Campagnolo: Schaltgruppen im Test

Im RennRad-Test: Campagnolo-Gruppen

Campagnolo: Schaltgruppen im Test

Die Schrift: schwungvoll. Die Aussprache: weich. „Campagnolo“. Die Italiener bauen Antriebe mit präzisen Schaltungen und bissigen Bremsen. Ihre Gruppen machen genau das, was sie machen sollen und zwar schnörkellos. Grund genug, um sie alle neun im Detail anzuschauen.
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Edle Komponenten, knackiger Gangwechsel, kleine Daumenschaltgriffe und jede Menge Tradition – das ist Campagnolo. Viele Kunden der italienischen Kultmarke kaufen sich ein Campa-Rad nicht nur wegen der Funktionalität. Nein, auch weil sie etwas mit Campa verbinden: die pure Radsportleidenschaft. Jahrzehntelang war Campagnolo Marktführer im Rennrad-Bereich. Jahrzehntelang haben die großen Radsporthelden wie Bartali, Coppi oder Merckx ihre Siege auf Campa-Rennmaschinen eingefahren. Und heute?

Überflutet

Heute schalten nur noch fünf der 19 Profimannschaften mit Campa. Shimano und Sram bestimmen die Szene. Auch im Verkauf. Der Markt ist im günstigen und mittleren Preisbereich von ihren Produkten überflutet. Campagnolo findet man hier nur noch selten. Und das, obwohl die Italiener ein breites Portfolio anbieten: Neun Gruppen sind im Programm – sechs mechanische, drei elektronische. Von günstig bis richtig teuer, von Veloce bis Super Record EPS (Electronic Power Shift). So auch in unserem Test.
Die Gruppe allein macht den Preis und das Fahrgefühl natürlich nicht aus. Die Frage ist: An welchem Rad ist sie verbaut? Die Modelle im Test sind genauso unterschiedlich wie die Gruppen. Das heißt: Die Preisunterschiede sind enorm. Ganze 8138 Euro liegen zwischen dem teuersten (Merckx) und dem günstigsten Rad (Axiom). Direkt vergleichbar sind sie also nicht. Der Test soll Beispiele für verschiedene Campa-Räder geben und die Produktpalette der Italiener erklären.

Geldbeutel leer

Das große Angebot ist nicht ganz so leicht zu durchschauen. Mit der Super Record EPS und der Record EPS produzieren die Italiener zum Beispiel zwei elektronische Gruppen auf höchstem Niveau. Die technischen Differenzen sind gering und wenn, dann nur für Materialfetischisten erkennbar. Deshalb finden sich auch beide Gruppen nahezu gleich verteilt an den Top-Rädern der Hersteller. Die Carbon-Motorengehäuse werten jedes Rahmenset optisch noch einmal auf. Sobald man in die Pedale tritt und das erste Mal die Griffe bedient, spürt man sofort: Die Schalteigenschaften sind campalike. Schnell, klar gerastert, mit einem knackigen Sound. An der Sache gibt es nur einen Haken. Kauft man sich ein Rad mit der Campagnolo Super Record EPS oder der Record EPS ist das gleichbedeutend mit: Geldbeutel leer. Deshalb wurde im letzten Jahr auch eine preisliche Alternative vorgestellt, die Athena EPS. Sie ist etwas günstiger und konkurriert so mit der Ultegra Di2. Und das kann sie auch.

Schwer erhältlich

Die Schaltung der Athena EPS hat einen klaren Druckpunkt, wodurch sie sich sehr präzise steuern lässt. Das gefällt sogar besser als bei Shimano. Die Gänge wechseln geschmeidig. Die Athena EPS steht der Ultegra Di2 in nichts nach. Nur der Umwerfer ist im Vergleich etwas lauter. Schwierig ist es derzeit noch, an ein Rad mit dem Italo-Pendant zur Ultegra Di2 ranzukommen. Die dritte elektronische Campa-Gruppe wird noch selten serienmäßig an den Rädern verbaut. Alternativ bieten aber mehrere Hersteller eine individuelle Konfiguration mit der Athena EPS an.

Elf im Vorteil

Das obere Ende der mechanischen Campagnolo-Produktreihe besetzt ebenfalls die Super Record und die Record – nur eben ohne EPS. Die Super Record wurde 2009 wieder eingeführt und war damals die erste Elffach-Gruppe überhaupt. Heute haben bis auf die Centaur und die Veloce alle Campa-Gruppen elf Ritzel. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Sprünge zwischen den Ritzeln sind geringer, und man hat eine größere Gangauswahl an Bord – was vor allem für längere Bergetappen sehr angenehm ist. Vom Preis-/Leistungsverhältnis sind im Campa-Elffach-Bereich die Chorus und dieAthena am interessantesten. Die Chorus-Gruppe liegt in der Shimano-Welt etwas über der Ultegra, aber noch unter der Dura Ace. Die Athena ist in der Campagnolo-Gruppen-Hirarchie die erste mit Elffach-Schaltung. Bei ihr bekommt man optional hochwertige Carbongriffe oder eine Carbon-Kurbelgarnitur. Die Kassette sowie Kette werden von der größeren Schwester Chorus beigesteuert, was das Gesamtpaket noch einmal aufwertet. Der größte Unterschied zur Chorus: Es können nicht mehr alle Gänge mit dem Daumenhebel auf einmal durchschalten werden.

Achtung bissig

Die nominell untersten Gruppen – die Centaur und die Veloce – sind zwar die günstigsten, bieten aber immer noch ein Preis-/Leistungsverhältnis auf sehr gutem Niveau. Was positiv auffällt: Sie sind extrem leichtgängig, und das Bremsverhalten ist bissig, aber gut dosierbar. Die Bremsperformance ist auf Augenhöhe mit Shimano 105 und überzeugender als bei Sram Rival oder Apex. Aus funktionaler Sicht sind die Centaur und die Veloce also top. Bezeichnend für den hohen Campa-Qualitätsanspruch: Die zweitgünstigste Gruppe, die Centaur, kann man immer noch mit Carbon-Griffen und -Kurbeln haben.
Hohe Qualität hat natürlich auch ihren Preis. Campagnolo ist im Vergleich zu Shimano oder Sram etwas teurer. Dafür schaltet und bremst man mit Komponenten, die Exklusivität ausstrahlen, italienische Eleganz mitbringen und Radsportgeschichte sind.


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