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Virtuelles Training: Trainingstipps für Radfahren auf dem Rollentrainer

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Virtuelles Training: Trainingstipps für Radfahren auf dem Rollentrainer

Rolle statt Straße. Allein statt in der Gruppe. Für Radsportler sind in diesem Frühjahr viele Änderungen des gewohnten Saisonablaufs nötig. Virtuelles Training Zuhause kann eine Alternative sein. Tipps.
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Das Radsportjahr 2020 wird aufgrund des Corona-Virus ein anderes sein, als wir es kennen. Die Vorfreude auf die Radmarathons des Jahres wurde durch zahlreiche Absagen getrübt. Ob und wann es in diesem Jahr große Radveranstaltungen geben wird, ist noch ungewiss. Viele suchen daher den Weg in die virtuelle Radsportwelt – das zeigt sich nicht nur an den Meldungen über den Ausverkauf bei zahlreichen Herstellern von Rollentrainern. Auch die Nutzerzahlen der digitalen Plattformen sind deutlich angestiegen. Virtuelles Training als Lösung in der Krise.

Digitalisierung und virtuelles Training

Das gilt für Amateurradfahrer ebenso wie für Profis. Um den Fans und Sponsoren dennoch etwas bieten zu können, wurden auf diversen Plattformen Rennen wie die Ronde van Zwift und die „Digital Suisse 5“, eine virtuelle Form der Tour de Suisse, gestartet – für die Profis zumindest eine Chance, sich zu vergleichen und an der eigenen Form zu arbeiten. Und sich präsentieren zu können. Das ist wichtig, denn die Finanzierung ist im Profiradsport an einigen Stellen unsicher, die Krise verschärft diese Situation erheblich.

Für die Digitalisierung im Radsport ist die Krise hingegen eine Chance. Digitale Rennen unter Amateuren und unter Profis bieten ein großes Marktpotenzial. Dies wurde einigen Herstellern erst durch die besondere Situation so deutlich bewusst. Bereits vorher war der Radsport in diesem Bereich weit fortgeschritten, die vergangenen Wochen gaben der Entwicklung einen weiteren Schub.

Dass die digitale Flandern-Rundfahrt mit 13 World-Tour-Profis im belgischen Fernsehen 600.000 Zuschauer erreichen konnte, demonstriert die Massentauglichkeit der virtuellen Rennen. Zwift und andere Plattformen beweisen sich als Alternativprogramm zum Straßenradsport – nicht nur als Zuschauersport, sondern auch als Trainingsmöglichkeit.

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Worauf sollte man sich vorbereiten?

Viele Amateure und Profis stehen nun vor der Frage: Worauf sollte man sich vorbereiten, nachdem so gut wie alle Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden mussten? In Deutschland sind Großveranstaltungen bis Ende August verboten. Die meisten Saisonhöhepunkte wie der Ötztaler Radmarathon sind abgesagt oder – wenn möglich – in den Herbst verschoben worden.

Die UCI sieht für die Profis aktuell einen Rennkalender von August bis November vor. Dennoch bleibt auch für die Hobbyradsportler das Radfahren ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens.

Bei der Trainings- und Saisonplanung waren einige Anpassungen notwendig. Die Aufbauphase konnte verlängert werden und der Saisonhöhepunkt liegt nun bei den meisten Sportlern erst im Herbst – in der Hoffnung, dass bis dahin wieder Großveranstaltungen möglich sein werden.

Auch unsere Team-Trainingslager und Events mussten wir leider zum Großteil absagen. Stattdessen boten wir zahlreiche virtuelle Fahrten an. Das machen wir über Zwift bereits seit etwa eineinhalb Jahren.

Auf „Zwiftpower“ ist unser virtuelles Team auf fast 400 Fahrer angewachsen und unsere Gruppenfahrten werden von den Fahrern gut angenommen. Durch die Chat-Funktion kommt man so einer gemeinsamen Ausfahrt am nächsten. Der hier vorgestellte Trainingsplan kann auf der Straße ebenso durchgeführt werden wie auf der Rolle.

Radrennen und Veranstaltungen

Was für den Radsportler als Individuum noch zu verkraften ist, wird für Event- und Reiseveranstalter zu einem existenziellen Problem. Es steht zu befürchten, dass einige Events im kommenden Jahr nicht mehr im Kalender stehen werden. Die üblichen Ziele für die Trainingslager und den Radtourismus könnten sich ebenfalls verändern.

Es ist wichtig, mit bezahlten Startplätzen kulant zu agieren. Viele Veranstalter bieten eine Gutschrift für zukünftige Veranstaltungen an. Auch vielen Teams und Vereinen macht die Corona-Krise zu schaffen und sie könnte für einige das Aus bedeuten. Es bleibt zu hoffen, dass die Sportwelt zusammenhält und die Lage gemeinsam meistern wird.

Auch hier bieten digitale Angebote eine Chance. Einige Veranstalter haben reagiert und ihre Leistungen online angeboten. Dazu zählen digitales Fitnesstraining, Livestreams, Videokonferenzen und mehr. Einige Beispiele für Kooperationen wurden bereits genannt.

Ist virtuelles Training ein ebenbürtiger Ersatz?

Die digitale Tour de Suisse fand auf der Plattform „Rouvy“ statt, die Flandern-Rundfahrt ließ sich auf Zwift und Bkool nachfahren. Der Giro-Veranstalter RCS organisierte eine digitale Variante des Klassikers Mailand-San Remo und der Italien-Rundfahrt. Dabei standen aktuelle und ehemalige Profis wie Vincenzo Nibali und Ivan Basso am Start. Bei diesen Angeboten gibt es häufig auch für Hobbyfahrer die Option, die gleiche Strecke vom heimischen Indoor-Trainer aus nachzufahren. So kann man sich direkt mit den Profis messen und unmittelbar mit ihnen in Kontakt treten.

Für die wenigsten werden diese Angebote und digitalen Events ein ebenbürtiger Ersatz für den Giro d’Italia im Fernsehen oder den Ötztaler Radmarathons mit dem eigenen Rad sein. Sie bieten jedoch eine neue, eine andere Art des Radsporterlebnisses.

Und jeder kann selbst entscheiden, ob er in diese Welt eintauchen möchte oder es wie Peter Sagan sieht, der sagt: „Ich bin ein realer Radsportler, kein virtueller. Ich vermisse das Gefühl, draußen auf der Straße zu sein.“

Einen ausführlichen Trainingsplan zu dem Artikel über virtuelles Training finden Sie in der RennRad 6/2020.


Stefan Kirchmair ist zweifacher Ötztaler-Radmarathon-Sieger und Radtrainer mit A-Lizenz. Seine Renn- und Trainings-Erfahrungen gibt er gerne weiter. Für Fragen stehen er und sein Team zur Verfügung. Mehr zu ihm gibt es auch auf www.kirchmair-cycling.com sowie auf der entsprechenden Facebookseite.

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