Aero-Helme, Test, Rennrad
Helmtest

Aero-Helme im Test: Preis, Optik, Belüftung, Gewicht, Sicherheit

Aero-Helme im einzigartigen Windkanal-Test

Sicherheit, Gewicht, Belüftung, Preis, Optik: Das sind die Kaufkriterien bei Radhelmen. Aero-Helme versprechen zudem, einige Watt Leistung zu sparen. Zu Recht? Und wie groß ist das Watt-Sparpotenzial solcher Modelle? 17 Helme in einem bisher einzigartigen Test im Windkanal.
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Der Rennradmarkt differenziert sich immer weiter aus. Für jedes Terrain bieten die Hersteller die „richtigen“ Räder. Für jedes Wetter die entsprechende Kleidung. Dieser Trend setzt sich bei Radhelmen fort: Es gibt besonders leichte und gut belüftete Helme für Bergetappen und aerodynamische für flaches Terrain. Die Aero-Helme sind „glattflächiger“ und besitzen weniger Belüftungsöffnungen.

Luftverwirbelungen sollen damit minimiert, der Luftwiderstand gesenkt und der Fahrer schneller gemacht werden. Fast alle Helm-Hersteller führen diese Modelle im Programm. Doch wie viel Leistung – und damit auch Zeit – lässt sich mit Aero-Helmen gegenüber Standard-Modellen einsparen? Dies war die Ausgangsfrage zu diesem Test.

Aero-Helme: Test im Windkanal zur besseren Vergleichbarkeit

Ein objektiver Vergleichstest in dieser Größenordnung kann nur im Windkanal stattfinden. Wie bereits der Test von Aero-Laufrädern (siehe RennRad 6/2018) fand auch dieser Helm-Test im Windkanal von GST in Immenstaad am Bodensee statt. Die wissenschaftliche Leitung übernahmen der Diplom-Ingenieur Volker Buchholz von der Hochschule OWL in Lemgo und der Bachelor-Student Joachim Schmeck.

Getestet wurde an einem eigens für diesen Test hergestellten, winkelverstellbaren Oberkörper-Dummy, der verschiedene Oberkörper- beziehungsweise Sitzpositionen zulässt. Das Spektrum reicht von einer flachen Zeitfahrposition bis hin zu einer aufrechteren, entspannten Haltung. Die hintere Hälfte eines Helms hat großen Anteil am gesamten Luftwiderstand. Denn dort löst sich der Luftstrom ab, und es kommt über dem Rücken des Fahrers zu verlustbehafteten Verwirbelungen.

Alle getesten Helm-Modelle in der Übersicht:

Standardhelme + MTB-Helm:

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Aero-Helme:

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Vergleich: Aero-Helme vs. Standard-Helme

Unser Test umfasst 13 Aero-Helme und vier Standard-Helme. Zu Letzteren zählen: Abus Aventor, Ekoi Corsa Light, Giro Aeon und Uvex Race 5. Vorweg sei angemerkt, dass diese vier Helme untereinander um vier Watt differieren.

Anhand des arithmetischen Mittels wurde deshalb aus den Leistungswerten der vier Stan-dard-Helme ein „normaler Durchschnittshelm“ kreiert. Später soll damit die Aussage möglich sein: „Mit dem Aero-Helm X spart man Y Watt gegenüber einem Standard-Helm.“

Aerodynamik: Sitzposition, Tipps und Tricks

Windkanal-Test von Aero-Helmen und Standardhelmen

Im Windkanal gaben wir dem Dummy eine gemäßigte sportliche Position vor, die realitätsnah auch auf langen Strecken fahrbar ist. Die Windgeschwindigkeit legten wir auf 45 Kilometer pro Stunde fest. Es handelt sich dabei um die Bezugsgeschwindigkeit für Zeitfahrer und Triathleten.

Für Hobbyfahrer rechneten wir die Ergebnisse auf 30 Kilometer pro Stunde herunter. Im Windkanal ermittelten wir mit dem Dummy für alle Helme gewichtete Leistungen von 240,3 bis 256,4 Watt. Die arithmetisch gemittelte Leistung der vier Standard-Helme betrug 254,3 Watt.

