. Immer wieder.

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Costa Blanca: Die Region

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Costa Blanca: Die Region

Costa Blanca – der Begriff steht für die Tourismusregion des 218 Kilometer langen Küstenabschnitts in der Provinz Alicante im Südosten Spaniens. Sie beginnt bei Dénia und reicht bis nach Pilar de Horadada im Süden. Bekannte Orte sind neben Alicante und Dénia vor allem Calpe und Benidorm. Viele Orte der Gegend sind im Sommer vom Massentourismus bevölkert. Von München oder Frankfurt fliegt man nur gut 2:20 Stunden nach Valencia oder Alicante. Auf Deutsche, Holländer, Briten und weitere Nationalitäten trifft man hier aber ganzjährig – die Gegend ist bei Auswanderern beliebt.

Bereits im Winter liegen die Temperaturen tagsüber meist bei mehr als 15 Grad. Mit rund 300 Sonnentagen im Jahr empfiehlt sich die Gegend als Trainingsregion. Das Profil ist meist wellig, die vielen Anstiege sind meist nur mäßig steil. Profiteams sind während der Saisonvorbereitung häufig auf den Straßen anzutreffen. Das Verkehrsaufkommen ist im Winter und im Frühjahr gemäßigt, der Straßenbelag meist sehr gut. Weitere Informationen: www.spain.info


Sporthotel Los Caballos an der Costa Blanca, Dénia

 

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Das Sporthotel Los Caballos an der Costa Blanca

Das Sporthotel „Los Caballos“ in Els Poblets bei Dénia hat sich auf Urlaub für Radsportler spezialisiert. Der deutsche Mitbetreiber Burkhard Jost organisiert für seine Gäste Radsporturlaub aller Variationen: Die Angebote gibt es im Paket, vom Flughafentransfer über das Leihrad bis zur geführten Tour mit Begleitfahrzeug ist alles möglich. Mehrere deutschsprachige Guides betreuen Gruppen aller Leistungsstufen. Mit seiner Agentur Costa Blanca Radsport (CBR) bedient Jost auch andere Hotels in der Region. Weitere Informationen:

www.ferienoase.com | www.costablancaradsport.com


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