Rennrad-Anfänger: Wichtige Tipps zu Technik, Taktik und Material

Antworten für Rennrad-Einsteiger

Rennrad-Anfänger: Wichtige Tipps zu Technik, Taktik und Material

Von Material über Fahrtechnik bis hin zum richtigen Verhalten in der Gruppe: In unserem Spezial beantworten wir die wichtigsten Fragen für Rennrad-Einsteiger.
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Welches Material brauche ich als Rennrad-Einsteiger?

Radklamotten, Radschuhe, Helm und Werkzeug. Für die Basisausstattung kann man schnell einige hundert Euro loswerden. Am wichtigsten in puncto Funktionsbekleidung sind aber ein Trikot mit Rückentaschen, eine Radhose mit Trägern und Sitzpolster, Funktionsunterhemd, Arm- und Beinlinge und eine Regenjacke oder -weste. Preisgünstig gibt es die Ausstattung meist zwischen Oktober und Dezember. Dann planen die Hersteller schon fürs neue Jahr. Die aktuellen Kollektionen sind deshalb häufig massiv reduziert. Kleiner Tipp am Rande: Unter der Radhose trägt Mann keine Unterwäsche. An kalten Tagen lieber eine Funktionsschicht mehr unter das Trikot ziehen und die Hose etwas dicker wählen.

Welche Teile müssen ans Rad?

Mindestens ein Ersatzschlauch und zwei Reifenheber gehören in die Satteltasche. Auch nützlich: Flickzeug, Mini-Tool und Kleingeld. Zudem sollte eine Mini-Luftpumpe beziehungsweise C02-Kartusche mit Aufsatz ans Rad oder in die Trikottasche. Eine Anleitung zum Reifen- und Schlauchwechsel finden Sie hier: Rennrad Reifenwechsel

Woran erkenne ich einen guten Radhelm?

Teuer ist nicht immer gleich gut. Auch vergleichsweise günstige Helmmodelle bieten guten Schutz. Der Helm muss vor allem zu Ihrer Kopfform passen. Nur wenn der Helm richtig sitzt und nicht verrutschen kann, macht er auch Sinn. Auch die Belüftung ist neben dem Gewicht ein wichtiges Kaufkriterium. Viele Hersteller bieten mittlerweile auch unterschiedliche Innenpads zur Anpassung an den Fahrer an. Ein eingebautes Fliegengitter kann zwar Insekten abhalten, doch die enorm wichtige Belüftung leidet meist darunter. Generell gilt: Die Auswahl an Helmen auf dem Markt ist mittlerweile riesig – es gibt besonders leichte (etwa der Limar Ultralight), besonders gut belüftete (zum Beispiel von Giro), besonders aerodynamische (etwa von Met) und besonders günstige (zum Beispiel von Ekoi). Einen großen Helmtest finden Sie in der nächsten RennRad-Ausgabe 5/2016.

Welches Pedalsystem passt am Rennrad am besten zu mir?

Grundsätzlich gibt es zwei dominierende Pedalsystemhersteller: Look und Shimano (siehe auch Pedaltest S. 64 in dieser Ausgabe). Die Platten (Cleats) sind sich optisch recht ähnlich. Miteinander kompatibel sind sie nicht. Die Modellpalette der Hersteller ist ähnlich aufgebaut. Bei Look wie auch bei Shimano gibt es Klickpedale, an denen auch Carbon verwendet wird. Für Einsteiger genügen zunächst jene ohne Carbon. Die Preisspanne beginnt bei 45 Euro. High-End-Modelle mit Carbon kosten viermal so viel.  Alternativen sind zum Beispiel die Systeme von Time und Speedplay.

Rennradfahren ohne Beleuchtung. Ist das rechtswidrig?

Für Rennräder, die weniger als elf Kilogramm wiegen, gibt es in Deutschland für die Beleuchtung eine Sonderregelung. Am Fahrrad selbst braucht keine Beleuchtungsanlage fest installiert zu sein. Es genügen batteriebetriebene Front- und Schlussleuchten, die mitzuführen sind.

Sitzposition: Wie finde ich meine richtige Sitzhöhe?

Seine Sitzposition zu ermitteln kommt für Profisportler einer wissenschaftlichen Arbeit gleich. Einsteiger dagegen wählen am besten eine der drei hier vorgestellten Methoden:

Methode 1: Sie setzen sich in den Sattel und stellen die Schuhferse aufs Pedal. Die Position der Kurbel bildet die Verlängerung des Sitzrohrs. Ihr Bein ist also durchgestreckt. Achten Sie darauf, Ihr Becken nicht zu verschieben, um das Pedal zu erreichen.