Die 13 Aero-Helme lagen zwischen 240,3 und 253,4 Watt. Diese Werte sind theoretischer Art, da beim Dummy Arme und Beine gekürzt sind. Zudem wurde ohne Rennrad gemessen. Interessant sind die Unterschiede der Leistungen dennoch. Da wir nur die Helme – und nicht etwa die Positionen – wechselten, sind die Differenzen allein den Unterschieden zwischen den Helmmodellen zuzuschreiben. Die Genauigkeit der Messwerte beträgt plus/minus 0,5 Watt.

Aero-Helme im Test: Die gewichtete Leistung

In den Testbriefen weisen wir zunächst die gewichtete Leistung des Dummys mit Helm aus. Während der Messung dreht sich der Prüfstand mit dem Versuchsaufbau von minus nach plus 20 Grad. Seitenwindverhältnisse sind demnach in diesem Test mitberücksichtigt. Einschließlich der Frontalanströmung (null Grad) erhalten wir für jedes Grad einen Messwert.

Die Auswertungs-Software von GST berechnete die „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit von dem Anströmwinkel. Das bedeutet: Die einzelnen Winkel mit den dazugehörigen Leistungen werden in dem Maße prozentual gewichtet, wie sie draußen im Praxiseinsatz auf den Straßen, vorkommen. Sicher wird dort ein frontaler Anströmwinkel am häufigsten sein und viel höher gewichtet werden als 20 Grad.

Die ausführlichen Testberichte zu den Aero-Helmen lesen Sie in der RennRad-Ausgabe 9/2018!

Interessant: Für die Radstrecke beim Ironman auf Hawaii hält die GST-Software wegen der starken Seitenwinde eine andere Gewichtung bereit. In der nächsten Zeile der Testbriefe finden Sie zum betreffenden Helm die Leistungs-Differenz zum Mittelwert der vier Standardhelme. Dieser beträgt 254,3 Watt. Positive Werte bedeuten, dass Leistung „gespart“ wurde. Somit kann hier die Aussage getroffen werden: „Der Aero-Helm X spart gegenüber einem durchschnittlichen Normalhelm Y Watt.“ Die 13 Aero-Helme im Test benötigen zwischen einem und 14 Watt weniger als unser „Durchschnitts-Normalhelm“.

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Test der Aero-Helme in realer Fahrsituation

Weiter geben wir die Zeit für 100 flache Kilometer an – jeweils gefahren mit 45 oder 30 Kilometern pro Stunde. Basis dieser Berechnung ist eine reale Fahrsituation auf einem Rennrad und mit dem dazugehörigen Leistungsbedarf für die Sitzposition „Unterlenker mit gestreckten Armen“.

Hier verrechneten wir die Leistungsgewinne und -verluste der einzelnen Helme. Neben der Zeit für diese Strecke geben wir auch den Zeitgewinn oder -verlust an, der sich gegenüber unserem durchschnittlichen „Normalhelm“ ergibt.

Weiterhin berechneten wir hier die Geschwindigkeit, die sich einstellt, wenn sich der beschriebene Rennradfahrer eine Strecke mit zehn Prozent Gefälle, ohne zu treten, also mit null Watt, hinabrollen lässt. Einige Aero-Helme wurden mehrfach gemessen, etwa mit und ohne Visier oder Belüftungsklappe, die entweder offen oder geschlossen war. Im Balkendiagramm, welches die Aero-Ergebnisse in Form der gewichteten Leistung darstellt, ist jeweils die aerodynamisch günstigste Variante dargestellt.

Gefälle-Berechnung der Aero-Helme

Bei der „Gefälle-Berechnung“ verwendeten wir nicht die gewichtete Leistung, sondern die bei der Frontalanströmung. Dies ist praxisnäher. Ein interessanter Fakt dabei ist, dass sich damit leichte Unterschiede in der Reihenfolge der Ergebnisse einstellen. Sicher stehen in diesem Test die Messergebnisse aus dem Windkanal im Vordergrund. Dennoch dürfen weitere Kaufkriterien nicht außer Acht gelassen werden.

Zum Beispiel die Belüftung: Denn was nützt der beste Aero-Helm, wenn seine Belüftung unzulänglich ist? Hier gilt es, differenziert zu bewerten. Als Erstes stellt sich jedoch die Frage: „Ab wann ist ein Helm ein Aero-Helm?“ Antwort: Die Übergänge sind fließend. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa der POC Ventral. Laut Herstellertext handelt es sich bei ihm um einen Helm, „der in Sachen Aerodynamik, Belüftung, Sicherheit und Leichtigkeit neue Maßstäbe setzt.“ Bei unseren Messungen im GST-Windkanal weist der Ventral zwar den schlechtesten Wert bei den Aero-Helmen auf, ist aber gleichzeitig der mit der besten Belüftung.