Methode 2: Sie setzen sich in den Sattel und klicken sich ins Pedal ein. Drehen Sie die Kurbel, bis sie in der Flucht zum Sitzrohr steht. Sitzt man in der richtigen Höhe, sollte Ihre Schuhsohle parallel zum Boden stehen.

Methode 3: Sie messen Ihre Schrittlänge (ohne Schuhe). Zieht man davon nun zehn Zentimeter ab, ergibt sich daraus die Sitzhöhe. Eine andere Variante ist, Ihre Schrittlänge mal 0,885 zu nehmen. Sie bekommen so die Sitzhöhe, gemessen von der Mitte des Innenlagers bis zur Mitte des waagerechten Sattels. Oder: Alternativ bietet sich ein Bike-Fitting, eine wissenschaftliche Vermessung, bei einem Händler oder einem Sportinstitut an. Dies ist die genaue Variante.

Wie positioniere ich meine Schuhplatten richtig?

Im Idealfall steht Ihr Fußballen über der Pedalachse. Sie ertasten also ohne Socke und Schuh den Spalt im Großzehen- und Kleinzehengrundgelenk auf der Innen- und Außenseite des Fußes. Auf beide Seiten kleben Sie jeweils ein Steinchen unter Zuhilfenahme eines Klebestreifens. So finden Sie durch leichten Druck auf die entsprechenden Stellen auch mit angezogener Socke und Schuh problemlos die Gelenke. Sie markieren diese auf der Unterseite des Schuhs. Im Anschluss verbinden Sie beide Linien miteinander. Die Schuhplatte wird dann mittig platziert.

Welche Sitzlänge und Lenkerüberhöhung sollte ich wählen?

Die Einstellung variiert je nach Körpergröße, Beweglichkeit und Rennausrichtung. Grundsätzlich gilt: Ein Marathon-Fahrer sitzt aufrechter, also mit geringerer Überhöhung und kürzerer Sitzlänge. Ein Rennfahrer wählt eine eher gestreckte Position. Er legt Wert auf eine relativ große Überhöhung und ein längeres Oberrohr. Bei der Renngeometrie liegt der Schwerpunkt auf schnellen Kurvenfahrten und besserer Aerodynamik und damit deutlich tiefer als beim Marathon-Fahrer. Das oberste Gebot für den Rennrad-Neuling sollte aber lauten: Man muss sich wohlfühlen, daher: lieber aufrecht.

Wie verhalte ich mich auf Abfahrten?

Hier kommt oft die Unterlenkerposition zum Einsatz. Man greift mit beiden Händen den Unterlenker. Vorher sollte man die Bremshebelstellung an seine Griffweite anpassen. Sind die Hände am Unterlenker, kommt man so am schnellsten an die Bremsen. Fährt man geradeaus, kann man dabei die Knie leicht ans Oberrohr drücken. Das beruhigt das Rennrad und sichert zudem eine aerodynamische Position. Generell gilt: Fahren Sie vorausschauend und bremsen Sie rechtzeitig „an“. In der Kurve ist es zu spät. Lassen Sie sich genauso wie bergauf nicht von anderen Gruppenteilnehmern unter Druck setzen, sondern fahren Sie Ihr eigenes Tempo.

Wie fahre ich sicher durch Kurven?

Schon die Kurvenanfahrt ist wichtig. Der Straßenverlauf sollte gut einsehbar sein. Suchen Sie sich gedanklich eine Bremslinie auf der Fahrbahn aus, auf der möglichst kein Schmutz ist. Bei einer Linkskurve fahren Sie die Kurve am rechten Fahrbahnrand an. Sie bremsen dabei wohl dosiert sowohl mit der Vorder- als auch mit der Hinterradbremse. Das kurveninnere Pedal sollte oben stehen. Ein Schleifen kann böse Folgen haben. Im Kurveninneren lösen Sie die Bremse und lenken ein. Am besten, Sie bleiben dabei so lange außen, bis klar ist, wie die Straße genau verläuft. Erst dann lassen Sie sich nach innen tragen. Bei Linkskurven sollten Sie den äußersten Fahrbahnrand meiden. Dort liegt noch öfter Schmutz als in der Fahrbahnmitte.

Wie verhalte ich mich bei Gruppenausfahrten richtig?

Nebeneinander oder hintereinander? Einer- oder Zweier-reihe? Fährt man als Neuling das erste Mal in einer Gruppe mit, sollte man sich vorher über die üblichen Verhaltensregeln im Klaren sein. Grundsätzlich müssen auch Rennradfahrer in einer Reihe auf der rechten Straßenseite fahren. Ist die Gruppe größer als 15 Personen, darf in Zweierreihe gefahren werden. Es handelt sich dann nämlich um einen geschlossenen Verband. Allerdings darf der Straßenverkehr durch das Nebeneinanderfahren nicht behindert werden. Ist die Straße also sehr schmal, muss trotzdem hintereinander gefahren werden.

Außerdem sollten alle Fahrer alle wichtigen Handzeichen beherrschen (siehe nächsten Punkt), um Gefahrensituationen anzeigen zu können. Gerade in der Gruppe sollte man immer wachsam und konzentriert fahren – das Unfallrisiko kann hier für Einsteiger zunächst höher sein.

Welche wichtigen Handzeichen gibt es beim Rennradfahren in der Gruppe?

Da nur der vorne Fahrende freie Sicht auf Straße und Hindernisse hat, gibt er seinen Mitfahrern per Zeichen die entsprechenden Mitteilungen nach hinten weiter. Die Zeichen sind: Zeigefinger zeigt gestreckt auf die Fahrbahn: Obacht, hier warten Schlaglöcher oder Unebenheiten auf der Fahrbahn. Bitte rechtzeitig ausscheren.

Winken mit der Hand hinter dem Rücken: Achtung, hier warten Hindernisse am Fahrbahnrand, zum Beispiel Personen oder parkende Autos. Die Gruppe soll also ihre Spur in die Richtung verlegen, in die man winkt. Eventuell das Tempo verlangsamen, auf jeden Fall frühzeitig ausscheren.

Seitlich den Arm nach links oder rechts ausstrecken: Gleich wird abgebogen. Der vorne Fahrende gibt am besten frühzeitig damit an, dass an der folgenden Kreuzung die Richtung geändert wird.

Arm nach hinten oder die Finger beider Hände am Lenker nach außen strecken: Achtung, ich stehe auf! Wer in den Wiegetritt wechselt, sollte dies anzeigen, um ein Auffahren des Hintermanns zu vermeiden.

Arm senkrecht nach oben: Stopp! Bitte Abbremsen! Ein Hindernis versperrt den Weg. Bremsen Sie vorsichtig, nicht brachial, so vermeiden Sie Auffahrunfälle.

Was ist eine Ablösung?

Diese erfolgt, wenn der oder die führenden Fahrer einer Gruppe aus dem Wind in den Windschatten ans Ende der Gruppe wechseln möchten. Bei einer Zweierreihe zeigen beide Fahrer ihre Wechselabsicht durch ein mehrmaliges „Nach-Oben-Zucken“ des Ellenbogens an. Sie beschleunigen kurz und scheren dann nach rechts und links oder beide nach rechts aus und lassen sich dort ans Gruppenende fallen.  Die anderen Reihen rücken zeitgleich nach vorne auf.

Dürfen Fahrzeuge, die an einer Ampel warten, rechts überholt werden?

Sie dürfen. Allerdings sollte man laut StVZO nur mit mäßiger Geschwindigkeit und mit besonderer Vorsicht rechts überholen, und nur wenn dort ausreichend Platz vorhanden ist. Ansonsten gilt: hinter den Autos einreihen.

Was ist eine Windkante oder Windstaffel?

Bläst bei einem Radrennen starker Seitenwind, erkennt man aufgrund der Anordnung der Fahrer, aus welcher Richtung der Wind kommt. Die Fahrer radeln nicht hintereinander, sondern seitlich versetzt. Wenn der Wind von vorne links kommt, fahren sie rechts hinter dem Vordermann. Das hat zur Folge, dass irgendwann ein Fahrer am rechten Rand der Fahrbahn unterwegs ist und der nach ihm folgende keinen Platz mehr hat. Er muss also eine neue Reihe bilden, weil für ihn kein Platz mehr ist. Damit ist er Opfer der Windkante geworden. Das muss jetzt noch nicht bedeuten, dass man abgehängt wird, doch die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Windstärke und dem Rennverhalten der Mannschaften. Bei Gruppenfahrten wird nicht die volle Breite der Straße genutzt und die Windkante ist kein renntaktisches Mittel. Hier wird bei Seitenwind in der Windstaffel, also schräg versetzt hintereinander und damit weiterhin im maximal möglichen Windschatten gefahren.


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