Aero-Helme sind häufig besser belüftet, als es von außen aussieht.

Testsieger: Die besten Aero-Helme in der Übersicht

Unter den vier „normalen“ Helmen weist der Uvex Race 5 den geringsten Widerstand auf – mit einem Leistungsbedarf von nur 251,4 Watt. Auf dem Prüfstand dringt er mit diesen Werten schon in den Bereich der aerodynamischen Helme ein. Der Giro Aeon liefert bei den „normalen Helmen“ zwar mit 256,4 Watt den „schlechtesten“ Wert, ist aber insgesamt der leichteste Stan-dard-Helm (194 Gramm) und der mit der besten Belüftung.

Der Aero-Sieger ist der Rudy Project Boost Pro. Er benötigte (mit Visier und geschlossener Stirnklappe) nur 240,3 Watt Leistung. Dieser Wert ist deshalb bemerkenswert, da die Basismessung, das heißt der Dummy ohne Helm, bereits 240,9 Watt, also 0,6 Watt mehr benötigte.

Rudy Project Boost Pro: Der Testsieger

Praktisch heißt das: Der Boost Pro leitet den Fahrtwind so strömungsgünstig um den Kopf und über den Rücken, dass sich bessere Werte einstellen als ohne Helm. Allerdings ist die Belüftung beim Rudy Project nur „ausreichend“. Wir bewerten hier mit Schulnoten (sehr gut = 1,0). Den Aero-Sieger Rudy Project Boost Pro, den Limar Road und den Smith Podium TT sehen wir als Spezialhelme für Zeitfahrer und Triathleten. Denn sie weisen fast keine Belüftungsöffnungen auf und „benötigen“ deshalb weniger Leistung.

Einen ganz hervorragenden Kompromiss zwischen Aerodynamik und Belüftung bieten der Giro Vanquish, der Abus Game changer und der Rudy Project Boost 01. Diese drei Helme sind die „Allround-Sieger“ des Tests. Grundsätzlich sind Aero-Helme mehr als Standardhelme, deren offene Belüftung „überdacht“ wurde. Vielmehr leisteten die Aerodynamik-Experten ganze Arbeit. Ausgefeilte, düsenförmige Öffnungen an der Front führen den kühlenden Wind durch große Kanäle über den Kopf. Spezielle Auslassöffnungen leiten den Wind gezielt über den Rücken hinaus.

Aero-Helme besser belüftet als gedacht

Beispielsweise finden wir beim Uvex Edaero Kanalquerschnitte von 35 mal 25 Millimetern. Als Zwischenfazit können wir festhalten: Auch Aero-Helme sind in der Regel besser belüftet, als ihre geschlossene, verschalte Optik vermuten lässt. Alle Helme wurden neben dem Windkanal- auch einem Praxistest unterzogen.

Das Kriterium „Belüftung“ prüften wir bei rund 25 Grad auf einer kurzen Runde, alle Helme direkt nacheinander. Folgendes sollte jedoch bedacht werden: Die Belüftung, die im Sommer ein „ausreichend“ erhält, kann bei kühlen Frühjahrstemperaturen die perfekte Lösung sein. Der Kask Infinity und der Lazor Bullet verfügen über große Luftklappen, die während der Fahrt mit zwei Fingern geöffnet oder geschlossen werden können. Beide sind damit in einem größeren Temperaturbereich optimal nutzbar.

Aero-Helme im Test: Das Fazit

Dieser Helm-Test ist durch seine aufwendigen Messungen im Windkanal und die vielen zurückgelegten Kilometer auf dem Rennrad bisher einzigartig. Losgelöst von all den Messergebnissen und Aerodynamikwerten bleiben jedoch auch weitere Kriterien entscheidend: Preis, Sicherheit, Optik und Passform.

Der Kopf ist individuell. Nicht jeder Helm passt zu jedem Fahrertyp und zu jeder Fahrposition. Es ist daher wie bei Trikots, Radschuhen oder Sätteln: Das Anprobieren vor dem Kauf bleibt unerlässlich.

Die Test-Ergebnisse im Überblick.

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